16.03.2015 Effizienter im Fluss

Die Herausforderung

Mitten in der Stadt gelegen, nimmt der Hamburger Hafen rund ein Zehntel der gesamten Stadtfläche ein. Die Lage stellt die Hamburg Port Authority (HPA) vor besondere Herausforderungen. Sie bestehen darin, wachsende Warenströme auf diesem begrenzten Raum effektiv zu steuern, Lkw-Standzeiten zu vermeiden und ein übergreifendes Lagebild der Ist-Situation für bessere Entscheidungen zu liefern.

Der Lösungsansatz

Um die Verkehrsströme künftig miteinander zu vernetzen und effizienter zu gestalten, führte die Hamburg Port Authority (HPA) gemeinsam mit T-Systems, den Telekom Laboratories, DAKOSY und SAP das Cloud-basierte Informations- und Kommunikationssystem smartPORT logistics ein, das den Andrang der täglich über 140.000 Lkw-Fahrten im Hafen entzerrt und die Güterströme optimiert.

Dadurch sind aktuelle und vorausschauende Informationen über das Verkehrsgeschehen rund um den Hafen mithilfe mobiler Endgeräte wie Tablet-PCs oder Smartphones, aber auch über in den Fahrerkabinen installierten Telematikeinheiten abrufbar. Schon bei der Anfahrt in Richtung Hamburg liefert das System den Fahrern Informationen über Verkehrsblockaden und freien Parkraum. Beides kann den auf begrenzter Fläche immer dichteren Hafenverkehr entzerren und so die Lieferzeiten verkürzen.

Dabei sollen den Fahrer nur die Informationen erreichen, die für ihn an seiner aktuellen Position relevant sind. Hier werden die Vorteile des Geofencing genutzt: Dringt der Lkw-Fahrer in ein Gebiet mit stufenweise wählbarem Radius ein, werden Informationsschwellen ausgelöst, über die das System wichtige von irrelevanten Daten trennt.

Optimale Abstimmung dank Big Data

Verkehrssteuerung per Cloud generiert Big Data, also riesige Datenmengen. 8.000 Lkw bewegen sich pro Tag mit rund 140.000 Fahrten durch das Gelände. Über 100 EVUs verkehren im Hafen. Der Hamburger Hafen ist der größte Eisenbahnhub Europas. Die Menge an Verkehrs- und Transportdaten ist riesig. Dabei gibt es viele verschiedene Beteiligte wie Hafenverwaltung, Speditionen, Transporteure, Parkflächen- und Terminal-Betreiber, die mit unterschiedlichen Systemen und Datenarten arbeiten.

Mit Gigabit-Leitungen verfügt der Hamburger Hafen inzwischen über ausreichend Bandbreite zur Übertragung dieser Datenmengen. Auch der Speicherplatz ist heute grenzenlos. Die technische Infrastruktur ist somit nicht mehr limitiert. Die Herausforderung besteht darin, Daten gezielt zu erheben und anzuwenden. Das gilt ebenfalls für Verkehrsdaten. Denn nur so entsteht aus den riesigen Datenmengen ein echter Mehrwert für den Hafen, die Fahrer und Speditionen und die Terminalbetreiber.

Heute sind einzelne Akteure in sich optimiert, aber es gibt keine Optimierung des Gesamtsystems Ware / Verkehr. SmartPORT logistics ermöglicht es Port Authorities und Transport- und Logistikunternehmen, Transportaufträge in Echtzeit zu überwachen, um Güter effizienter und sicherer zu transportieren und im Folgeschluss die Zufriedenheit aller Beteiligten – insbesondere der End-Kunden – zu erhöhen.

Die Truck- und Containerbewegungen sind effizienter im Fluss, da die richtigen Informationen rechtzeitig am richtigen Ort sind. Die Terminalbetreiber gewinnen neue Kennzahlen und Erkenntnisse, die Verkehrs- und Transportdaten liegen in Echtzeit vor. Die Fahrer erhalten eine top-aktuelle Verkehrsübersicht und ihre Aufträge und Ziel auf ihr Smart Device. Der Verkehrsfluss und Warentransportkette werden miteinander verknüpft (u. a. Estimated Time of Arrival ETA) und so optimal aufeinander abgestimmt. Im nächsten Schritt sollen Teilnehmer und Informationsquellen wie Informationen zur Verfügbarkeit der Container erweitert werden. Die HPA bietet daher einen Service-Marktplatz an, in dessen Datenangebote sich mehr und mehr Akteure der Hafenwirtschaft einklinken können. Dazu sollen neben Spediteuren auch Terminalbetreiber, Reeder oder Lagerhäuser gehören, die derzeit noch auf eigene, zumeist inkompatible Systeme setzen.

Wer profitiert?

Alle Akteure im Hafen profitieren von den Vorteilen. Die Spediteure haben Zugang zu Verkehrs- und Infrastruktur-Informationen, die Kommunikation zwischen Fahrer und Disponent wird erleichtert und die unterschiedlichen Flotten werden mit einer Gesamtsicht überwacht. Der Hafen gewinnt eine erhöhte Effizienz des Straßennetzes, nutzt besser die verfügbaren Parkplätze und kann weitere Services entwickeln. Die Hafenbetriebe steigern ihre Effizienz, weil sie ihre Waren und Container zeitoptimiert bereitstellen können.

Die Perspektive

smartPORT logistics kann zukünftig auf andere Logistikbereiche des Hafens wie Güterbahn- oder Schiffsverkehr ausgedehnt werden, denn auch der Bahn- und Schiffsverkehr lassen sich durch Verkehrsmanagement optimieren. Bestehende Optimierungsprobleme lassen sich ebenso mit Big Data und in der Cloud abbilden wie die Lkw-Steuerung. Diese Kenntnisse lassen sich später angepasst auf Schiff und Schiene übertragen.

Der Autor ist als Verkehrsingenieur seit 2005 für die Hamburg Port Authority AöR (HPA) tätig. Er hält auf dem Bitkom Big Data Summit am 16. März einen Vortrag über die Logistik im Hamburger Hafen. Weitere Praxisbeispiele gibt es im neuen Bitkom-Leitfaden Big Data nachzulesen.

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Sascha Westermann

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