Startschuss für Smart Meter

  • Morgen beginnt der Smart-Meter-Rollout
  • Bitkom: „Mit der Hardware entwickeln sich völlig neue Anwendungen“
  • Wichtige Standards etwa für das Laden von E-Autos müssen rasch definiert werden 

Berlin, 30. Januar 2020 - Die digitale Infrastruktur für die Energiewende kommt: Mit der für morgen angekündigten Marktanalyse des Bundesamts für Informationssicherheit (BSI) startet der verpflichtende Einbau von intelligenten Messsystemen. „Der lang erwartete Smart-Meter-Rollout wird dafür sorgen, dass unsere Energie-Infrastruktur bedeutend smarter wird.  Der morgige Startschuss lässt sich vielleicht am besten mit der Einführung der ersten Smartphones vergleichen: Mit der Hardware entwickeln sich völlig neue Anwendungen“, sagt Bitkom-Energieexperte Robert Spanheimer. „Die Vielfalt der künftigen Dienste, die auf den Smart Metern aufsetzen, lässt sich derzeit nur erahnen. Die besonders abgesicherte Kommunikationsinfrastruktur bietet zudem auch anderen Branchen ganz neue Anwendungsmöglichkeiten, etwa im Gesundheitswesen.“

Die im bereits 2016 verabschiedeten Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende verankerte Pflicht zum Einbau von sogenannten Smart Metern greift erst jetzt, da zunächst das BSI mindestens drei Smart Meter Gateways zertifizieren musste. Sie ermöglichen eine besonders gesicherte Kommunikation und stellen einen hohen Datenschutzstandard sicher. Damit ist der Einbau von Intelligenten Messsystemen verpflichtend, allerdings nur bei einem Jahresstromverbrauch von mehr als 6.000 kWh oder beim Einsatz steuerbarer Verbrauchseinrichtungen und Anlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz oder dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz mit mehr als 7 kW Leistung.  Zum Vergleich: Bei einem durchschnittlichen 4-Personen-Haushalt rechnet man mit einem Stromverbrauch von 4.000 kWh.

Mit dem Smart Meter Gateway als Anker für Datenschutz und sichere Kommunikation können die intelligenten Messsysteme nicht nur den Stromverbrauch übermitteln, auch der der Verbrauch von Erdgas, Wasser oder Wärme kann künftig so komfortabel weitergegeben werden. Die Anwendungsmöglichkeiten gehen jedoch noch viel weiter. Die Smart Meter helfen Stromfresser in den Haushalten zu erkennen und liefern basierend auf den Daten konkrete Tipps zum Energiesparen. Darüber hinaus   ermöglicht die  digitale Infrastruktur das gesteuerte Laden von Elektrofahrzeugen und vermeidet damit erhebliche Kosten für einen sonst benötigten Netzausbau in Wohngebieten und leistet so einen wesentlichen Beitrag auch zur Verkehrswende.

Aus Sicht des Bitkom kommt es nun darauf an, dass in einem agilen Prozess die Funktionen und Geschäftsmodelle basierend auf  den Smart Meter Gateways rasch erweitert und kontinuierlich fortentwickelt werden. So werden derzeit Standards für wesentliche Smart-Meter-Funktionen noch definiert. Das betrifft zum Beispiel das Laden von Elektroautos, wenn gerade günstiger Windstrom zur Verfügung steht, oder die Direktvermarktung von Strom aus Blockheizkraftwerken. „Die Digitalisierung im Verteilnetz kommt nicht auf einen Schlag, sie ist ein Prozess. Dienste und Vertriebsangebote können erst entstehen, wenn eine ausreichend große Kundenzahl über das Smart Meter Gateway erreicht werden kann“, so Spanheimer. „Von entscheidender Bedeutung ist, dass die notwendigen Standards schnell weiterentwickelt werden. Nach der langen Anlaufphase bis zum Smart-Meter-Rollout können wir uns jetzt nicht schon wieder eine Pause gönnen.“

In der Bevölkerung gibt es eine große Bereitschaft, Smart Meter zu nutzen. So würden zwei Drittel (66 Prozent) der Bundesbürger Geräte wie elektrische Heizungen oder Kühlgeräte automatisch so steuern lassen, dass das Stromnetz stabilisiert wird und Ressourcen geschont werden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1.003 Bundesbürgern ab 16 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.