Berlin, 09. September 2026 - Die EU-Kommission will heute ihren Vorschlag für den Public Procurement Act vorlegen und damit das europäische Vergaberecht modernisieren. Unter anderem sollen neben dem Preis künftig weitere Qualitätskriterien über die Vergabe öffentlicher Aufträge entscheiden, Verhandlungsverfahren zwischen Auftraggebern und Bietern sollen vom Ausnahme- zum Regelfall werden und Unternehmen sollen ihre Eignungsnachweise künftig einmal digital hinterlegen, statt sie bei jeder Ausschreibung neu einzureichen. Dazu erklärt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst:
„Die EU hat sich die umfassendste Reform des europäischen Vergaberechts seit 2014 vorgenommen. Bitkom begrüßt die geplanten Maßnahmen grundsätzlich, sie können Europa resilienter und innovativer machen. Der Staat ist der größte Einkäufer digitaler Technologien und Dienste. Dabei ist die Auftragsvergabe noch immer zu bürokratisch, zu komplex und zu langsam. Genau hier muss die EU-Reform ansetzen, denn für zahlreiche Beschaffungen ist das EU-Recht maßgeblich. Richtig ist, dass die Kommission digitale Vergabeplattformen ins Zentrum stellt. Sie senken den Aufwand für Verwaltung und Unternehmen erheblich und öffnen Verfahren für kleine Anbieter und auch Startups – und damit für innovative Lösungen und neue Technologien. Positiv ist auch die Stärkung der nachhaltigen öffentlichen Beschaffung. Die öffentliche Hand sollte vorangehen und in Ausschreibungen stärker auf langlebige, reparierbare und recyclingfähige Produkte setzen.
Ob Europa digital souveräner wird, entscheidet auch der Großkunde Staat. Die Reform des EU-Vergaberechts muss genutzt werden, um praxistaugliche Standards zur Stärkung der digitalen Souveränität und Resilienz staatlicher Institutionen zu etablieren. Nur durch europaweit einheitliche Kriterien schaffen wir Rechtssicherheit, können Aufwand und Nutzen für konkrete Beschaffungen abwägen und Marktabschottung vermeiden. Darauf sollte die Bundesregierung in den Verhandlungen drängen.“