Verbraucher haben kaum noch Interesse an Privatkopien

  • Große Mehrheit kopiert nie Audio- oder Videoinhalte
  • Bitkom fordert Reform der Pauschalabgaben

Berlin, 1. Juli 2020 - Radiosendungen aufzeichnen, Filme auf DVDs brennen oder CDs rippen: Jahrzehnte lang war es üblich, Musik oder Filme für den Eigenbedarf zu kopieren. Diese Zeiten sind offenbar ein- für allemal vorbei. In den vergangenen zehn Jahren hat die Bedeutung dieser sogenannten Privatkopien stark abgenommen. So kopierte im Jahr 2010 gut jeder vierte Bundesbürger (27 Prozent) zumindest hin und wieder Videoinhalte, etwa von DVDs. Inzwischen machen dies nur noch 6 Prozent häufig, 9 Prozent hin und wieder. Zwei Drittel (65 Prozent) machen dies nie. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Musik-CDs vervielfältigte demnach vor zehn Jahren mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) zumindest hin und wieder, heute sind es nur noch 9 Prozent (davon häufig: 2 Prozent). Und drei von vier (75 Prozent) sagen im Jahr 2020: Ich kopiere nie Musik-CDs. Die klassische Privatkopie – eine Aufnahme aus dem Radio – ist heute fast vollständig verschwunden. Nur noch 4 Prozent der Bundesbürger sagen, dass sie zumindest hin und wieder solche Aufnahmen anfertigen. Selbst TV-Sendungen werden kaum noch aufgezeichnet: 12 Prozent zeichnen häufig TV-Inhalte auf, 19 Prozent hin und wieder. Und auch hier hat das Interesse abgenommen: Vor zehn Jahren zeichneten noch zwei von fünf (39 Prozent) zumindest hin und wieder TV-Inhalte auf. „Verbraucher machen immer seltener Privatkopien, weil es bessere und bequemere Alternativen gibt“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Gerade junge Menschen, die vor kurzem noch CD-Rohlinge im 100er Pack kauften, wissen heute überhaupt nicht mehr, was eine Kopie ist. Für Musik und Videoinhalte gibt es eine Vielzahl an Streaming-Anbietern, die Millionen Inhalte jederzeit und überall verfügbar machen. Das rechtliche Konstrukt der Privatkopie hat seine praktische Relevanz verloren.“

Bitkom fordert Reform der Verbraucherabgaben für Privatkopien

Das sehen auch die Verbraucher so. Sieben von zehn Bundesbürgern (70 Prozent) sagen, dass Streaming-Angebote das Kopieren von CDs und DVDs überflüssig machen. Zudem werden nach Ansicht der allermeisten Verbraucher (89 Prozent) CDs und DVDs in 10 Jahren völlig an Bedeutung verloren haben.

Bislang soll das legale Kopieren von urheberrechtlich geschützten Inhalten wie Musik, Film, Foto oder Text für den privaten Gebrauch durch Urheberabgaben abgegolten werden. Die Pauschalabgaben werden u.a. auf Smartphones, Notebooks, PCs und Drucker fällig. Hersteller und Importeure sind verpflichtet, die Abgaben einzupreisen und damit Verbrauchern indirekt das unterstellte private Kopieren zu berechnen. So werden für ein Notebook 13,19 Euro, für ein Smartphone 6,25 Euro, ein Tablet 8,75 Euro und ein Multifunktionsdrucker je nach Geschwindigkeit sogar bis zu 87,50 Euro fällig. Für die Erhebung und Ausschüttung an die Urheber sind Verwertungsgesellschaften wie die GEMA oder VG Wort zuständig, die ihrerseits ca. 10 Prozent der Abgaben als Verwaltungskosten für sich einbehalten.

Das über fünfzig Jahre alte System der Pauschalabgaben auf Geräte und Medien ist aus Bitkom-Sicht überholt. Auch die Bundesregierung hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, dieses Modell anzupassen. „Das derzeitige System mit seinen starren Abgabensätzen geht am Nutzerverhalten völlig vorbei. Wer nicht kopiert, sollte auch keine Kopierabgabe zahlen müssen“, so Rohleder. Die Bundesregierung müsse ihren Worten Taten folgen lassen und eine faire Lösung vorschlagen. „Wir brauchen ein zukunftsorientiertes Abgabenmodell. Niemand sollte für Leistungen zahlen müssen, die er gar nicht in Anspruch nimmt. Mit ihrem Fonds-Modell machen uns die skandinavischen Länder vor, wie Urheberrechte zeitgemäß vergütet werden können.

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.003 Personen ab 16 Jahren telefonisch befragt. Die Fragestellungen lauteten: „Wie häufig erstellen Sie private Kopien oder Aufnahmen der folgenden Inhalte?“ „Wie häufig haben Sie vor 10 Jahren private Kopien oder Aufnahmen der folgenden Inhalte erstellt?“