21.11.2014 Niemanden als Digital-Analphabeten zurücklassen

Die aktuelle ICILS-Studie hat ergeben, dass das Computer- und Internet-Wissen deutscher Schüler nur im europäischen Mittelfeld liegt. Ein Drittel aller Achtklässler habe kaum Kenntnisse. Einer Bitkom-Umfrage zufolge wünschen sich Lehrer eine bessere elektronische Ausstattung der Schulen.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder erklärt, warum wir in Deutschland ein Pflichtfach Informatik brauchen:

"Brauchen wir in Deutschland mit Informatik ein weiteres verpflichtendes Unterrichtsfach in den weiterführenden Schulen? Man könnte es sich einfach machen und allein auf die nackten Zahlen verweisen: 73 Prozent der Lehrer, 78 Prozent der Bundesbürger und 85 Prozent der Eltern unterstützen diese Forderung, wie verschiedene repräsentative Umfragen belegen. In der zumeist heftig umstrittenen Bildungspolitik sind solche Mehrheiten eine Seltenheit und sollten alleine deshalb schon zum Nachdenken – und Handeln – führen. Es ist seit vielen Jahren unstrittig, dass zu einem zeitgemäßen Bildungssystem die Vermittlung von Fremdsprachenkenntnissen gehört. Heute, im 21. Jahrhundert, gehört eine Programmiersprache als zweite Fremdsprache unabdingbar dazu. Beim Informatik-Unterricht geht es um Gestaltungskompetenz beim Umgang mit Kommunikations- und IT-Systemen. Computer, Smartphones, Tablets dürfen keine Blackbox sein. Nur wer ihre Funktionsweise kennt, kann Systeme an seine Bedürfnisse anpassen. Nur wer weiß, was ein Algorithmus ist, versteht, dass ein Suchergebnis keine unumstößliche Wahrheit darstellt.

In Deutschland fehlen seit Jahren rund 40.000 IT-Spezialisten. Sicher wäre es erfreulich, wenn durch den Informatik-Unterricht, der bislang nur in Bayern und Sachsen verpflichtend ist, mehr Jungen und vor allem mehr Mädchen feststellen, wie vielfältig und spannend IT-Berufe sind. Aber es geht nicht darum, bereits in der Schule die Arbeitskräfte von morgen auszubilden. Wir lehren in unseren Schulen auch Chemie und Physik ohne zu erwarten, dass am Ende alle Jugendlichen ihre Liebe fürs Labor entdecken. Es geht darum, Kindern und Jugendlichen die Welt, in der wir leben, verständlich zu machen. IT-Kenntnisse gehören heute dazu wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Ein rein freiwilliges Informatik-Angebot oder AGs am Rande des Schulalltags führen zu einer Zweiklassen-Bildung in diesem zentralen Bereich. Wir dürfen aber niemanden als Digital-Analphabeten zurücklassen. Allgemeinbildung definiert sich in der digitalen Welt nun einmal anders als zur Hochzeit der Industriegesellschaft."

Der Artikel erschien zuerst in der Bayerischen Staatszeitung .

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Dr. Bernhard Rohleder

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