24.10.2014 Fremdsprachen virtuell lernen

In einer sich globalisierenden Welt ist der frühzeitige Fremdsprachenerwerb in der Schule unerlässlich. Schüleraustauschprogramme hingegen sind aufwändig, betreuungs- und kostenintensiv. Eine Alternative bieten virtuelle Austausch-Projekte. Ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Albeck-Gymnasium Sulz und dem Collège Frédéric Hartmann in Munster, Frankreich namens „Un autre monde / Eine andere Welt“ schafft einen virtuellen Austausch zwischen Schülern aus Deutschland und Frankreich. Die Schüler erfinden neue Identitäten der jeweils anderen Nationalität und interagieren mit Hilfe von Web 2.0-Tools in einem fiktiven europäischen Jugenddorf. Dafür verlieh der Bitkom 2014 den E-Learning-Preis d-elina in der Kategorie School. Über das Projekt sprachen wir mit der Leiterin Stephanie Wössner vom Albeck-Gymnasium in Sulz a.N.

1. Frau Wössner, wie sind Sie auf die Idee zum Gemeinschaftsprojekt „Un autre monde / Eine andere Welt“ gekommen?

Herr Jaeglin vom Collège Frédéric Hartmann in Frankreich und ich waren auf der Suche nach einer Projektarbeit, die es unseren Schülern ermöglicht, nicht nur über einen kurzen Zeitraum im Rahmen einer Austauschbegegnung gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten, sondern auch davor und danach. Wir entwickelten die Idee eines virtuellen Austauschs im Rahmen einer „simulation globale“. So entstand das Projekt „Jugendliche aus Europa“. Die Schüler erfanden ihre neuen Identitäten, Coco LeBlanc stellte den Schülern das Projekt vor und die Schüler verfassten Bewerbungsschreiben, um am Projekt teilzunehmen. Nach erfolgreicher Bewerbung zogen sie in selbst gegründete WGs und begannen an verschiedenen Projekten zusammenzuarbeiten. Die TeleTandem-Plattform des Deutsch-Französischen Jugendwerks diente zur Kommunikation, diverse Web 2.0-Anwendungen wurden zur Verfügung gestellt. Die einzelnen Projekte hatten interkulturellen Charakter, bezogen sich jedoch vornehmlich auf den Lebensalltag von Jugendlichen. Zum Schluss fand ein gemeinsam ausgerichtetes virtuelles „Perfektes Dinner“ statt.

2. Was sind die Ziele, Chancen und ggf. Schwierigkeiten des virtuellen Austausch-Projektes?

Ziel des Projekts ist vor allem, Schüler aus verschiedenen Ländern zusammenzubringen, so dass sie sich (angeleitet von pädagogischen Überlegungen) und ihre Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede näher kennen lernen und sich gegenseitig beim Spracherwerb unterstützen. Da die Schüler fremde Identitäten annehmen, können mögliche Hemmungen im Hinblick auf die Anwendung der Fremdsprache abgelegt werden. Außerdem ist ein virtueller Austausch einfacher zu planen als eine Austauschbegegnung von 2-3 Wochen. Der Kontakt mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern sorgt für einen Motivationsschub beim Erlernen der Fremdsprache und weckt das Interesse an einem längeren Auslandsaufenthalt. Schließlich lernen die Schüler im Rahmen eines solchen virtuellen Projektes nicht nur die Sprache des Anderen, sondern auch problem- und handlungsorientiert zu Agieren. Sie lernen im Team zu arbeiten und erwerben Medienkompetenz – und zwar durch praktische Anwendung von verschiedenen Web 2.0-Tools.

Schwierigkeiten treten bei ungünstigen Stundenplänen auf, da eine regelmäßige simultane Arbeitszeit notwendig ist. Zudem ist der Erfolg des Projektes abhängig von der technischen Ausstattung der Schule und einer gut funktionierenden Internetverbindung.

3. Was ist für die Zukunft geplant?

Am Ende des Schuljahres planen wir ein Treffen jenseits der virtuellen Begegnungen, um sich gegenseitig kennenzulernen.

Noch bis Ende Oktober können sich junge Talente der E-Learning-Branche für den deutschen E-Learning Innovations- und Nachwuchs-Award „d-elina“ 2015 bewerben. Der Award wird zum dritten Mal von Bitkom verliehen und in den vier Kategorien „Campus", „School“, „Professional“ und „Start-up“ ausgelobt. Er richtet sich an den Nachwuchs in Unternehmen, Hochschulen und Schulen im deutschsprachigen Raum. Gesucht werden Konzepte, Lösungen und Produkte, die digitale Medien in beispielhafter Form in Lernprozesse an Schulen, Hochschulen, in Unternehmen oder in die öffentliche Verwaltung integrieren. Preiswürdig sind vor allem der Innovationsgrad des Konzepts und der durchdachte Einsatz der Medien. Alle Informationen zum d-elina 2015 sind zu finden auf www.d-elina.de .

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