02.10.2015 Cyberkriminalität: Neue Wege in veränderten Zeiten

Wir haben es schon länger nicht mehr mit einzelnen Hackern oder so genannten Skript Kiddys zu tun, die versuchen in Systeme einzubrechen, um schlicht zu schauen, ob es funktioniert. Die Cyberkriminalität ist eine boomende und ausdifferenzierte, arbeitsteilig vorgehende und effizient organisierte Industrie geworden.

Es geht deshalb um die Bekämpfung von Ransomware, mit deren Hilfe die Opfer zur Zahlung eines Betrages erpresst werden sollen. Dabei wird ein Computer oder in Zukunft vermutlich auch das Telefon gegen den Willen des Besitzers verschlüsselt. Für die Entschlüsselung soll dann gezahlt werden, was aber in den wenigsten Fällen tatsächlich geschieht.

Die Erpressung wird vermutlich auch noch weiter gehen. Der digitale Einbruch in die Datenbanken von Seitensprungportalen diente dazu, die Datensätze auf sog. Darknet-Handelsplätzen anzubieten. Für die Daten von Portalen wie AshleyMadison.com wurden übrigens nur relativ geringe Preise von insgesamt 15.000 Dollar aufgerufen Das deutet an, wie wenig Aufwand hinter der kriminellen Energie steckte. Die Käufer dieser Datensätze können nun munter ihre Opfer zu Zahlungen erpressen. Oder, und hier ist der Kreativität der Kriminellen keine Grenze gesetzt, die Daten nutzen, um über Erpressung oder geschicktes sozial Engineering Kontakt zu Personen in neuralgischen Positionen aufzunehmen.

Advanced Persistent Threats (APT) sind eine der aktuellsten und gefährlichsten Methoden zur Informationsgewinnung oder Sabotage von Netzwerken. Dabei werden Schadprogramme hinter den Firewalls eingenistet. Diese sind einzigartig und auf ein bestimmtes Netzwerk zugeschnitten, sodass sie von gängiger Antivirensoftware nicht zu erkennen ist. Außerdem versuchen die eingeschleusten Schadprogramme, stetig neue Berechtigungen bis hin zu Administratorrechten zu bekommen, um dann die Kontrolle über das gesamte Netzwerk, oft monatelang unentdeckt, zu übernehmen.

Der Angriff auf das Netz des Bundestages ist ein prominentes Beispiel für diese Methode der Cyberkriminalität, die oft fließend in die Spionage übergeht. Kriminelle Plattformen und Foren sind weltweit weitgehend anonym verfügbar. Dadurch erweitert sich auch der Täterkreis. Kriminelle Aktivitäten über das Netz werden zunehmend zum zweiten Leben (Second Life), zum Feierabendgeschäft von Personen, die fast oder überhaupt keine Verbindung zum klassischen kriminellen Milieu haben.

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Susanne Dehmel

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„Pro Jahr entstehen in Deutschland 51 Milliarden Euro Schaden durch Cyberkriminalität. Nur zum Vergleich: Der Bund veranschlagt für die Ministerien Verteidigung, Inneres und Justiz, die im engeren Sinne mit Sicherheitsaufgaben befasst sind, derzeit nur etwa 40 Milliarden Euro im Haushaltsjahr. Dies sind deshalb die Herausforderungen der Zukunft.“

Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung Vertrauen & Sicherheit

Pro Jahr entstehen in Deutschland 51 Milliarden Euro Schaden durch Cyberkriminalität. Nur zum Vergleich: Der Bund veranschlagt für die Ministerien Verteidigung, Inneres und Justiz, die im engeren Sinne mit Sicherheitsaufgaben befasst sind, derzeit nur etwa 40 Milliarden Euro im Haushaltsjahr. Dies sind deshalb die Herausforderungen der Zukunft. Die Digitale Verbrechensbekämpfung wird zu einer der zentralen Aufgaben von Strafverfolgungsbehörden.

Und bei alle dem darf man eins nicht vergessen: Auch die herkömmliche, sozusagen analoge Kriminalität, wird stetig digitaler. Über das Darknet werden schlicht gigantische Summen illegaler Drogen, Waffen und der unsägliche Menschenhandel abgewickelt. Und auf der anderen Seite haben Täter heute genauso Smartphones und kommunizieren darüber.

Schon weil die Phänomenbereiche sich im Cyberraum kaum abgrenzen lassen, bedarf es einer verstärkten Kooperation zwischen Behörden und Unternehmen. Wir brauchen Kooperationen wie die Sicherheitskooperation Cybercrime, um der wachsenden Gefährdung selbstbewusst begegnen zu können. Die Angreifer sind sehr gut vernetzt und leider nicht dumm. Wir müssen es deshalb umso besser sein.

Das Phänomen der Cyberkriminalität zwingt zu gesellschaftlichem Handeln. Ich bin zuversichtlich, dass diese Kooperation ein guter und wichtiger Schritt ist. Ein neues Denken zwischen den Beteiligten und neue Wege in veränderten Zeiten.

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