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Digitale Hochschule der Zukunft

Drei Erfolgsfaktoren einer zukunftsfähigen Hochschule

1. Digitalisierung als strategische Querschnittsaufgabe

Digitale Infrastruktur, Digitalisierung von Studium und Lehre und Hochschulverwaltung müssen zusammengedacht werden. Entscheidend ist ein Whole-Institution-Approach mit klaren Verantwortlichkeiten bei einer zentral steuernden Stelle im Präsidium, die nicht nur technische Fragen adressiert, sondern auch einen digitalen Kulturwandel fördert. Hochschulen sind historisch gewachsene, dezentrale Expertenorganisationen mit hohem Autonomiegrad. Gerade deshalb braucht es ein digitales Selbstverständnis, das gemeinsame Standards in den Vordergrund stellt und Digitalisierung nicht dem Zufall einzelner Fachbereiche oder Projekte zu überlassen. 

2. Hochschulen als aktiver Teil des digitalen Strukturwandels

Hochschulen begleiten den digitalen Wandel nicht nur, sie gestalten ihn aktiv mit. Dafür müssen sie sich als aktive Partner von Wirtschaft, Gesellschaft und Staat in der digitalen Transformation verstehen. Eine Digitale Hochschule der Zukunft ist zentraler Orte der Fachkräftesicherung, der beruflichen Bildung und des lebenslangen Lernens. Sie bereitet Studierende auf eine digitale Arbeitswelt vor, vermittelt digitale und KI- Kompetenzen und befähigt das wissenschaftliche Lehrpersonal, digitale Lerntechnologien in der Hochschullehre gewinnbringend einzusetzen. 

3. Hochschulen als offene Innovationsökosysteme

Eine Digitale Hochschule der Zukunft versteht sich als Plattform, die Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und öffentliche Hand systematisch miteinander verbindet. Zusammenarbeit mit der Digitalwirtschaft und externen Partnern bringt technologische Entwicklungen schneller in die Hochschulpraxis und ermöglicht eine gemeinsame Weiterentwicklung. Ausgründungen und ein neues Verständnis von Entrepreneurship im Hochschulalltag stärken den Transfer von Innovationen und Forschungsergebnissen in Wirtschaft und Gesellschaft. 

Fünf Handlungsfelder

1. Digitale Infrastruktur

Eine leistungsfähige und souveräne digitale Infrastruktur ist die Grundlage einer gelungenen Hochschuldigitalisierung, bleibt an vielen Hochschulen aber eine Herausforderung: Schlechtes oder fehlendes WLAN sowie unzureichende technische Ausstattung zählen zu den von Studierenden am häufigsten genannten Problemen, und ein Großteil sieht deutsche Hochschulen im internationalen Digitalisierungsvergleich im Hintertreffen. Auch beim Zugang zu digitalen Endgeräten tragen bislang vor allem die Studierenden selbst die Kosten. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die Cybersicherheit: Hochschulen sind durch ihre sensiblen Forschungsdaten attraktive Ziele für Cyberkriminalität sowie Wirtschafts- und Wissenschaftsspionage, doch nur ein Teil der Hochschulen verfügt über Notfallpläne für Cyberangriffe. Dezentrale Strukturen haben viele Insellösungen entstehen lassen – Hochschulen brauchen deshalb hochschulweite Standards, zentrale Steuerung und sichere, interoperable IT-Infrastrukturen. Bund und Länder sind gefordert, Investitionen in digitale Infrastruktur zu stärken und ein gemeinsames Investitionsprogramm Cybersicherheit für Hochschulen aufzulegen.

2. Studium und Lehre

Seit der Corona-Pandemie sind digitale Angebote an Hochschulen deutlich verbreiteter, bei digitalen Prüfungsformaten besteht jedoch weiterhin großer Rückstand. Digitale Lerntechnologien – KI-gestütztes Feedback, digitale Tutorien, adaptive Lernpfade und immersive Lernräume – können Lernerfolg, Flexibilität und Teilhabe verbessern. Dafür sollten Hochschulen Innovationen aus EdTechs und der digitalen Bildungswirtschaft stärker nutzen und gemeinsam weiterentwickeln. Digital gestützte Lehre muss zum Qualitätsstandard werden, wofür das Lehrpersonal beim didaktisch zielführenden Einsatz digitaler Tools systematisch unterstützt werden muss. Nahezu alle Studierenden nutzen inzwischen KI-basierte Tools im Studium, hochschulweite Regeln zum KI-Einsatz gibt es aber erst an wenigen Hochschulen. Die Länder sollten daher über die Wissenschaftsministerkonferenz einen gemeinsamen „KI-Aktionsplan Hochschule“ erarbeiten, mit einer Whitelist geprüfter KI-Tools, einem frei verfügbaren KI-Budget und einem landesweiten KI-Kompetenzzentrum, ergänzt um ein digitales Experimentierbudget und ein finanziertes Basisangebot zu digitalen Kompetenzen für alle Studierenden.

