11.06.2015 Wie die digitale Revolution an Deutschlands Schulen gelingt

Wenn man mit vielen Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft spricht, stellt man immer wieder fest, dass diese sich nicht so recht vorstellen können, wie Digitale Bildung praktisch überhaupt umgesetzt werden kann. Man hat zwar das Gefühl, dass Deutschland in Teilen manchmal über zehn Jahre bei diesem Thema zurückliegt, kann sich aber nicht vorstellen, wie man dies real ändern kann.

Aus diesem Grund hat die CDU/CSU-Bundestagsfraktion die Idee entwickelt, im Rahmen des kommenden Kongresses Bildung 2.0 – Digitale Bildung neu denken , der die Bereiche Schule, Hochschule und Start-Ups abdeckt, mit einer beispielhaften Ausstellung den Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, sich digitale Lehrmedien und -programme anzuschauen und selbst auszuprobieren.

Es ist uns ein Anliegen bei dem Thema weiter Druck zu machen. Der von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gemeinsam mit dem Koalitionspartner im März in den Deutschen Bundestag eingebrachte Antrag "Durch Stärkung der Digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden" hat große Aufmerksamkeit erzeugt.

Die internationale ICIL-Studie hat herausgearbeitet, dass Deutschland bei der Digitalen Bildung den Weltmeistern weit hinterher hinkt. Magere 1,5 Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler haben bei der Studie die höchste Kompetenzstufe erreicht. Computereinsatz findet viel zu selten, wenig sinnvoll und kaum fächerübergreifend statt. Nur 30 Prozent arbeiten in der Schule regelmäßig mit ihnen. Der internationale Mittelwert liegt bei 52 Prozent.

Die Studie macht klar, dass das Aufwachsen in einer technologisch geprägten Welt nicht automatisch zu kompetenteren Nutzern führt. 30 Prozent der Schüler verfügen nur über sehr gering ausgeprägte digitale Kompetenzen. Ohne stärkere Verankerung digitaler Medien in allen Lernprozessen droht international auf Sicht der Abstieg.

Die Bereiche Lernen, Wissensaneignung und Mediennutzung werden sich durch die Digitalisierung fundamental ändern. Zwei Drittel der Lehrer sind der Auffassung, dass der Einsatz digitaler Medien junge Menschen motivierend dabei unterstützt, Informationen wirksamer zu verarbeiten. 72 Prozent der Eltern und Schüler wünschen einen verstärkten Einsatz digitaler Medien.

Um digitale Spaltung zu vermeiden, müssen wir allen Kindern und Jugendlichen eine vernünftige digitale Grundbildung zukommen lassen. Diese ist eng mit Medienkompetenz verknüpft und beinhaltet den sicheren, verantwortungsvollen und kritischen Umgang mit digitalen Medien und Programmen. Dies ist mit Blick auf den Datenschutz wichtig, aber auch für bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Trotz dieser klaren Befunde nimmt die Debatte über die Digitale Bildung leider manchmal bizarre Schwarz/Weiß-Züge an, die dem Anliegen, Medienkompetenz zu erlangen, einen Bärendienst erweisen. Weder „totale Zwangsdigitalisierung“, wie der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus befürchtet, noch dauerhafte „Orte des digitalen Fastens“ können realistische Ziele einer vernünftigen Bildungspolitik sein.

Wenn in einer Minute im Internet 204 Millionen E-Mails verschickt, 13,8 Millionen WhatsApp-Nachrichten versendet, 42.000 Fotos bei Instagram hochgeladen, 277.000 Tweets gesendet werden, dann ist das die Lebensrealität, mit der unsere Kinder und Jugendlichen aufwachsen.

Aufgabe einer zukunftsorientierten Bildungspolitik muss es sein, endlich die Lebensrealität des 21. Jahrhunderts in Schule, Hochschule und Weiterbildungseinrichtungen zu bringen. Es ist zu begrüßen, dass die Bundesregierung nun mit den Ländern eine „Strategie Digitales Lernen“ erarbeitet und die Regierungsfraktionen mit ihrem Antrag einen klaren Handlungsauftrag gegeben haben.

Es muss über einen Staatsvertrag festgelegt werden, welche Kernkompetenzen und grundsätzlichen Bildungsinhalte deutschlandweit in der Schule gelehrt werden, damit ein einheitlicher Standard gilt, der eine stärkere Vergleichbarkeit der Bildungspolitik einzelner Länder ermöglicht.

Es ist unerlässlich, bei der Aus- und Weiterbildung von Pädagogen und Lehrkräften anzusetzen. Wir brauchen eine Anpassung der Curricula und Prüfungsordnungen bei der Lehrerausbildung, bei der sich bislang nur magere 12 Prozent Kenntnisse über digital basierten Unterricht aneignen konnten. Neben der digitalen Grundbildung brauchen wir digitale Exzellenz.

Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, nach dem Vorbild der Eliteschulen des Sports, unsere IT-Spitzenkräfte von morgen an Profilschulen IT/Digital auszubilden. Die Länder könnten dies beispielsweise durch die freiwerdenden BAföG-Mittelentlastungen durch den Bund finanzieren. Und ähnlich wie bei der Plattform Industrie 4.0, in der Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und Politik den Schulterschluss suchen, brauchen wir eine ähnliche Zusammenarbeit beim Pakt für Digitale Bildung, der die unterschiedlichen Aktivitäten dieser Akteure bündelt, damit wir inhaltlich und infrastrukturell in Deutschland vorankommen.

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Sven Volmering

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