31.07.2015 Epochale Chancen:

Die digitale Transformation erfolgreich gestalten

Wir erleben derzeit die spannendste Revolution, die es in der Wirtschafts- und Technologiegeschichte je gab. In den kommenden zehn Jahren wird sich die Welt so stark verändern wie nie zuvor. Dabei ist es weniger das Ausmaß der Veränderung, sondern vor allem ihre Geschwindigkeit, die das Hier und Jetzt so einmalig macht. Die industrielle Revolution dauerte über einhundert Jahre, fünf Generationen. Die digitale Revolution wird zehn, maximal zwanzig Jahre benötigen. Eine Generation, mehr nicht. Ihre Bedeutung für jeden Einzelnen von uns, für die Gesellschaft, unser Wertesystem, die Politik, wird aber in nichts hinter dem zurückstehen, was vormals die industrielle Revolution mit sich brachte.

Eine erfolgreiche digitale Transformation wird zusätzlichen Wohlstand schaffen. Voraussetzung dafür ist, dass wir die digitale Teilhabe Deutschlands sichern und ausbauen. Um das zu erreichen, müssen wir unsere Kräfte in der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft im nationalen und europäischen Rahmen bündeln. Wenn wir von der digitalen Revolution profitieren wollen, müssen wir funktionsfähige digitale Öko-Systeme in den Kernbereichen der deutschen Wirtschaft schaffen: Maschinenbau, Automobil, Logistik, Elektronik, Medizin, Chemie, Banken, Touristik, ja auch Landwirtschaft.

Es geht um nicht weniger als um den Kern unserer Wirtschaft. Wir wollen eine starke deutsche und europäische Wirtschaft, die ihre weltweit führende Rolle in zentralen Bereichen ausbaut - durch intelligente Fertigung in der Industrie 4.0, durch autonomes Fahren in intelligenten Verkehrsnetzen, durch eine massive Absenkung des Energieverbrauchs dank Smart Grids, durch eine Share Economy, die auf Nutzen statt auf Besitz gründet.

Es geht aber um weit mehr als „nur“ die Wirtschaft: Es geht um unsere Verfassung als Gesellschaft. Die Digitalisierung betrifft alle Lebensbereiche. Wie werden wir wohnen, reisen, kommunizieren? Wie definieren und gestalten wir das Verhältnis von Arbeit und Freizeit? Wie schützen wir nachhaltig die Privatsphäre angesichts des stetig steigenden Datenverkehrs? Wie rüsten wir unsere Kinder und Jugendlichen für die neuen Anforderungen einer durch und durch digitalen Welt?

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Thorsten Dirks

CEO und Vorstandsvorsitzender Telefónica Deutschland Holding AG Präsident, Bitkom e.V.

Zitat

„Wir benötigen eine Modernisierung des Daten- und Verbraucherschutzes ebenso wie des Urheberrechts. Wir brauchen einen regulatorischen Rahmen, der digitale Innovation wie autonomes Fahren fördert.“

Thorsten Dirks, Präsident Bitkom e.V.

All das sind zweifelsohne Herausforderungen – die Digitalisierung bietet vor allem aber Chancen. Wir müssen diese den Menschen begreiflich machen. Sie müssen erkennen, dass die Digitalisierung ihr Leben sowohl beruflich als auch privat ganz konkret verbessert. Es gilt, die Chancen auf eine Demographie aufzuzeigen, die den ländlichen Raum nicht entvölkert, sondern als attraktiv und lebenswert nutzt. Chancen auf eine schnelle und gute medizinische Versorgung auch dort, wo es keinen niedergelassenen Arzt mehr gibt. Chancen auf einen Staat, der sich als Dienstleister von Unternehmen und Verbrauchern versteht, Bürokratie abbaut und Effizienz gewinnt. Chancen auf den Zugang von weitaus mehr Menschen zu einer umfassenderen, moderneren und damit gerechteren Bildung.

Um das zu erreichen, müssen wir handeln – überlegt, zügig und konsequent. Deutschland muss seine digitale Infrastruktur mit erhöhten Anstrengungen ausbauen und intelligente Netze schaffen, die im globalen Maßstab auf Spitzenniveau liegen. Wir benötigen eine Modernisierung des Daten- und Verbraucherschutzes ebenso wie des Urheberrechts. Wir brauchen einen regulatorischen Rahmen, der digitale Innovation wie autonomes Fahren fördert. Dies ist nur ein plakativer Ausschnitt – zahlreiche weitere Beispiele gäbe es.

Politik, Wirtschaft und allen, die gesellschaftliche Verantwortung tragen, stellt sich hier eine Aufgabe, wie es sie in ähnlicher Komplexität selten zuvor gab. Die Bundesregierung hat mit ihrer Digitalen Agenda einen ersten wichtigen Schritt unternommen, mit einem ressortübergreifenden, gesamtheitlichen Ansatz Antworten zu geben. 121 Einzelmaßnahmen sind in der Agenda definiert. 36 sind bereits umgesetzt, bei 60 hat die Arbeit begonnen. Das ist nach nur einem Jahr beachtlich. An einer Stelle jedoch klafft in der Digitalen Agenda eine besonders große Lücke: im Bildungsbereich. Gerade hier aber gibt es am meisten zu tun. Hier erweist sich der deutsche Föderalismus als Herausforderung, die es gemeinsam – Bund, Länder und Gemeinden Hand in Hand – zu meistern gilt. Und gerade deshalb ist die Digitale Agenda ein erster, sehr wichtiger Impuls auf dem Weg in die digitale Welt.

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