24.09.2015 Das Auto erfindet sich neu

Bis 2020 soll es weltweit 250 Millionen vernetzte Autos geben. Das hat das Marktforschungsinstitut Gartner errechnet. Schon jetzt sind Fahrzeuge aller deutschen Automobilkonzerne serienmäßig mit Konnektivitätsdiensten ausgestattet. Autos ohne Connectivity werden sich nicht mehr verkaufen verlassen. Dazu gehört unabdingbar auch die Zuverlässigkeit der Technik. Dazu gehört die Sicherheit der digitalen Systeme an Bord. Und zwar mehr als in jedem anderen B2C-Bereich. Wenn im Büro der Computer abstürzt, ist das ärgerlich. Wenn der eigene Laptop gehackt wird, kostet das Nerven und möglicherweise Geld. Aber Reboot bei 150 auf der Autobahn? Sowohl Functional Safety als auch Cybersecurity sind von grundlegender Bedeutung für car-IT.

Die Hersteller sind also gefordert, aber auch die Politik. Vor rund einem Jahr hat die Bundesregierung die Digitale Agenda verabschiedet und damals waren alle froh, dass es überhaupt einmal ein Programm gibt, das sich explizit der Digitalisierung unseres Landes widmet. Nach einem Jahr ist die Umsetzung für politische Verhältnisse erstaunlich weit gediehen, gerade beim Verkehr.

Auf der A9 wird derzeit eine Teststrecke für die Digitalisierung des Automobils eingerichtet. Hierdurch bekommt das Austesten von Prototypen ganz neue Möglichkeiten – für Autobauer, Zulieferer und Digitalbranche. Der Schwerpunkt liegt auf hochautomatisiertem Fahren. Dazu gehören aber auch zwingend Signalanlagen und Car-2-Infrastructure-Komponenten. Um das autonome Fahren in komplexen intelligenten Netzen zu testen, müssen Sie nicht mehr in die USA ausweichen. Jetzt heißt es auf Augenhöhe: Nürnberg und Nevada.

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Martina Koederitz

Zitat

„Jetzt erfindet sich das Auto neu, als Teil der vernetzten, digitalen Lebenswelt. Wenn die politische Flankierung stimmt, können und werden wir am Standort Deutschland ganz vorne dabei sein.“

Martina Koederitz, Mitglied des Präsidiums, Bitkom e.V., Vorsitzende der Geschäftsführung, IBM Deutschland GmbH

Mit gleichem Hochdruck müssen wir jetzt auch die offenen Fragen im Bereich des Datenschutzes und der Haftung angehen. Wem gehören die Daten, die ein Auto erzeugt? Wer darf auf sie zugreifen? Genießt das Connected Car eine Art Zeugnisverweigerungsrecht wie der Ehegatte auf dem Beifahrersitz?

Wo beginnt und wo endet die Haftung des Automobilherstellers? Wo jene des Netzbetreibers, der die Kommunikation sicherstellt? Wo die des Softwarehauses, das Betriebssysteme und Anwendungen liefert? Wo jene des Smartphoneherstellers, über den einzelne Fahrzeugmodule gesteuert werden? Jene des Verkehrsleitsystems, das Steuerungsaufgaben übernimmt? Und, selbstredend: Welche Verantwortung verbleibt beim Fahrer? Die fehlende Regelung von Haftungsfragen beim autonomen Fahren ist das größte Hemmnis für Innovationen in der Automobilbranche, sagten in einer Bitkom-Studie 83 Prozent der von uns befragten Unternehmen. Die Technologien sind in absehbarer Zeit da, jetzt muss der Gesetzgeber Fahrt aufnehmen.

Das Automobil ist eine der größten Erfindungen der Menschheitsgeschichte. Jetzt erfindet sich das Auto neu, als Teil der vernetzten, digitalen Lebenswelt. Wenn die politische Flankierung stimmt, können und werden wir am Standort Deutschland ganz vorne dabei sein. Und dann ist das vernetzte Auto auch ein Segen für all jene, die ansonsten nur zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren: als Motor der deutschen Wirtschaft und des Arbeitsmarkts.

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