12.12.2014 An einem Strang ziehen

Keine Frage, in Deutschland ist Industrie 4.0 das wirtschaftliche Trendthema. Die maßgeblichen Verantwortlichen in der deutschen Politik haben seine Bedeutung für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit erkannt. Aber wie sieht es in anderen EU-Mitgliedstaaten aus? Was macht die EU? Man ist geneigt zu antworten: Hauptsache, wir Deutsche kümmern uns. Doch das greift zu kurz. Mehr als die Hälfte der deutschen Exporte gehen ins EU-Ausland, die Lieferketten sind grenzüberschreitend. Das Potential von Industrie 4.0 lässt sich nur abrufen, wenn alle Zulieferer und Kunden digital vernetzt sind.

Daher setzt sich Bitkom dafür ein, auch auf europäischer Ebene Bewusstsein für Industrie 4.0 zu schaffen. Einen wichtigen Fürsprecher gibt es bereits mit Günter Oettinger, dem EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft. In den ersten Wochen seiner neuen Amtszeit unterstrich Oettinger mehrfach die Bedeutung von Industrie 4.0 für Europas globale Wettbewerbsfähigkeit. Das lässt auf politische Impulse der EU hoffen.

Industrie 4.0 ist ein Thema für alle EU-Mitgliedstaaten. Allerdings ist das Bewusstsein nicht überall gleich hoch, gerade vor dem Hintergrund der variierenden Bedeutung der Industrieproduktion in der EU. In Deutschland hält das produzierende Gewerbe mehr als 25 Prozent Anteil am BIP. Entsprechend groß ist das Interesse. Europaweit liegt der Anteil jedoch nur noch bei 16 Prozent. Die EU-Kommission hat zwar das Ziel ausgerufen hat, diesen Wert bis 2020 wieder auf 20 Prozent zu heben. Machbar ist das aber wiederum nur, wenn wir die Digitalisierung und Vernetzung der Wirtschaft weiter voranbringen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Gerade beim rechtlichen Rahmen für Industrie 4.0 gibt es noch ungeklärte Fragen.

  • Wer darf wie über die bei den Produktionsprozessen erzeugten Datenmengen verfügen?
  • Wer übernimmt die Haftung angesichts zunehmend autonomer Systeme?
  • Wie schaffen wir größeres Bewusstsein für die Herausforderung Industrie 4.0, insbesondere bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU)?

Zumindest beim letzten Punkt tut sich was: Schon seit längerem setzt die EU Forschungs- und Innovationsförderung für Industrie 4.0-Projekte ein. Gerade Demonstrationsanlagen können helfen, den KMUs die Vorteile der Digitalisierung und Vernetzung aufzuzeigen.

Die EU-Kommission will sich zeitnah einen Überblick über regionale und nationale Initiativen wie die deutsche Plattform Industrie 4.0 verschaffen und darauf basieren für mehr europaweite Koordinierung zu sorgen. Das kommt keinen Tag zu früh: Europa muss an einem Strang ziehen, denn auch in anderen Industrienationen schläft man nicht, wie z.B. das Industrial Internet Consortium in den USA zeigt.

Contact Picture

Constantin Gissler

Diesen Beitrag teilen

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar

* = Pflichtfelder

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich angezeigt

Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatischem Spam vorzubeugen.

Captcha

Bitte geben Sie alle Zeichen ein.

 

Contact Picture

Constantin Gissler