Berlin, 28. August 2026 – Zum Bahnhof, zur Verabredung oder ins Grüne: Wer sich heute von A nach B bewegt, verlässt sich meist auf digitale Navigation – mit einer gedruckten Karte kann hingegen kaum noch jemand umgehen. Lediglich 30 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren finden sich mit einer gedruckten Karte zurecht: 11 Prozent schätzen ihre Fähigkeiten dabei als sehr gut ein, weitere 19 Prozent als eher gut. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.006 Personen ab 16 Jahren in Deutschland.
Eher schlecht schätzen sich 19 Prozent ein, weitere 17 Prozent könnten sich mit gedruckten Karten nach eigener Einschätzung nur sehr schlecht orientieren. 26 Prozent können dies nicht beurteilen – mutmaßlich, weil sie noch nie mit einer gedruckten Karte unterwegs waren und sie ihre entsprechenden Fähigkeiten nicht einschätzen können. Wie sicher sich Menschen mit gedruckten Karten fühlen, ist auch eine Generationenfrage. Unter den 16- bis 29-Jährigen trauen sich lediglich 20 Prozent zu, sich gut damit orientieren zu können. Bei den Menschen ab 65 Jahren sind es mit 41 Prozent mehr als doppelt so viele.
Dabei hält eine deutliche Mehrheit die Fähigkeit zur analogen Orientierung weiterhin für wichtig: 61 Prozent sind der Meinung, jede und jeder sollte auch heute noch lernen, sich im Zweifel mit einer Papierkarte zurechtzufinden. „Digitale Navigation hat unseren Mobilitätsalltag wesentlich vereinfacht. Navigationsapps sind auf dem Smartphone oder im Auto jederzeit verfügbar, berücksichtigen aktuelle Verkehrsinformationen und berechnen in Sekunden die passende Route. Für viele Menschen sind sie zu einem selbstverständlichen Begleiter geworden“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Trotzdem kann es in Einzel- oder Notfällen helfen, sich auch ohne digitale Navigation orientieren zu können. Ist der Akku leer oder sind die Netze gestört, kommt man digital nicht weiter.“ Tatsächlich nutzen 28 Prozent der Deutschen nach eigenen Angaben noch gedruckte Stadtpläne, Straßen- oder Wanderkarten oder Atlanten – allerdings selten. Jeweils 1 Prozent greift wöchentlich beziehungsweise mehrmals im Monat darauf zurück, weitere 26 Prozent einmal im Monat oder seltener.
Navigationsapps sind für viele unverzichtbar – aber verschlechtern den Orientierungssinn
Demgegenüber nutzen insgesamt 84 Prozent der Deutschen im Alltag Navigationsapps, etwa auf dem Smartphone, im Auto oder am Computer. Unter den 16- bis 29-Jährigen sind es mit 95 Prozent nahezu alle, in der Altersgruppe ab 65 Jahren sind es 65 Prozent. Dabei werden Navigationsapps nicht unbedingt täglich benötigt: 1 Prozent nutzt sie jeden Tag, 11 Prozent mehrmals pro Woche und 16 Prozent etwa einmal pro Woche. Weitere 23 Prozent verwenden sie mehrmals im Monat, 33 Prozent einmal im Monat oder seltener.
Navigationsapps haben für viele eine hohe Bedeutung: Die Hälfte der Deutschen (50 Prozent) sagt, sie wäre ohne Navigationsapp im Alltag aufgeschmissen. Unter den 16- bis 29-Jährigen trifft das auf 60 Prozent zu, unter den Menschen ab 65 Jahren auf 36 Prozent. Im Urlaub ist die Abhängigkeit noch größer: Insgesamt 58 Prozent hätten dort ohne Navigationsapps erhebliche Probleme – unter den Jüngeren wären dort 67 Prozent aufgeschmissen, unter den Älteren 43 Prozent.
Der Komfort digitaler Navigation hat aus Sicht vieler Menschen also auch eine Kehrseite: Zwei Drittel (66 Prozent) berichten, ihr Orientierungssinn habe sich durch Navigationsapps verschlechtert. Unter den 16- bis 29-Jährigen teilen 71 Prozent diese Einschätzung, bei den Menschen ab 65 Jahren sind es 53 Prozent. Immerhin knapp ein Fünftel der Deutschen (18 Prozent) würde den Anweisungen einer Navigationsapp nach eigenen Angaben selbst dann folgen, wenn sie unlogisch erscheinen. Zwischen den Generationen gibt es hier vergleichsweise geringe Unterschiede: Unter den 16- bis 29-Jährigen sind es 18 Prozent, unter den Menschen ab 65 Jahren 15 Prozent.
Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research durchgeführt hat. Dabei wurden 1.006 Personen ab 16 Jahren in Deutschland telefonisch befragt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 28 bis KW 32 2026 statt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellungen lauteten: „Wie häufig nutzen Sie in Ihrem Alltag Navigationsapps zum Beispiel auf dem Smartphone, im Auto oder auf dem Computer?“, „Wie häufig nutzen Sie gedruckte Karten, zum Beispiel Straßenkarten, Stadtpläne, Wanderkarten oder Atlanten?“ sowie „Wie gut könnten Sie sich Ihrer Einschätzung nach mit einer gedruckten Karte orientieren, wenn Sie keine Navigationsapp oder kein digitales Kartenmaterial zur Verfügung hätten?“ und „Welche der folgenden Aussagen treffen auf Sie bzw. Ihrer Meinung nach zu bzw. nicht zu?“.