Kamera-App vor moderner Architektur
Telekommunikation

6G: Mobilfunk-Visionen für die 2030er Jahre

Mobile Datenkommunikation hat unser Leben und unsere Wirtschaft revolutioniert. Die bisher 30-jährige Erfolgsgeschichte immer leistungsfähigerer Technologien und Netze wird sich auch zukünftig fortsetzen. Immer neue Anwendungen mit bisher ungeahnten Fähigkeiten werden so möglich. Die Mobilfunkgeneration 2G brachte ab den 1990er Jahren erstmals Daten auf Handys und bleibt wohl auf absehbare Zeit in Deutschland ein Basisdienst für Sprache in dünn besiedelten Räumen. Die 3G-Netze wurden in Deutschland zugunsten von 4G als aktueller Hauptlastträger mobiler Datenkommunikation bereits ersetzt. 

Anwendungsvision

Neue, immersive Kommunikationserlebnisse im Metaversum zeichnen sich somit als zukünftiges Kommunikationsparadigma ab. Mensch-zu-Mensch, aber auch Mensch-zu-Maschine und Maschine-zu-Maschine Interaktionen erhalten in vernetzten wirtschaftlichen Wertschöpfungsprozessen eine völlig neue Flexibilität und Effizienz. 6G ermöglicht neue Anwendungen für Cyber-physikalische-Systeme der Industrie 4.0, für das automatisierte Fahren, im neuen Öko-System des Individual-Luftverkehrs, in der Präzisionslandwirtschaft, und viele weitere. Dazu bedarf es einer zielgerichteten Konzeptionierung für die potenziellen Anwender. Bis jetzt sind Mobilfunksysteme stark auf Konnektivität am Boden ausgerichtet, neue Anforderungen aus der Schiff- und Luftfahrt lassen eine Ausdehnung der Netzabdeckung erwarten. 

Deutschland hat die mobile Kommunikation als Teil seiner Hightech-Strategie identifiziert. 6G wird als Schlüsseltechnologie und Kern digitaler Souveränität für die Zukunft Europas und Deutschlands herausgehoben. Auf dieser Grundlage fördert das BMBF eine Reihe von Initiativen. Zunächst sind die vier akademischen 6G-Forschungshubs zu nennen, die mit etwa 250 Mill. Euro über einen Zeitraum von vier Jahren gefördert werden, so dass ein signifikantes 6G-Momentum an den deutschen Universitäten und Forschungsinstituten entstehen kann.  

Was jetzt zu tun ist

1. Förderprogramme

Die gestarteten Förderprogramme gilt es fortzusetzen und bedarfsgerecht weiter zu entwickeln, sowie alle Partner einschließlich der Anwender ein-zubinden. Dadurch kann auch der Aufbau von Fachexpertise bei den Anwendern in den vertikalen Industrien für eine schnelle Implementierung sorgen.

2. Zusammenarbeit

Zur Positionierung einer starken Stimme Europas, ist es wichtig, dass die Telekom-Industriegemeinsam mit den zukünftigen Anwendern, was unter anderem das verarbeitende Gewerbe, aber auch die Automobilindustrie und Logistik miteinschließt, von Anfang an ein starkes Ökosystem bildet. Es geht darum, Interoperabilität und Skaleneffekte sicherzustellen. Das betrifft nicht nur die jeweils eigene Infrastruktur, sondern auch die Zulieferung vernetzter Produkte europäischer Hersteller in den Welt-markt, wobei besonders die kleinen Hidden-Champions darauf angewiesen sind.

3. Standardisierung

Die Etablierung eines von den Marktteilnehmern allgemein akzeptierten globalen Kommunikationsstandards schafft erst die Voraussetzungen zur Entwicklung skalierbarer Anwendungen und Lösungen für vertikale Anwender, wie Industrie 4.0. Das Ziel muss eine bessere Einbindung der Anwender im Prozess und ein globaler und industriegeführter Standard sein.

4. World Radiocommunication Conference (WRC) & Frequenzbereitstellung

Zur Unterstützung der 6G-Einführung und des weiteren 5G-Ausbaus sollte Deutschland die internationalen Bestrebungen zur Bereitstellung zusätzlichen Spektrums insbesondere unterhalb von 24 GHz und oberhalb von 100 GHz für den Mobilfunk in Betracht zu ziehen.

5. Weichen für beschleunigten Ausbau stellen

Damit der Ausbau aktueller und zukünftiger Mobilfunkgenerationen be-schleunigt gelingen kann, müssen bau-und genehmigungsrechtliche Hür-den konsequent und bundesweit gesenkt werden. Die Verwaltungsverfah-ren müssen vollständig digitalisiertund die gesellschaftliche Akzeptanz des Ausbaus verbessertwerden.

Gestalt aus Lichtpunkten
x-Reality
6G wird Menschen mit der digitalen und physischen Welt in verschiedensten Umgebungen wie z. B. dem Metaversum verbinden.
Frau mit VR-Brille
Extended Reality (XR)
Kombinierte reale und virtuelle Umgebungen, z.B. für Mensch-Maschine-Interaktionen und als Erlebnis für alle Sinne.
Mann im Dunkeln mit VR-Brille
Augmented Reality (AR)
Überlagerung der realen Welt mit virtuellen Objekten und Informationen.
Mann mit VR-Brille
Virtual Reality (VR)
Vollständig simulierte digitale Umgebung.
Netzwerk vor grauem Himmel
Vertrauenszone
6G schafft lokale Vertrauenszonen: Spezialisierte Teilnetze und Netzwerke, z. B. für die Gesundheitsüberwachung oder den großflächigen Einsatz von Sensornetzwerken, bieten extreme Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Belastbarkeit auf lokaler Ebene.
Person vor digitalem Kunstwerk
Virtuelle Präsenz
Die Grenze zwischen digitaler und physischer Welt verschwimmt mit 6G: Immersive Telepräsenz durch gemischte Realität oder holografische Telepräsenz bietet außergewöhnliche und immersive Erfahrungen.
Nachhaltige Entwicklung

6G unterstützt und ermöglicht global eine nachhaltige Entwicklung: Eine globale Abdeckung auf kosteneffiziente Weise und vertrauenswürdige Verbindungen ermöglichen z. B. eine ärztliche Versorgung in abgelegenen Gebieten durch Fernkonsultationen und die Fernanalyse von Proben.

Roboter

Aus Robotern werden mit 6G „Coboter“: Roboter können mit Menschen interagieren zu Hause und in der Gesellschaft, um den Alltag zu erleichtern, sowie in industriellen Umgebungen, um die Effizienz von Prozessen zu verbessern und neue Wertschöpfungsketten zu ermöglichen.

Digitale Zwillinge

Digitale Zwillinge gewinnen mit 6G neue Dimensionen: Von der Optimierung der Automatisierung in Produktion und Fertigung bis hin zur Prävention von Bedrohungen oder Krankheiten in der Landwirtschaft – Digitale Doppel bilden jeden Aspekt der physischen Welt virtuell verflechtet ab. In der „immersiven intelligenten Stadt" steuert das digitale Doppel z. B. die verschiedenen Verkehrsströme und Versorgungseinrichtungen anhand aktueller Umweltindikatoren und Erfahrungswerten.

Unsere Handreichung "6G – Mobilfunk-Visionen für die 2030er Jahre" gibt es hier zum Download.