02.03.2015 Standortfaktor Kälte - Schweden zieht Rechenzentren an

Das kalte Luleå an der schwedischen Ostseeküste ist nicht unbedingt als Hotspot der digitalen Welt bekannt. Das ändert sich gerade. Schweden plant, eine Art Test-Rechenzentrum unter dem Namen SICS ICE im ehemaligen Fischerdorf zu etablieren. Facebook ist schon da, Ericsson und ABB haben sich bereits Plätze reserviert.

Die Bedingungen sind im hohen Norden denkbar gut: kaltes Klima prima für die Kühlung, geringe Stromkosten, keine Naturkatastrophen, stabile politische Umgebung, schnelle Datenanbindung, gut ausgebildete Fachkräfte. Fast alles wie in Deutschland. Wenn da nicht die Sache mit den hohen Stromkosten hierzulande wäre. Beim Klima können wir nicht viel machen, aber bei den Stromkosten haben wir einen handfesten Standortnachteil.

Was muss passieren, damit Deutschland nicht den Anschluss verliert? Im Bitkom ist das Thema „Standortfaktor Deutschland“ schon seit einiger Zeit auf dem Radar, da es in Deutschland hierzu einen deutlichen Nachholbedarf gibt. In den Gesprächen, die wir führen, hält uns die Politik oft entgegen, dass der Sektor „Rechenzentren“ in Deutschland doch wachse und damit kein Handlungsbedarf bestünde. Verkannt wird jedoch allzu oft, dass bei uns die Wachstumsraten deutlich geringer als in anderen Ländern sind. In den Jahren 2008 bis 2013 betrug das relative Wachstum der Colocation-Rechenzentrumsfläche im Raum Frankfurt immerhin 20 Prozent. Verglichen mit dem Wachstum in Amsterdam mit 75 Prozent ist das aber gering. Gut, das absolute Niveau in Amsterdam ist nur rund halb so groß wie in Deutschland. Daher muss ein größeres Wachstum zunächst nicht verwundern. Aber das Niveau der Colocation-Rechenzentrumsfläche in London ist etwa doppelt so groß wie in Frankfurt. Und dort liegt das Wachstum auch bei etwa 30 Prozent.

Nicht alle Rechenzentren können ihren Betrieb ins Ausland verlagern, weil z.B. rechtliche Bedingungen dagegen stehen. Beispielsweise gilt das für die meisten Rechenzentren von Behörden und öffentlichen Einrichtungen. Im Bereich der privaten Rechenzentren ist das aber oft kein Problem. Dort spielen eher technische Parameter, wie z.B. die Latenz (auch als ping-Zeit bekannt), eine Rolle. Vor allem bei Colocation -Rechenzentren, Hosting- und Cloud-Anbietern wird das Thema intensiv diskutiert. Dies sind genau die Orte, an denen das Internet stattfindet. Wo große Suchmaschinen laufen, wo Online Handel und unternehmenskritische Prozesse der Wirtschaft laufen.

Die Frage, ob sich ein Rechenzentrum und mit ihm die Daten in Deutschland oder anderswo befindet, ist aus technischer Sicht kaum interessant. Aber aus politischer Sicht ist es auch eine Frage der digitalen Souveränität.

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Christian Herzog

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