26.11.2014 Auf dem Weg zum „Smart Anything“

Es geht nicht um das Nittikritti, es geht um das Big Picture, die großen Trends. Trends die die Welt verändern.“ So beschrieb Bitkom-Präsident Dieter Kempf in seiner Eröffnungsrede die Inhalte des Bitkom-Trendkongresses 2014. Konkret ging es mit 1.400 Besuchern, Austellern und Speakern in der Station Berlin in Kreuzberg um Big Data, Cognitive Computing, Wearables, Industrie 4.0 und Intelligente Netze. Der wichtigste digitale Trend ist für Kempf dabei ganz klar die Entwicklung „des Smart Anything“ , in der Wirtschaft insbesondere Industrie 4.0 ( Kempfs Interview hierzu ).

Ein besonderer Gast war Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka. Sie rückte in ihrer Rede das Thema Digitale Arbeit in den Vordergrund und kündigte für März 2015 ein Forschungsprogramm zur Arbeit der Zukunft an. Wanka skizzierte die Chancen und Gefahren der Digitalisierung für den Standort Deutschland. „Wir sind glücklicherweise derzeit eines der innovationskräftigsten Länder. Das muss aber nicht so bleiben. Der Digitale Wandel ist eine Chance für Deutschland, es gibt aber keinen Automatismus.“ Nachlässigkeit könne hier schnell den Abstieg bedeuten (detailliert können Sie Wankas Aussagen hier nachlesen).

„Digital Champion“ Gesche Joost sprach mit Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder unter anderem über ihre Arbeit für die EU-Kommission: Gerade das Thema Big Data sei im europäischen Vergleich in Deutschland oft von einer „Angstdebatte“ begleitet. Dabei ginge es mehr darum, die Chancen und Vorteile in Big Data zu erkennen und es nicht als „das neue Böse“ anzusehen (auch hier im Interview). Netzaktivist Daniel Domscheit-Berg beleuchtete eher die Risiken der Digitalisierung, betonte aber auch: „Die digitale Revolution befreit uns von lästigen Tätigkeiten.“ Das Internet könne alle gleichmachen.

Über die Zukunft der europäischen ITK-Wirtschaft diskutierten Achim Berg, Bitkom-Vizepräsident und CEO von Arvato, Valter D’Avino, President of the Region Western and Central Europe bei Ericsson, Dana Eleftheriadou, Koordinatorin für die Strategien zu Startup-Gründungen bei der EU-Kommission, und Start-up-Gründer Kai Haller von mediaTest digital . Dabei kam heraus, dass eine Mehrzahl der Zuschauer über Erfahrungen im Programmieren verfügt. Das Potenzial wäre also da. Nun geht es darum, dass auch in wirtschaftlichen Erfolg zu übersetzen. Politische Regulierungen seien das eine. Entscheidend seien aber geradeauch Mentalitätsfragen in der Bevölkerung. „Europäer haben Angst zu scheitern. Das ist eine kulturelle Sache. Unternehmertum wird nicht von kleinauf vermittelt“, ist sich Haller sicher (ein längeres Interview mit ihm gibt es hier ).

Der Trendkongress schaute nicht nur über den Tellerrand der ITK-Branche, sondern auch über die Erdumlaufbahn hinaus. Bas Lansdorp, Chef des niederländischen Mars One Projects, erklärte , wie er und sein Team in den kommenden Jahren eine Crew auf unseren Nachbarplaneten bringen wollen. Rund 200.000 Bewerber hätten sich bislang für die Mission gemeldet. Eigentlich erstaunlich, denn es gebe nur ein One-Way-Ticket: „Wir wollen eine neue Zivilisation auf dem Mars starten. Eine Rückkehr ist nicht vorgesehen.“ Potenzial hier auf der Erde hat dagegen die Idee von Mark Moebius und seinem Start-up Nagualsounds . Sie haben ein Programm entwickelt, dass Bewegungen in Musik umwandelt.

Die stärkere Vernetzung im Internet of Things dominierte die Diskussionen auf der Blue Stage. Neben zahlreichen Beispielen aus der Praxis diskutierten Vertreter aus der Industrie in den Panels „IT Meets…“ die Auswirkungen des Internets der Dinge auf die Industrie, den Automobil- und Energie-Sektor und den Bereich Smart Home.

Auf der Black Stage präsentierten sich zahlreiche Start-ups mit ihren innovativen Ideen. Vertreten waren auch erfolgreiche Gründer, wie zum Beispiel Anna Alex von Outfittery oder Ferry Heilemann von DailyDeal, die ihre Erfahrungen weitergaben. Ein Höhepunkt war die Auswahl der Sieger des Bitkom Innovators‘ Pitch: Gewonnen haben die Unternehmen Auticon und Talwerk .

Ali Jelveh von Protonet ging auf der Black Stage weit in der Vergangenheit zurück, um die Herausforderungen der europäischen ITK-Industrie zu illustrieren. „Wie die Dinosaurier schauen viele Unternehmen heute auf den ‚Kometen“ Digitalisierung und denken, das ginge sie nichts an. Bis es zu spät ist.“ Dabei seien die vielen kleinen Unternehmen Europas Vorteil. Die sollten lieber gar nicht erst versuchen, zu den großen US-Konzernen aufzuschließen.

Die Digitalisierung verändert auch das Verhältnis von Unternehmen und Verbrauchern. „Die Zeiten, in denen Hersteller allein über das Produktdesign bestimmen, sind vorbei“, sagte Bitkom-Präsidiumsmitglied Catharina van Delden auf einer Diskussion zu Crowdfunding-Plattformen. Vielmehr entstehe es im Austausch mit dem Kunden. Auch das Marketing werde interaktiver, erklärte Thomas de Buhr, Managing Director von Twitter in Deutschland. Social Media mache Kunden zu aktiven Gestaltern einer Marke.

Der Bitkom-Trendkongress behandelt die zentralen Aspekte des digitalen Wandels in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft mit dem Ziel, Start-ups und etablierte Unternehmen zu vernetzen. „Wir wollen, dass Deutschland mit seinen Unternehmen und Beschäftigten, mit seinem starken industriellen Kern und seinen herausragenden Forschungsinstituten, mit seinen Schulen und Universitäten, seinen starken Zentren und seinen dünn besiedelten Regionen – wir wollen, dass Deutschland und Europa zu den Gewinnern zählen“, sagte Dieter Kempf zum Abschluss.

Bilder vom Trendkongress

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