03.02.2016 Big Data in der Medizin und die Angst vor dem „gläsernen Patienten“?

Wir sprechen immer gern und häufig sehr negativ vom „gläsernen Patienten“. Jedoch: mit Glas kann die Menschheit schon seit etwa 1500 v.Chr. sehr gut umgehen. Glas ist ein wunderbares Material, das Wind und Wetter bei freier Sicht abhalten, getrübt und gefärbt werden kann. Es kommt sogar als natürliches Glas wie Obsidian vor und wurde wegen seiner großen Härte und des scharfen Bruchs seit Jahrtausenden für Werkzeuge wie Keile, Klingen und Schaber benutzt.

Der gläserne Mensch – unter anderem ausgestellt im Hygiene-Museum Dresden – das war Anfang des 20. Jahrhunderts eine positive Sensation, ein Traum ging in Erfüllung! Viele andere Länder sind digital weiter im Gesundheitsbereich und haben sichere, praktikable und akzeptierte Lösungen für die digitale Gesundheit gefunden. Datenschutz und Datenschatz - das ist kein Widerspruch, sondern gehört zusammen.

Glas kann – glücklicherweise – auch zu Linsen geschliffen werden: Wenn wir durch eine solche schauen, sollten wir uns allerdings vergewissern, dass die Angst vor dem gläsernen Patienten nicht vorgeschoben ist. Geht es nicht eigentlich um den gläsernen Arzt (der als Mensch auch Fehler macht und vielleicht ab und zu fälschlicherweise aus Versehen zu viel abrechnet), das gläserne Krankenhaus (das die Daten liebend gern nutzen würde, um die perfekte Therapie und die optimale und gerechte Abrechnung transparent aufzuzeigen) und die gläserne Krankenkasse (die ach so gern die Effizienz Ihrer Maßnahmen darstellen würde)?

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Dr. med. Peter Langkafel

CEO, HCI Healthcubator

Zitat

„Datenschutz und Datenschatz - das ist kein Widerspruch, sondern gehört zusammen.“

Peter Langkafel, CEO, HCI Healthcubator

Wir müssen die Daten davor schützen, NICHT benutzt zu werden. Nur ein Beispiel: Laut einer Studie sterben rund 50.000 Menschen pro Jahr an unerwünschten Arzneimittelwirkungen – in Deutschland. Die Daten liegen zum großen Teil digital vor, werden aber leider nicht genutzt. Ein anderes Beispiel ist die Analyse sogenannter „seltener Erkrankungen“: Wir brauchen hier Datenbanken, die die Krankheiten, die ein Arzt vielleicht nur einmal im Leben sieht, besser verstehen helfen.

Es gibt jedoch eine Vielzahl offener Punkte: Big Data –Big Grauzone, aus dieser Situation müssen wir dringend heraus: Wem gehören die Daten? Wer darf was damit was machen? Welche Sanktionen greifen bei Missbrauch? Welche digitalen Wahlmöglichkeiten im Gesundheitsbereich müssen wir entwickeln – dies sind nur einige Fragen, die noch geklärt werden müssen. Übrigens nicht von IT-Abteilungen oder Start-ups sondern in einem politischen Prozess. Wir brauchen dabei keinen digitalen Extremismus, der Big Data wahlweise bewundert und beweihräuchert oder verachtet und verteufelt, sondern eine aufgeklärte Diskussion, die die Gefahren und Chancen unter die Lupe nimmt und durch das Teleskop betrachtet – ach, zum Glück haben wir Glas!

  • Peter Langkafel spricht am 9. Februar auf dem Safer Internet Day des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz und Bitkom über Ethik- und Rechtsfragen zu Selbstbestimmung und Freiheit in der digitalen Welt

Abdruck auch in Auszügen nur nach Genehmigung durch den Autor

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