Bitkom zum Weltwirtschaftsforum in Davos

  • Berg: „Tech-Welt gerät immer mehr in den Sog der Handelskonflikte“

Berlin, 20. Januar 2020 - Zur Tagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg:

Davos steht im Zeichen epochaler Herausforderungen. Das Weltwirtschaftssystem gerät durch Klimawandel, Handelsstreitigkeiten und geopolitische Konflikte immer stärker unter Druck. China und die USA betreiben nationale Wirtschaftspolitik wie Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Rückfall in ideologischen Nationalismus und wirtschaftlichen Protektionismus ist ein verheerender Anachronismus und gefährdet weltweit die Verbreitung innovativer Technologien und die verbindliche Verständigung auf Klimaziele und globale Grundsätze nachhaltigen Wirtschaftens.

Die Tech-Welt gerät immer mehr in den Sog der Handelskonflikte, etwa mit der Absicht, eine ganze Reihe von Zukunfts- und Basistechnologien in Exportkontrollregime aufzunehmen. Digitalisierung ist gleichbedeutend mit Vernetzung, Austausch und Kooperation. Eine starke grenzüberschreitende Verzahnung ist kennzeichnend für die global ausgerichtete Digitalwirtschaft – und das wird zunehmend zum Risiko. Was wir brauchen, ist Freihandel statt Abschottung und internationale Partnerschaft statt nationaler Alleingänge. Das erfordert klare, transparente, rechtssichere und nachvollziehbare Regeln sowie starke multilaterale Institutionen. Die Weltwirtschaft muss sich diesen Zielen verpflichten, und Europa sollte dabei politisch und wirtschaftlich eine stärkere Rolle spielen.

Digitale Technologien können Wachstum sichern, Wertschöpfung steigern und gleichzeitig Nachhaltigkeit fördern. Nie war es so einfach, wirtschaftliches Wachstum und Umweltschutz zu vereinen wie im digitalen Zeitalter. Unser Wirtschaftssystem nachhaltig aufzustellen, ist nicht etwa das Gebot der Stunde, es ist eine existenzielle Zukunftsfrage, und die ist eng mit der Digitalisierung verknüpft. Digitalisierung bedeutet Dematerialisierung. Dinge werden einfacher, nachvollziehbarer und effizienter. Wir sind noch ganz am Anfang, diese Potenziale zu heben. Die Zeit drängt. Politik und Wirtschaft sind gemeinsam gefordert: Wir brauchen eine globale Digitalstrategie, von der Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt gleichermaßen profitieren.“