21.01.2016 Ohne digitale Bildung keine Zukunft

Statt Bits und Bytes prägen auch heute noch oft Tafel und Kreide sowie veraltete Lehrpläne den Unterricht. Dabei sichert die Fähigkeit, digitale Technologien und Medien kompetent zu nutzen, nicht nur Chancengleichheit in unserer Gesellschaft, sie ist auch die wesentliche Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.

Die Wirtschaft braucht Fachkräfte mit digitalen Qualifikationen

Schon heute bedroht der Mangel an qualifiziertem Personal die notwendige digitale Transformation. Laut einer Bitkom-Studie werden in Deutschland derzeit rund 43.000 IT-Spezialisten gesucht. Dabei bedeutet jede offene und nicht zu besetzende Stelle einen Verlust von Wertschöpfung und Innovation. Uns muss klar sein: Der Umgang mit IT und digitalen Medien ist heute so wichtig wie Rechnen und Schreiben. Wir müssen unserem Nachwuchs das Rüstzeug für das Leben und Arbeiten in einer digitalen Gesellschaft mitgeben.

Sachsen geht hier mit gutem Beispiel voran. Seit einigen Jahren hat sich der Freistaat im Bildungsbereich bundesweit profiliert. Dies gilt für die Arbeit in Schulen – Sachsen ist neben Bayern das einzige Bundesland, in dem der Informatik-Unterricht verpflichtend ist – sowie für Maßnahmen zur Weiterbildung oder im Rahmen der Studienorientierung an den Hochschulen. Trotz dieses Vorsprungs sind die Möglichkeiten zur Entwicklung von digitalen Kompetenzen auch in Sachsen noch nicht ausgeschöpft. Die aktuelle Novellierung des sächsischen Schulgesetzes bietet Gelegenheit, die entsprechenden Weichen zu stellen. Der seit kurzem vorliegende Gesetzentwurf bleibt jedoch hinter den heutigen Möglichkeiten zurück.

In meiner Rolle als Landessprecher des Bitkom ist es mir ein persönliches Anliegen, die digitale Bildung in Sachsen voranzutreiben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sie der Schlüssel für unsere Zukunft ist – wer in unserer modernen Gesellschaft zurechtkommen will, muss die technischen und rechtlichen Strukturen der digitalen Welt kennen, verstehen und erfolgreich anwenden können.

Digitale Kompetenzen für die digitale Gesellschaft

Das Bildungswesen muss auf die veränderten Bedarfe reagieren und so reformiert werden, dass zum einen ausreichend IT-Spezialisten dauerhaft zur Verfügung stehen. Zum anderen muss die Fähigkeit zum selbstbestimmten Einsatz digitaler Technologien in der Breite unserer Gesellschaft ankommen. Mit welchen konkreten Maßnahmen würde Sachsen im innerdeutschen Bildungswettbewerb den Spitzenplatz einnehmen und sich erfolgreich für das digitale Zeitalter wappnen?

Um die bisherige Stellung des Freistaats als Technologiestandort zu sichern, sollte die Staatsregierung die fächerübergreifende Vermittlung von Medienkompetenz stärken, den Informatikunterricht durchgängig bis zum Abitur etablieren sowie leistungsfähige Infrastrukturen für das digitale Lernen ausbauen.

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Dirk Röhrborn

Bitkom e.V. Landessprecher Sachsen

Zitat

„Es ist bisher nicht gelungen, die Informatik gleichwertig zu den Naturwissenschaften in der erforderlichen Breite und im notwendigen Niveau auch an den allgemeinbildenden Gymnasien, insbesondere in der Oberstufe zu etablieren.“

Dirk Röhrborn, Bitkom-Landessprecher Sachsen

Mit der Einführung des Schulfaches Informatik in den allgemeinbildenden Schulen bereits seit 1992 und der IT-Schwerpunktsetzung an beruflichen Gymnasien hat Sachsen im Vergleich der Bundesländer eine sehr gute Ausgangsposition. Allerdings ist es bisher nicht gelungen, die Informatik gleichwertig zu den Naturwissenschaften in der erforderlichen Breite und im notwendigen Niveau auch an den allgemeinbildenden Gymnasien, insbesondere in der Oberstufe zu etablieren.

Informatik sollte in sämtlichen Schularten verpflichtend ab Jahrgangsstufe 5 als eigenständiges Schulfach mit mindestens einer Wochenstunde unterrichtet werden. In der Oberstufe am Gymnasium sollten Schüler dann einen Grundkurs oder einen Leistungskurs Informatik belegen und in ihr Abitur gleichwertig einbringen können.

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft ist es geboten, ein Konzept für ein gymnasiales Profil »Informatik und digitale Medien« im Sekundarbereich I auszuarbeiten und schrittweise einzuführen. Die Kombination von Informatik und Medien bietet dabei die Chance, einen höheren Anteil an Mädchen als bisher für diese Fächer und im späteren Verlauf auch für MINT-Berufe zu gewinnen.

Natürlich sollte auch der Einsatz digitaler Medien im Unterricht ausgebaut werden. Dafür müssen wir Schulen umfangreich mit zeitgemäßen Endgeräten und einer ausreichenden Netzwerkinfrastruktur ausstatten. Dafür ist es insbesondere unerlässlich, alle Schulen mittelfristig mit schnellen Internetzugängen zu versorgen und dafür in enger Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Freistaat in die Vorhaben zum Breitbandausbau zu integrieren.

Neben den digitalen Lerninhalten, einer zeitgemäßen technischen Ausstattung und der breitbandigen Anbindung aller Schulen an das Internet braucht es auch digital souveräne Lehrkräfte. Lehramts-Studierende müssen mit digitalen Medien umgehen lernen. Der Erwerb von medienpädagogischer Kompetenz und informatischem Grundverständnis muss darüber hinaus auch in der Fortbildung der Lehrkräfte verpflichtend sein.

Wir brauchen einen Schulterschluss aller gesellschaftlichen Akteure, um inhaltlich und infrastrukturell in Sachsen voran zu kommen. Zu oft haben technische Entwicklungen in der Vergangenheit vor den Schultoren Halt gemacht. Ich freue mich umso mehr, dass die Bundesregierung das Thema Bildung und Digitalisierung zum Schwerpunkt des Nationalen IT-Gipfels 2016 erhoben hat. Der Freistaat Sachsen hat die Chance, aus einer im Bundesvergleich guten Ausgangssituation heraus einen Spitzenplatz in der Informatik- und Medienbildung an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland einzunehmen. Wir müssen dafür jetzt konsequent die richtigen Weichen stellen, sämtliche Bildungsbereiche in den Blick nehmen und alle am Bildungsprozess Beteiligten einbinden.

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