Berlin, 07. Juli 2026 - Die deutsche Digitalwirtschaft zeigt sich trotz schwieriger konjunktureller Rahmenbedingungen weiter stabil, in vielen Segmenten steigen die Umsätze. Nach Bitkom-Prognose legt der deutsche Markt für IT und Telekommunikation 2026 um 4,1 Prozent auf 246,4 Milliarden Euro zu. Damit setzt die Branche ihr Wachstum fort, wenn auch mit etwas geringerem Tempo als im Vorjahr. 2025 lag das Plus bei 4,7 Prozent. „Digitalisierung bleibt ein Wachstumstreiber in Deutschland. Unternehmen und öffentliche Hand investieren weiter in Software, IT-Services, KI und Cybersicherheit, auch wenn viele Entscheidungen angesichts der wirtschaftlichen Lage vorsichtiger getroffen werden“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
Wintergerst: „Die Bundesregierung hat in den letzten Tagen klaren Reform- und Gestaltungswillen erkennen lassen und deutlich gemacht, dass sie der Wirtschaft neuen Schub geben will. Jetzt kommt es darauf an, diese Ambition mit einem klugen digitalpolitischen Programm zu unterlegen. Deutschland kann seine wirtschaftliche Stärke, seinen Wohlstand und seine Sicherheit nur erhalten, wenn es schneller, effizienter und vor allem digitaler wird.“
Innerhalb der Digitalwirtschaft entwickelt sich vor allem das große Teilsegment der IT besonders dynamisch. Für 2026 erwartet Bitkom in der IT ein Umsatzplus von 5,4 Prozent auf 170,8 Milliarden Euro. Besonders stark legt erneut das Geschäft mit Software zu: Die Umsätze steigen in diesem Jahr voraussichtlich um 9,9 Prozent auf 58,1 Milliarden Euro. Ein wesentlicher Teil entfällt auf Software für den Betrieb öffentlicher Clouds. Allein mit Cloud-Software werden 2026 voraussichtlich 42,5 Milliarden Euro umgesetzt, ein Plus von 21,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Software bleibt damit der Wachstumsgarant der Digitalwirtschaft. Auch Künstliche Intelligenz gewinnt weiter an Schwung, macht aber erst einen Bruchteil der Software aus. Die Umsätze mit KI-Plattformen steigen nach Bitkom-Berechnungen 2026 um 75,8 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro, nachdem sie bereits 2025 um 50 Prozent gewachsen waren. „Software, Cloud und KI sind die zentralen Wachstumstreiber der Digitalwirtschaft. Sie entscheiden zunehmend darüber, wie wettbewerbsfähig Unternehmen sind, wie schnell Deutschland Innovationen in die Anwendung bringt und wie effizient Verwaltungen arbeiten“, sagt Wintergerst.
Auch die übrigen IT-Segmente entwickeln sich positiv. IT-Services legen 2026 voraussichtlich um 3,1 Prozent zu, IT-Hardware wie Notebooks, Drucker und Bildschirme um durchschnittlich 3,3 Prozent. Innerhalb der IT-Hardware wächst insbesondere IT-Infrastruktur aus der Cloud (Infrastructure-as-a-Service) stark, mit einem Plus von 22,3 Prozent. Auch Sicherheitsgeräte, Workstations, Server und Datenspeicher verzeichnen Zuwächse. Wintergerst: „Beim Wachstum der IT-Hardware sehen wir deutliche Preiseffekte. Gestiegene Preise für RAM-Speicher und Chips treiben die Umsätze nach oben, obwohl in vielen Segmenten die Verkaufszahlen zurückgehen.“ Rückgänge gibt es dagegen unter anderem bei Desktop-PCs, Tablets sowie AR/VR- und Smart-Home-Geräten. „Die Unternehmen investieren vor allem dort, wo Digitalisierung unmittelbar Produktivität, Skalierbarkeit und auch Sicherheit schafft“, so Wintergerst.
