25.11.2014 „Es geht um das Big Picture“

Sehr geehrte Frau Professor Joost,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

liebe Gäste.

Auch meinerseits ein sehr herzliches Willkommen zu unserem dritten Trendkongress. Heute dreht sich hier alles um Digitalisierung und Disruption. Es geht nicht um das Nittikritti, es geht um das Big Picture, die großen Trends. Trends die, das darf man so sagen, die Welt verändern. Big Data, Cognitive Computing, Wearables, Industrie 4.0, Intelligente Netze.

Die meisten von Ihnen hier im Saal gehören auf die eine oder andere Weise zu den Treibern dieser Veränderung. Sie stehen an der Spitze, Sie gestalten die neue Welt, Sie bewegen sich im Web wie der Fisch im Wasser, die digitale Welt ist Ihre Welt. Nicht wenige, mit denen ich spreche, sind von der großen digitalen Revolution regelrecht berauscht.

Es gibt aber auch viele, die von ihr vor allem verängstigt sind, die sich zurückziehen, die auf die Straße gehen oder im Netz Widerstand leisten: gegen Big Data, gegen Cloud Computing, gegen das vernetzte Zuhause, gegen Ambient Assisted Living, gegen die Gesundheitskarte, gegen den elektronischen Personalausweis, gegen Panoramadienste, gegen, gegen, gegen – gerade auch hier in Deutschland.

Man kann das den meisten nicht einmal verdenken. Veränderungen, die man nicht selbst gestaltet, Veränderungen die einen von außen erfassen, erzeugen zunächst einmal Ängste und Widerstand. Das erleben wir übrigens auch in der Politik. Sprechen Sie einmal mit einem gestandenen Rechtspolitiker über geistiges Eigentum in der digitalen Welt. Oder mit einem Medienpolitiker über Streaming-Dienste. Oder mit Mittelständlern über Industrie 4.0. Der Großteil des industriellen Mittelstands hat in einer aktuellen Umfrage erklärt, Industrie 4.0 habe für ihn keine Relevanz. Nicht einmal jeder Siebte kann den Begriff „Industrie 4.0“ auch nur ansatzweise erklären. Da darf man staunen, vielleicht darf man auch über Ignoranz schimpfen, vor allem aber muss man etwas tun. Wir müssen etwas tun. Wir müssen unsere Themen besser erklären.

Diese unsere Themen werden künftig nicht einfacher, sie werden immer komplexer. Es genügt nicht mehr, wenn sich der eine IT-Experte ganz ausgezeichnet mit dem anderen IT-Experten versteht. Wir brauchen Verständnis in aller Breite. In der Gesellschaft, da die Digitalisierung die Art, wie wir leben, komplett verändert. Das betrifft zum Beispiel den Medienkonsum oder liquide Arbeitsverhältnisse, es betrifft aber auch sehr grundsätzlich soziale Interaktion und Beziehungsmuster. In der Politik, da es kein einziges Politikfeld mehr gibt, in dem die Digitalisierung derzeit nicht die ganz besonders brennende Fragen aufwirft. Und in den Unternehmen, da digitale Lösungen mit enormer Kraft und in enormer Geschwindigkeit alle bisherigen Geschäftsmodelle in Frage stellen und komplett verändern – selbst in der Landwirtschaft.

Meine Damen und Herren,

wir sind auf dem Weg zum Smart Anything. Die Silos der Sektoren unserer Volkswirtschaft lösen sich vollständig auf, aus Wertschöpfungsketten werden Wertschöpfungsnetze. Den notwendigen Brückenschlag aus der Bitkom-Branche in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft – und zurück – versuchen wir mit der heutigen Veranstaltung.

Wir haben den Trendkongress zum Anlass genommen und eine breit angelegte Untersuchung gestartet. Wie stehen die Deutschen zur Digitalisierung?

Danach sind fast drei Viertel der Bundesbürger der Ansicht, die Digitalisierung verändere Wirtschaft und Gesellschaft mindestens so stark wie die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert. Ebenfalls drei Viertel sind der Ansicht, dass die Digitalisierung Arbeitsplätze in traditionellen Branchen gefährde. Gleichzeitig sind mit 71 Prozent fast ebenso viele der Meinung, durch die Digitalisierung würden viele neue Jobs entstehen. Fast zwei Drittel sind überzeugt, die Digitalisierung berge alles in allem mehr Chancen als Risiken.

Das Internet wird dabei von vielen Menschen zwiespältig gesehen. 95 Prozent stimmen zwar der Aussage zu, das Internet erleichtere die Beschaffung von Informationen. Auf der anderen Seite ist fast ein Drittel der Ansicht, das Internet führe zur Verdummung. Drei Viertel sagen, das Internet fördere die Meinungsfreiheit. Gleichzeitig sind zwei Drittel der Ansicht, das Internet sei ein Instrument staatlicher Überwachung. Obwohl es vielfältigste Möglichkeiten der Kommunikation bietet, sagen nur 37 Prozent, das Internet fördere zwischenmenschliche Beziehungen. Dagegen sind 63 Prozent der Ansicht, es führe zur Vereinsamung.

Unter dem Strich aber findet sich eine Grundaussage, und die will ich hier gerne zitieren: 79 Prozent der Deutschen finden das Internet „einfach toll“. Diese im Grundsatz ausgesprochen positive Haltung müssen wir als Wirtschaft würdigen. Dies gerade auch, indem wir allen die Möglichkeit geben, sich in diesem tollen Internet so sicher und geschützt wie möglich zu bewegen.

Meine Damen und Herren,

der Bitkom Trendkongress ist eine Plattform, auf der die zentralen Aspekte des digitalen Wandels in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft diskutiert werden. Dieser Wandel mit all seinen Disruptionen weckt Hoffnungen und Ängste, birgt Chancen und Risiken, schafft Gewinner und Verlierer. Wir wollen, dass Deutschland mit seinen Unternehmen und Beschäftigten, mit seinem starken industriellen Kern und seinen herausragenden Forschungsinstituten, mit seinen Schulen und Universitäten, seinen starken Zentren und seinen dünn besiedelten Regionen – wir wollen, dass Deutschland und Europa zu den Gewinnern zählen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns allen einen erfolgreichen Bitkom-Trendkongress 2014. Vielen Dank, dass Sie hier sind.

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Prof. Dieter Kempf

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