09.02.2015 Wohin wollen wir fahren?

MIchael Bültmann ist Geschäftsführer der HERE Deutschland GmbH und engagiert sich in der Initiative Deutschland sicher im Netz . Auf dem Safer Internet Day 2015 nimmt er an einer Podiumsdiskussion über das vernetzte Auto teil.

Wir leben in einer Zeit rasanter – und vor allem auch anhaltender – Urbanisierung. Bereits heute lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten und Metropolregionen, und innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte wird diese Zahl noch auf zwei Drittel ansteigen. Ab 2050 wird nach Angaben der UN zudem alle fünf Tage auf der Welt eine neue Millionenstadt entstehen. Grundsätzlich ist dies eine positive Entwicklung. Denn schon immer waren Städte Zentren für Innovation und sozialen Wandel. Es zieht Menschen in die Städte, weil sie dort bessere Entwicklungsmöglichkeiten sowie schnelleren Zugang zu Bildung und Kultur erwarten.

Dieses Wachstum der Städte geht natürlich mit vielfältigen neuen Herausforderungen einher, auch und gerade hinsichtlich der Gestaltung von Mobilität. Um sie sicherzustellen – auch im Sinne möglichst großer Nachhaltigkeit – kann es nicht einfach nur um den Bau neuer Straßen und Brücken gehen. Vielmehr werden die Entwicklung und der intelligente Einsatz von Software, IT und alternativen Antrieben eine immer wichtigere Rolle spielen. Ebenso entscheidend für eine nachhaltige Gestaltung ist die intelligente Vernetzung von allen Verkehrsträgern sowie die Bereitstellung ausreichender Informationen über ihre jeweilige Verfügbarkeit.

Präzise digitale Karten und aktuelle ortsbasierte Informationen – kurz: die Kenntnis über das Wo zu einer gegebenen Zeit – sind in einem solchen Szenario von großer Bedeutung. Denn im Zusammenspiel mit anderen Datenanwendungen können sie unter anderem dabei helfen, Fahrstrecken zu optimieren und Reisezeiten zu verkürzen. Auf diese Weise leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung und Zeiteffizienz.

Derartige Dienste und Innovationen können jedoch nur durch den Zugang zu großen – teilweise auch persönlichen – Datenmengen entstehen. Natürlich muss in diesem Zusammenhang den berechtigten Interessen der Menschen an einem ausreichenden Schutz ihrer Daten und umfassenden Sicherheitsanforderungen Rechnung getragen werden. Jedoch sollten Innovationen und neue Geschäftsmöglichkeiten auch nicht von vornherein verhindert werden, indem man zunächst versucht Haftungsregeln und Datenschutz rund ums Auto anzupassen und erst dann über Innovationsoptionen zu sprechen. Hier gilt es, die richtige Balance zu finden.

Die Mehrheit der heute geltenden Datenschutzbestimmungen und Regulierungen stammt aus einer Zeit, die von Datenvermeidung geprägt war. Erfolgreiche datenintensive Geschäftsmodelle sind dagegen jedoch gerade dadurch charakterisiert, möglichst viele Daten zu erheben. Auch wenn Regulierung mit dem technologischen Fortschritt und dem Mobilitätswandel nicht mithalten kann, muss es heute konkret darum gehen, den regulatorischen Rahmen weit genug zu spannen und das Datenschutzrecht an die heutige digitale Zeit anzupassen. Ferner sollte es auch eine Diskussion darüber gehen, ob es bei dem Umgang mit Informationen zukünftig mehr um den vorübergehenden Zugang und die Nutzung und weniger um Eigentum an Daten im klassischen Sinne gehen wird. Doch das allein wird nicht genügen. Gleichzeitig müssen Überlegungen zu Regulierung auch berücksichtigen, dass sich bereits in der Gesellschaft eine neue Datenkultur entwickelt hat, die gegebenenfalls regulatorisch begleitet werden muss. Hier sollte die Politik zum Beispiel auf europäischer Ebene innovationsfreundliche Rahmenbedingungen festlegen, innerhalb derer sich die Industrie selbst dazu verplichtet, Kunden vor Datenmissbrauch zu schützen. Aufklärung und Transparenz spielen hier eine entscheidende Rolle. Unternehmen müssen klar und verständlich zeigen, was mit welchen Informationen aus dem Umfeld der Nutzer geschieht, nachdem diese ihre Zustimmung zur Nutzung gegeben haben.

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Michael Bültmann

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