Berlin, 08. Oktober 2026 – Tagelanger Stromausfall nach einem Brandanschlag in Berlin, ein Cyberangriff, der Check-in-Systeme an europäischen Flughäfen lahmlegt oder gezielte Desinformationskampagnen in sozialen Medien: Die Gefahr von hybriden Angriffen ist inzwischen vielen bewusst, doch die wenigsten sind darauf vorbereitet. Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger sind sich einig: Jeweils gut 80 Prozent halten eine ernsthafte Krise infolge hybrider Angriffe für wahrscheinlich. Über ein Krisen- oder Notfallmanagement verfügten Anfang des Jahres aber nur 28 Prozent der Unternehmen, in der Bevölkerung fühlen sich gerade einmal 2 Prozent sehr gut auf solche Krisen vorbereitet, 13 Prozent eher gut. Hier setzt der Digitalverband Bitkom mit dem neuen Bitkom Resilience Hub an. Unter bitkom.org/ResilienceHub bündelt er online konkrete Praxishilfen für Unternehmen, Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürger, darunter Leitfäden, Checklisten und den Video-Podcast »Was, wenn…?«. „Ob Sabotage, Cyberangriff oder Desinformation: Die Angriffe auf unser Land sind real und sie werden zahlreicher. Krisenfestigkeit entsteht aber nicht im Ernstfall, sondern davor“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Mit dem Resilience Hub geben wir Unternehmen und Verwaltungen, wie auch allen Bürgerinnen und Bürgern Informationen an die Hand, um sich besser zu wappnen.“
Kommunen stehen besonders im Fokus. Ein erfolgreicher Cyberangriff auf einen kommunalen IT-Dienstleister kann E-Mails, Telefone und die interne Arbeit in vielen Rathäusern gleichzeitig lahmlegen. Der Resilienz-Guide »Resiliente Kommune« richtet sich an Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Landrätinnen und Landräte sowie Verwaltungsspitzen. Er ist als Checkliste mit mehr als 60 Prüfpunkten in zehn Handlungsfeldern aufgebaut, von der Krisenorganisation über die Cybersicherheit bis zur Warnung der Bevölkerung. Wer die Checkliste regelmäßig durchgeht, sieht zudem seine Fortschritte und Lücken.
Viele Maßnahmen sind auch für kleine Gemeinden ohne eigene Stabsstelle umsetzbar. Etwa ein Krisenkoffer mit Kontaktdaten, Lagekarten, Formularen, Ladegeräten und Powerbanks hält die Verwaltung auch ohne Strom und Netz arbeitsfähig. Rahmenverträge für Notstromaggregate sollten vorab geschlossen werden, denn wer erst im Ereignisfall beschafft, bekommt häufig keine Kapazitäten mehr. „Krisenvorsorge darf keine Frage der Gemeindegröße sein“, sagt Wintergerst. „Gerade kleinere Kommunen brauchen keine dicken Handbücher, sondern einfache Hilfen, mit denen sie sofort anfangen können: eine aktuelle Kontaktliste auf Papier, eine Vertretung für jede Schlüsselfunktion und eine erste Krisenübung.“
Unternehmen bekommen auf sie zugeschnittene Praxistipps im Resilienz-Guide »Krisenfest im Ernstfall«. Er zeigt an realen Fällen, was auf Unternehmen zukommen kann: vom Stromausfall über den Ausfall eines IT-Dienstleisters bis zum Spannungsfall, in dem Beschäftigte als Reservistinnen und Reservisten, bei Feuerwehr oder THW gebunden sind. Enthalten sind auch eine Checkliste mit 22 Punkten sowie Vorlagen für eine Notfall- und Kontaktliste und für die Besetzung eines Krisenstabs.
Für Privatpersonen steht der Umgang mit Desinformation im Mittelpunkt. Der Guide »Fall nicht drauf rein!« erklärt, wie Desinformation funktioniert und gezielt Emotionen erzeugt. Erläutert werden vier Grundregeln, die im Alltag helfen: aufmerksam sein, sparsam teilen, Quellen prüfen und offizielle Informationen suchen. Schritt-für-Schritt-Anleitungen zeigen, woran man Fake-Webseiten und Bots erkennt. Mit einem Selbsttest lässt sich das eigene Wissen prüfen. „Jede und jeder Einzelne sollte und kann zur Resilienz unseres Landes beitragen“, sagt Wintergerst. „Wer Desinformation erkennt und nicht weiterverbreitet, macht es Angreifern schwerer, unsere Gesellschaft zu spalten.“
Live diskutiert wird das Thema am 15. Oktober auf dem ersten Resilience Day der Smart Country Convention in Berlin. Zu Gast sind unter anderem Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts, Florian Hager, ARD-Vorsitzender und Intendant des Hessischen Rundfunks, Anette Dowideit, Chefredakteurin von CORRECTIV, Sabine Lackner, Präsidentin des Technischen Hilfswerks, Katrin Hirseland, Vizepräsidentin des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Dr. Achim Brötel, Präsident des Deutschen Landkreistages, und Dr. Volker Pötzsch, Chef des Stabes, Kommando Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr. Weitere Informationen gibt es unter www.smartcountry.berlin.
Bitkom Resilience Hub
Wie resilient ist Deutschland? Wie krisenfest sind unsere Unternehmen, wie gut vorbereitet die Bevölkerung? Und was können wir tun, um uns für den Notfall besser zu wappnen?