21.03.2016 Meilenstein „Digitales Hessen“

Wie die neue Strategie die digitale Transformation in Hessen beflügeln soll

Die hessische Landesregierung hat mit „ Digitales Hessen “ erstmals ein umfassendes Strategiepapier für das digitale Zeitalter vorgelegt. An der Entstehung waren – koordiniert durch Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir – nicht nur sieben Landesministerien beteiligt, sondern auch mehrere hundert Experten aus Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft. Die über hundert Seiten lange Strategie ist das Ergebnis akribischer Vorbereitung – entsprechend detailreich gestalten sich die einzelnen Kapitel. Es scheint, als wolle das Wirtschaftsministerium keine Chance, keinen Vorteil der Digitalisierung für das Land verpassen. Die Strategie umfasst alle Politikfelder, in denen die Landespolitik zuständig ist. All diese Bereiche werden genauestens durchdekliniert, was den Umfang erklärt: „Digitales Hessen“ ist mehr als doppelt so lang wie beispielsweise die Digitale Agenda der Bundesregierung.

Hessen hat alle Voraussetzungen, die es für die erfolgreiche Gestaltung der digitalen Transformation braucht: eine starke Forschungslandschaft, eine lebendige Gründerszene und eine große Tradition technologischer Innovationen. Das Land ist einer der wichtigsten Standorte der ITK-Branche in Deutschland – jeder siebte ITK-Beschäftigte arbeitet in Hessen. Zudem sind mehrere wichtige Leitindustrien Deutschlands in Hessen stark vertreten: Pharma, Chemie, Automobil, Finanzwirtschaft oder Maschinenbau, um nur einige zu nennen. All diese Branchen müssen sich in den nächsten Jahren dringend der digitalen Transformation widmen, damit der Standort Deutschland auch in Zukunft im globalen Vergleich bei Wertschöpfung und Wohlstand in der Spitzengruppe verbleibt.

Transformation der Leitbranchen
Um das Beispiel der Finanzbranche herauszugreifen: Aktuell werden die großen Bankhäuser von den innovativen FinTechs ordentlich ins Schwitzen gebracht – eine Gefahr für Frankfurt als wichtigsten Finanzstandort in Deutschland? Nicht so für Al-Wazir, der einen FinTech-Hub vorantreibt, in dem Start-ups, Forschungshäuser und die etablierten Banken gemeinsam an innovativen Ideen feilen und sie zur Marktreife treiben sollen. Da bei der Digitalisierung das Tempo zählt, sollen die Akteure schon dieses Jahr eine Immobilie beziehen und die Arbeit aufnehmen. Ein solches Projekt – einen Ort zu schaffen für die digitale Transformation einer (Leit-)Branche – kann Vorbild sein für andere Industrien. Statt mit dem Gießkannenprinzip viele kleine sollte man gezielt große Zentren schaffen, die internationale Ausstrahlung entfalten und so Magnetwirkung entwickeln. FinTechs aus Tokio, Sydney oder New York sollen zukünftig wissen, dass sie nach Frankfurt müssen, um an den großen Innovationen der Branche teilzuhaben.

„Digitales Hessen“ erzeugt mehrere solcher Leuchttürme, aber auch vermeintlich weniger öffentlichkeitswirksame Maßnahmen wie die Innovationsförderung im Mittelstand, der flächendeckende Breitbandausbau über 2018 hinaus, der Ausbau von Smart Home und Green-IT für ökologische Effizienzgewinne oder der stärkere Einsatz von E-Health sind wichtige Vorhaben. Gleichwohl gibt es Felder, in denen Hessen aus Sicht des Bitkom dringend investieren muss, die Strategie aber hinter unseren Erwartungen zurückbleibt. Ein Beispiel: Digitale Bildung ist essentiell, um Schülerinnen und Schüler fit zu machen für die digitale Gesellschaft und die Wirtschaft 4.0 der Zukunft. Informatik als Pflichtfach ab der fünften Klasse und als Abiturfach, der deutlich verstärkte Einsatz digitaler Technologien und digitaler Inhalte im Unterricht oder die Mindestausstattung von Lehrkräften mit der notwendigen Hardware. In einigen Fragen ist „Digitales Hessen“ zu zaghaft, auch wenn das Land aktuell in der Kultusministerkonferenz an einer länderübergreifenden Strategie Digitale Bildung mitarbeitet.

Weiterentwicklung geplant
Aber: Ganz im Geiste des permanenten digitalen Wandels soll Digitales Hessen auch in den nächsten Jahren laufend überprüft, aktualisiert und ausgebaut werden. Insbesondere in Anbetracht der rasanten Geschwindigkeit der Digitalen Transformation und dem entsprechenden politischen Handlungsdruck wird Bitkom die Entwicklung der Strategie weiter begleiten. Der Weg in das digitale Zeitalter birgt für das Flächenland Hessen vor allem wirtschaftlich und gesellschaftlich enorme Chancen – die Landesregierung hat für die digitale Zukunft nun entscheidende Impulse gegeben.

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Jürgen Hatzipantelis

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