Bitkom zum Start des digitalen Führerscheins

Berlin, 23. September 2021 - Zum heutigen Start des „Führerschein als App“ erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder:

„Der heute gestartete „Führerschein als App“ reiht sich ein in die mühseligen Versuche, auch in Deutschland digitale Technologien an der Schnittstelle von Verwaltung und Verbrauchern zum Einsatz zu bringen. Zunächst kam ein elektronischer Personalausweis, für den es aber faktisch keine Einsatzmöglichkeiten gab. Dann kam die elektronische Gesundheitskarte, die außer Stammdaten nichts zu bieten hatte. Jetzt kommt eine Führerschein-App, die bei Polizeikontrollen nicht akzeptiert wird. Diese App ist ein erster kleiner Schritt auf dem Weg in die digitale Mobilität, mehr nicht. Wer zum Beispiel ein Car-Sharing-Auto leihen möchte, kann sich so möglicherweise bald die obligatorische Videoüberprüfung sparen. Allerdings ersetzt der digitale Führerschein den klassischen Führerschein in den meisten Alltagssituationen noch nicht, etwa bei einer Polizeikontrolle. Unter anderem müssen dafür noch die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Norwegen oder zum Beispiel der Kosovo sind hier Jahre voraus. Dort wurde 2019 bzw. im Kosovo bereits Anfang 2018 eine offizielle Führerschein-App eingeführt, die alle Funktionen des klassischen Führerscheins besitzt. Erst wenn die Führerschein-App auch in Deutschland in allen Standardsituationen und bei Verwaltungsleistungen genutzt werden kann, wird sie ihren Nutzen in der Breite entfalten. Denn das Smartphone ist für die meisten Menschen ein ständiger Begleiter, so dass dort hinterlegte Ausweisdokumente – wie heute etwa schon Kredit- oder Kundenkarten – einfach und schnell zu benutzen sind. Dabei sind sie etwa durch biometrische Schutzvorrichtungen am Smartphone wie Fingerabdruckscanner oder Gesichtserkennung sehr viel besser geschützt als das physische Pendant in der Brieftasche.

Die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen und die Umstellung von papierbasierten auf digitale Prozesse ist überfällig. In einer aktuellen Bitkom-Umfrage unter mehr als 1.000 Personen ab 18 Jahren in Deutschland sagen 87 Prozent, die Digitalisierung der Verwaltung solle ein Top-Thema für die nächste Bundesregierung sein. Das sind nochmals 15 Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren, wo der Anteil schon bei hohen 72 Prozent lag. Das ist der größte Anstieg unter den digitalpolitischen Themen und hier ist die nächste Bundesregierung definitiv gefordert. Eine digitale und innovative, gleichzeitig bürger- wie wirtschaftsnahe Verwaltung ist ein ganz zentraler Standortfaktor. Es ist schwer vorstellbar, dass die innovativsten und zukunftsträchtigsten Geschäftsmodelle der nächsten Jahre in Staaten entstehen, die bei der Verwaltungsdigitalisierung den Anschluss verloren haben. Derzeit steht Deutschlands Verwaltung in Sachen Digitalisierung auf Rang 21 der EU-Länder.“