04.12.2014 Lassen wir Datenreichtum zu

In der Debatte um Big Data wird häufig die Forderung aufgestellt, die neuen Technologien müssten in Einklang gebracht werden mit den geltenden Datenschutzregeln. Dieser Gedanke ist auf den ersten Blick nachvollziehbar, aber aus Bitkom-Sicht nicht zielführend. Müssten wir nicht vielmehr darüber nachdenken, ob eines der bislang handlungsleitenden Prinzipien des Datenschutzes, so wenige Daten wie möglich zu sammeln, noch in die heutige Zeit passt? Für den Durchbruch von Big Data wäre ein Datenschutzrecht hilfreich, das Datenreichtum zulässt. Und diesen Datenreichtum mit einem Datenschutz zu verknüpfen, der sensible Daten je nach Kontext deutlich besser schützt als bisher und andere Daten für Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar macht.

Nicht alle Informationen sind in jedem Kontext gleichermaßen schutzwürdig oder sensibel. Die EU-Kommission muss das in ihrer geplanten EU-Datenschutzgrundverordnung berücksichtigen. Um in großem Umfang sichere und möglichst datenschutzunkritische Datenverarbeitung zu fördern, sind Anonymisierung und Pseudonymisierung in der Verordnung fest zu verankern und zu fördern. Für Verkehrsprognosen kann man Handydaten völlig anonymisiert auswerten. In der medizinischen Forschung dagegen ist z.B. die Auswertung von pseudonymisierten Daten aus wissenschaftlichen Gründen notwendig, also solchen Daten, bei denen der Personenbezug entfernt wurde, aber im Bedarfsfall wieder hergestellt werden kann. Daher ist es unverzichtbar, in der Verordnung sichere Rechtsgrundlagen für die Verarbeitung pseudonymiserter Daten zu schaffen. Die ethische Frage, ob bestimmte Geschäftsmodelle, die auf einer Auswertung von bestimmten Daten basieren, gesellschaftlich sinnvoll und erwünscht sind, kann nicht allein im Datenschutzrecht, sondern muss für verschiedene Bereiche im jeweiligen Kontext diskutiert und ggf. geregelt werden.

Tatsächlich kann der Einsatz von Big Data die Sicherheit sogar erhöhen. Big-Data-Technologien lassen sich bei der Aufspürung von hochentwickelten Bedrohungen, Insider-Angriffen oder Account-Takeovers nutzen. Damit lassen sich in Echtzeit Muster von Übergriffen herausarbeiten – so könnten Organisationen sich schnell ein Bild über die Sicherheitslage in ihrem Unternehme machen und damit zeitnah auf Bedrohungen reagieren.

Im Extremfall entscheidet Big Data gar über Leben und Tod. In der Vergangenheit haben Ärzte nur kurze Abschnitte von EKG-Daten analysiert. Niemand war in der Lage, kilometerlange Ausdrucke zu studieren, die im Laufe eines Tages entstehen. Bei der Bewertung des Gesundungsprozesses von Infarktbetroffenen ist es jedoch hilfreich, die gesamten Daten zu analysieren. Das haben US-amerikanische Wissenschaftler getan und dabei Hinweise in EKGs gefunden, welche Abweichungen von einem „normalen“ Verlauf das Risiko vervielfachen, innerhalb eines Jahres einen erneuten Infarkt zu erleiden.

Der kontrollierte und verantwortungsvolle Einsatz von Big-Data-Technologien leistet also einen wichtigen Beitrag zu Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen und zum Erfolg des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Wir sollten die durch die Digitalisierung entstehenden Datenschätze nutzen.

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Susanne Dehmel

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