Berlin, 27. Oktober 2026 - Eine schlechte Note im Test oder für den Aufsatz – womöglich vergeben von KI statt vom Lehrer? Jede fünfte Lehrkraft (20 Prozent) nutzt KI zur Kontrolle von Aufgaben und Prüfungen. 7 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer haben KI nach eigenen Angaben für die Benotung genutzt, ohne das Ergebnis zu überprüfen. Insgesamt nutzen 58 Prozent der Lehrkräfte Künstliche Intelligenz für schulische Zwecke. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter 501 Lehrerinnen und Lehrern der Sekundarstufen I und II in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.
Nicht nur Lehrkräfte, auch Schülerinnen und Schüler greifen in der Schule auf KI zurück – und das stellt Lehrkräfte vor Herausforderungen: 70 Prozent sagen, die KI-Nutzung durch Schülerinnen und Schüler lasse sich kaum kontrollieren. Und so gibt rund jede achte Lehrkraft (12 Prozent) an, den Einsatz von KI sogar bewusst auch in Prüfungssituationen zu erlauben. Wichtig ist Lehrkräften grundsätzlich Transparenz: 92 Prozent sind der Meinung, Schülerinnen und Schüler sollten kennzeichnen müssen, wenn sie KI für schulische Aufgaben genutzt haben.
Insgesamt besteht beim Umgang mit KI in der Schule viel Unsicherheit. Nur etwas mehr als die Hälfte der Lehrkräfte (57 Prozent) berichtet von klaren Regeln zum KI-Einsatz an ihrer Schule. Und 51 Prozent fühlen sich von KI überfordert. „KI gehört längst zum Schulalltag. Umso wichtiger sind umsetzbare Regeln, wann ihr Einsatz erlaubt und sogar erwünscht ist und wo nicht – für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für Lehrkräfte. Solche Leitlinien schaffen Sicherheit und ermöglichen einen verantwortungsvollen Umgang mit KI“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
Trotz der Herausforderungen verbinden viele Lehrkräfte mit KI auch die Hoffnung auf Entlastung: Jede zweite Lehrkraft (50 Prozent) wünscht sich KI-Anwendungen, die sie bei Routineaufgaben unterstützen. Dabei dürfte der Einsatz von KI in der Bildung erst am Anfang stehen: Rund ein Fünftel der Lehrerinnen und Lehrer (19 Prozent) geht davon aus, dass KI die Rolle von Schule und Lehrkräften grundlegend verändern wird. Wintergerst: „KI kann das Lernen individueller gestalten und Lehrkräfte spürbar entlasten. Um dieses Potenzial schon jetzt stärker zu nutzen, brauchen Schulen geeignete Anwendungen und Lehrkräfte die nötigen Kompetenzen – durch eine feste Verankerung von KI in der Lehrkräfteausbildung sowie fortlaufend praxisnahe Fortbildungen.“
Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 501 Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufe 1 und 2 an Hauptschulen, Schulen mit mehreren Bildungsgängen, Realschulen, Gymnasien, integrierten Gesamtschulen und Waldorfschulen telefonisch befragt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 22 bis KW 26 2026 statt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellungen lauteten: „Nutzen Sie KI für schulische Zwecke?“ und „Inwiefern haben Sie KI bereits für schulische Zwecke genutzt?“ sowie „Welche der folgenden Aussagen treffen auf Sie oder Ihrer Meinung nach zu bzw. nicht zu?“.