Berlin, 12. März 2026 - Im Fall eines hybriden Angriffs möchte die deutsche Bevölkerung vor allem eines: einen handlungsfähigen Staat und starke Behörden. Laut einer Bitkom-Umfrage sehen viele Bürgerinnen und Bürger Deutschland insgesamt nur mäßig vorbereitet und unterstützen daher zusätzliche Befugnisse für Sicherheitsbehörden. Aktuell sieht nur eine knappe Mehrheit von 56 Prozent die Polizei gut auf hybride Angriffe vorbereitet, also auf eine Kombination von digitalen Attacken, Sabotageaktionen und Desinformationskampagnen. 47 Prozent sagen das für die Bundeswehr. Dahinter folgen mit Abstand etwa gleichauf das Gesundheitswesen mit Krankenhäusern und Ärzten (38 Prozent), die öffentliche Verwaltung (37 Prozent) und Unternehmen (36 Prozent). Schlusslicht ist die Bevölkerung, die nur 32 Prozent für gut vorbereitet halten. Drei Viertel (75 Prozent) wünschen sich von der Bundesregierung zur Abwehr hybrider Angriffe eine Ausweitung der Überwachungsbefugnisse der Sicherheitsbehörden, rund zwei Drittel (63 Prozent) befürworten eine staatliche Informationskampagne zum Verhalten bei solchen Angriffen, 45 Prozent regelmäßige bundesweite Übungen. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 1.263 Personen ab 16 Jahren in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Deutschland muss sich besser auf hybride Angriffe vorbereiten, und zwar auf allen Ebenen. Dazu gehören unbedingt auch bessere Informationen für die Menschen im Land. Alle sollten wissen, welche Maßnahmen schon heute sinnvoll sind, und was sie bei hybriden Angriffen tun können“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
Die Bevölkerung möchte außerdem Ross und Reiter kennen und fordert die Bundesregierung auf, die hybriden Angreifer zu benennen (61 Prozent). Fast jede und jeder Zweite (47 Prozent) tritt außerdem für so genannte „Hack-Backs“ ein, will also, dass die Bundeswehr ihrerseits mit Cyberangriffen gegen feindliche Hackergruppen zurückschlägt. Ein Drittel (33 Prozent) möchte sogar, dass massive Cyberangriffe auf einen Nato-Staat wie ein militärischer Angriff betrachtet werden. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) spricht sich für eine deutliche Förderung der deutschen Sicherheitsindustrie aus.
Die verlässlichsten Informationen zu hybriden Angriffen und ihren Folgen erwartet die Bevölkerung vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dem 82 Prozent vertrauen. Knapp dahinter liegen private TV- und Radio-Sender mit 77 Prozent. Den Informationen von Parteien, Behörden, Ministerien und Organisationen wie Gewerkschaften vertrauen 64 Prozent, fast ebenso viele überregionalen sowie internationalen Print- und Online-Medien (je 63 Prozent). Danach folgen regionale und lokale Print- und Online-Medien (57 Print), Youtube-Kanäle (42 Prozent) sowie soziale Netzwerke (41 Prozent). Aber auch an den politischen Rändern verorteten Medien vertraut jeweils rund ein Drittel der Menschen: 34 Prozent weit rechts verorteten Medienportalen oder Blogs, 33 Prozent den weit links verorteten. Nachrichtengruppen bei Messenger-Diensten vertrauen ebenfalls 33 Prozent.
Alle Ergebnisse der Befragung gibt es auch online im Bitkom-Dataverse.
Zudem hat Bitkom heute einen Studienbericht mit den Ergebnissen der Bevölkerungsumfrage sowie einer Umfrage unter mehr als 600 Unternehmen aus allen Branchen zur Bedrohung durch hybride Angriffe veröffentlicht.
Dieser Studienbericht untersucht, wie Unternehmen und Bevölkerung in Deutschland die Gefahr hybrider Angriffe einschätzen, welche konkreten Risiken sie sehen und wie sie ihren eigenen Vorbereitungsstand bewerten.
Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.263 Personen ab 16 Jahren in Deutschland telefonisch befragt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 51 2025 bis KW 2 2026 statt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellungen lauteten: „Wie gut sind folgende Akteure in Deutschland Ihrer Meinung nach auf hybride Angriffe und deren Folgen vorbereitet?“, „Was sollte die Politik tun, damit Deutschland noch besser auf hybride Angriffe vorbereitet ist?“, „Inwieweit vertrauen Sie den folgenden Informationsquellen, wenn Sie speziell an hybride Angriffe auf Deutschland und deren Folgen denken?“