Der Telekommunikationsmarkt wächst auch 2026 nur moderat. Bitkom erwartet in der Telekommunikation ein Plus von 1,4 Prozent auf 75,6 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran hat das Geschäft mit TK-Diensten, auf die 53,9 Milliarden Euro und ein leichtes Plus von 0,9 Prozent entfallen. Die Umsätze mit Telekommunikations-Infrastruktur steigen um 4,2 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro. Damit zeigt sich eine Erholung nach der Delle in den Jahren 2023 und 2024. Die Umsätze mit Endgeräten wie Smartphones wachsen um 1,6 Prozent und übertreffen mit 13,4 Milliarden Euro leicht das Vorjahresniveau.
„Leistungsfähige Netze sind die Grundlage für Digitalisierung, KI und die digitale Teilhabe der Menschen. Die Telekommunikationsunternehmen investieren massiv in den Ausbau dieser Infrastruktur. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen: Investitionen in Netze müssen gefördert und dürfen nicht ausgebremst werden“, sagt Wintergerst. „Dazu gehören priorisierte Stromanschlüsse für Mobilfunkmasten ebenso wie eine konsequente Umsetzung des überragenden öffentlichen Interesses am Netzausbau in den Kommunen.“
Auch bei den Investitionen zeigt sich die Branche stabil. 23 Prozent der ITK-Unternehmen wollen 2026 mehr investieren als im Vorjahr, 57 Prozent halten ihr Investitionsniveau konstant, 20 Prozent planen geringere Investitionen. Die Mittel fließen vor allem in Software, Forschung und Entwicklung sowie Ausrüstung. „Entscheidend ist jetzt, dass die Politik Planungssicherheit schafft und Investitionen in Digitalisierung durch den Abbau von Regulierung erleichtert“, betont Wintergerst.
Denn im internationalen Vergleich bleibt Deutschland zurück. Der weltweite ITK-Markt wächst 2026 voraussichtlich um 8,5 Prozent auf 5,9 Billionen Euro. Die USA dominieren mit einem Anteil von 41 Prozent und einem Wachstum von 12,7 Prozent. Deutschland kommt auf einen Anteil von 3,8 Prozent und ein Wachstum von 4,1 Prozent. „Die Schere zwischen den USA und China auf der einen und Deutschland und seinen europäischen Nachbarn auf der anderen Seite öffnet sich weiter. Wenn die USA dreimal so schnell wachsen wie Deutschland, dann zeigt das: Andere Länder setzen digitale Technologien entschlossener ein und investieren massiv in digitale Infrastrukturen wie Rechenzentren und Innovationen. Unser Anspruch muss sein, wenn auch nicht die Umsatzvolumina, so zumindest die Wachstumsraten zu erreichen wie die USA“, so Wintergerst. „Deutschland muss Digitalisierung als Wachstumsverstärker begreifen. Wer jetzt beschleunigt, stärkt Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Zukunftsfähigkeit des Standorts.“
Die Angaben zur Marktentwicklung basieren auf einer Analyse und Aufbereitung durch Bitkom auf Basis von Daten von IDC. Ausgangspunkt der Prognosen sind diese Daten, weitere öffentlich zugängliche Daten und Daten aus Bitkom Studien. Zur Erstellung Validierung der Prognosen werden Experteninterviews im Bitkom-Netzwerk durchgeführt. Der Bitkom-ifo-Digitalindex basiert auf der monatlichen ifo Konjunkturumfrage und bildet sich aus dem geometrischen Mittel der Werte für die Geschäftslage und die Geschäftserwartungen. Berücksichtigt werden Daten der Digitalbranche, die sich aus Unternehmen der Sektoren Verarbeitendes Gewerbe, Handel und Dienstleistungssektor zusammensetzt. Dazu zählen Hersteller von IT und Kommunikationstechnik, Unterhaltungselektronik, Anbieter von Software und IT-Dienstleistungen, Telekommunikationsdiensten sowie der Groß- und Einzelhandel mit ITK. Gewichtet wird nach Anzahl der Beschäftigten. Der Digitalindex und die weiteren Zeitreihen werden als saisonbereinigte Salden dargestellt.