3. Hochschulverwaltung

Eine digitale Hochschule der Zukunft braucht eine Verwaltung, die digitale Innovationen aktiv steuert. Entscheidende Voraussetzung dafür ist eine zentrale Digitalisierungsstrategie, über die bislang aber nur die Hälfte der Hochschulen verfügt. Autonomie von Fachbereichen und Selbstverwaltung sind Stärken des deutschen Hochschulsystems, führen bei der Digitalisierung jedoch häufig zu Heterogenität und inkompatiblen Einzellösungen. Nötig ist deshalb ein zentral gesteuerter, tiefgreifender Kulturwandel. Verwaltungsmitarbeitende müssen frühzeitig eingebunden und qualifiziert werden, und Hochschulen sollten analog zu Unternehmen einen Chief Digital Officer auf Leitungsebene mit eigenem Digitalisierungsbudget einsetzen. Fehlende Schnittstellen und Datenstandards zwischen Wissenschaftsministerien und Hochschulen bremsen Digitalisierungsprozesse in der Praxis oft, und auch das Hochschulrecht muss flexibler auf technische Entwicklungen reagieren können. Politisch braucht es deshalb vereinfachte Akkreditierungsverfahren, ein „One-for-All“-Prinzip bei Datenschutzprüfungen sowie offene Schnittstellen und gemeinsame Datenstandards zwischen Ländern und Hochschulen.

4. Berufliche Bildung und Fachkräftesicherung

Die wachsende Fachkräftelücke trifft die Digitalwirtschaft besonders stark, und Hochschulen kommt bei der Fachkräftesicherung eine Schlüsselrolle zu: Ein bedeutender Teil neu eingestellter IT-Fachkräfte verfügt über einen IT-nahen Hochschulabschluss, und auch bei KI-Fachkräften dominiert der akademische Werdegang, wobei viele aus dem Ausland kommen. Hochschulen sollten internationale Studierende als künftige Fachkräfte in Deutschland halten und beim Übergang in den Arbeitsmarkt unterstützen. Digitale Kompetenzen sind auch außerhalb der IT arbeitsmarktrelevante Grundkompetenzen. Hier sehen viele Studierende noch Nachholbedarf bei der eigenen Hochschule. Die digitale Hochschule der Zukunft versteht sich deshalb auch als Ort kompetenzorientierter, praxisnaher beruflicher Bildung: mit engerer Kooperation mit Unternehmen, dem Aufbau von Professional Schools für berufsbegleitende Angebote sowie modularisierten Studienformaten wie Microdegrees und Zertifikatskursen. Bund und Länder sollten die Anerkennung solcher Module erleichtern, unnötige Doppelzertifizierungen abbauen und den Aufbau von Professional Schools sowie regionalen International Career Offices fördern.

5. Ausgründungen und Entrepreneurship

Das Gründungsniveau in Deutschland ist weiterhin hoch, doch aus der hierzulande stattfindenden Spitzenforschung entstehen noch zu wenige erfolgreiche Ausgründungen – auch weil Deutschland bei Wagniskapital und Transferdynamik im internationalen Vergleich zurückbleibt. Hochschulen können wissenschaftliche Exzellenz in marktfähige Lösungen übersetzen, wenn die Rahmenbedingungen für Gründungen verbessert, unternehmerische Kompetenzentwicklung fest in Studiengängen verankert und der Wissenstransfer in die Praxis gestärkt werden. Dazu gehören ein Kulturwandel bei akademischen Erfolgskennzahlen, bei dem Ausgründungen neben Publikationen und Drittmitteln als zentrale Indikatoren anerkannt werden, verpflichtende unternehmerische Grundkompetenzen in technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen sowie besser ausgestattete Transferbüros mit planbaren Budgets. Der Bund muss vor allem den Transfer geistigen Eigentums vereinfachen und standardisieren, etwa über ein nationales IP-Transfer-Framework mit Musterlizenzverträgen, und die praktische Umsetzung der Startup-Factories-Initiative aufmerksam begleiten.

22.07.26 | Netzwerktreffen

Das Netzwerktreffen fand im Rahmen des University:FutureFestival statt. Im Fokus des Netzwerktreffens stand die weitere inhaltlich-strategische Ausrichtung des Netzwerks. Gemeinsam wurden Eckpunkte für das Positionspapier „Digitale Hochschule der Zukunft“ erarbeitet. Dafür wurde mit unseren Gästen die Frage diskutiert: Wie müssen sich Hochschulen neu aufstellen, um die Chancen der Digitalisierung in der Hochschulverwaltung sowie Studium & Lehre in der Praxis zu nutzen?

Wir bedanken uns für die Praxisimpulse zur Hochschulverwaltung, studentischen Perspektive sowie Zusammenarbeit von Digitalwirtschaft und Hochschulen von:

  • Jana Einsporn, stellv. Bundessprecherin des Vereins Hochschulkanzler*innen e.V
  • Jule Gronau, DigitalChangeMaker-Initiative
  • Paul Herman, Co-Gründer von acemate.ai
  • Prof. Dr. Erwin Amann, Professur für Mikroökonomik, Universität Duisburg-Essen 

29.01.26 | Auftakttreffen: Schwerpunkte

Im Auftakttreffen diskutierten wir gemeinsam mit externen Expertinnen und Experten aktuelle Handlungsfelder und identifizierten erste Schwerpunkte für die weitere Arbeit.

Wir bedanken uns für die Impulse von:

  • Thomas Bachem, Gründer & Geschäftsführer CODE Trust, CODE University of Applied Sciences
  • Sandra Schlösser, Kanzlerin, Hochschule Hamm-Lippstadt
  • Martin Wan, Projektleiter "KI-LOTSE" 

Sprechen Sie uns bei Fragen gerne an.

Mitarbeiterfoto - Lewis Erckenbrecht, Bitkom e.V.

Lewis Erckenbrecht

Referent Bildungspolitik & Digitale Gesellschaft
Bitkom e.V.
Mitarbeiterfoto Josephine Rotzen

Josephine Rotzen

Eventmanagerin
Bitkom e.V.