Berlin, 02. Juni 2026 - Früher war es der kurze Anruf „Bin gut angekommen“, heute genügt ein Blick aufs Display: Der Live-Standort zeigt, ob der Partner oder die Partnerin noch im Büro ist, schon auf dem Heimweg oder sicher am Ziel angekommen. Für viele Paare ist das dauerhafte Teilen des Standorts bereits Alltag: 14 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer haben ihren Standort in einer Beziehung bereits dauerhaft mit dem Partner oder der Partnerin geteilt, etwa über „Wo ist?“ von Apple, die Standortfreigabe von Google oder eine spezielle App. Weitere 23 Prozent können sich vorstellen, das künftig zu tun. Für gut die Hälfte kommt das allerdings nicht infrage: 54 Prozent sagen, sie können sich dauerhaftes Standort-Teilen in einer Beziehung nicht vorstellen. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.449 Internetnutzerinnen und -nutzern in Deutschland ab 16 Jahren.
Besonders verbreitet ist demnach das Teilen des Live-Standorts unter Jüngeren: In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen hat fast jede und jeder Vierte den Standort in einer Beziehung bereits dauerhaft freigegeben (23 Prozent), weitere 35 Prozent können es sich künftig vorstellen. Bei den 30- bis 49-Jährigen haben 17 Prozent ihren Standort schon einmal dauerhaft geteilt, bei den 50- bis 59-Jährigen 13 Prozent und bei den über 60-Jährigen 6 Prozent. Zwischen Männern und Frauen gibt es kaum Unterschiede: 14 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen haben ihren Standort bereits dauerhaft mit Partner oder Partnerin geteilt. „Wichtig ist: Standortfreigaben sollten bewusst eingerichtet, regelmäßig überprüft und genauso einfach wieder beendet werden können. Digitale Nähe funktioniert am besten, wenn beide Seiten wissen, was geteilt wird und die Kontrolle darüber behalten“, sagt Leah Schrimpf, Leiterin Digitale Gesellschaft beim Bitkom.
Dass Sicherheit das wichtigste Motiv ist, zeigt auch der Blick auf die Gründe: 55 Prozent derjenigen, die den Standort bereits dauerhaft mit Partner oder Partnerin geteilt haben, nennen ein Gefühl von Sicherheit, etwa unterwegs oder nachts. 49 Prozent sagen, sie hätten nichts zu verbergen. Für 47 Prozent ist das Standortteilen schlicht praktisch. 28 Prozent empfinden es als normal in ihrer Beziehung, 26 Prozent verbinden damit ein Gefühl von Nähe oder Verbundenheit. 23 Prozent finden, es sollte grundsätzlich normal in einer Beziehung sein. Deutlich seltener werden Erwartungsdruck oder Misstrauen genannt: 10 Prozent teilen den Standort, damit Partner oder Partnerin dies ebenfalls tut, 9 Prozent, weil Partner oder Partnerin es erwartet. 6 Prozent geben an, Sorge zu haben, sonst Misstrauen auszulösen.
Gleichzeitig sehen viele Menschen digitale Kommunikation in Beziehungen ambivalent: 44 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass das Internet in Beziehungen zu mehr Misstrauen führt. 20 Prozent sagen, digitale Medien erleichtern es ihnen, Partner oder Partnerin zu kontrollieren. Unter den 16- bis 29-Jährigen liegen die Werte besonders hoch: 59 Prozent sehen durch das Internet mehr Misstrauen in Beziehungen, 30 Prozent finden, digitale Medien erleichtern Kontrolle.
Wer den eigenen Standort freigeben möchte, sollte dafür die integrierten Funktionen der Betriebssysteme oder Apps von seriösen Anbietern nutzen und genau festlegen, für wen und wie lange die Freigabe gelten soll. Wichtig ist außerdem, regelmäßig zu prüfen, welche Apps Zugriff auf den Standort haben.
Grundlage der Angaben ist eine Befragung, die im Auftrag der Bitkom Servicegesellschaft durchgeführt wurde. Dabei wurden 1.449 Personen in Deutschland ab 16 Jahren repräsentativ befragt. Die Fragestellungen lauteten unter anderem: „Welche der folgenden Dinge haben Sie in einer Beziehung bereits selbst getan bzw. können Sie sich vorstellen, künftig zu tun?“, „Aus welchen Gründen haben Sie Ihren Standort mit Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner dauerhaft geteilt?“ und „Welche der folgenden Aussagen zum Thema Partnerschaft und digitale Kommunikation treffen auf Sie persönlich oder Ihrer Meinung nach zu bzw. nicht zu?“