Karsten Wildberger:
„Ich glaube, das Größte, was wir uns vorgenommen haben und was jetzt auf dem Weg ist, ist eine andere digitale Architektur. Und hier geht es jetzt darum, zu skalieren und auszurollen.“
Tobias Grimm:
Das sagt Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger. Aber wo hat die Verwaltungsdigitalisierung tatsächlich an Tempo gewonnen? Und was braucht es, damit Digitalisierung nicht nur in den Städten, sondern auch in ländlichen Regionen einen echten Unterschied macht?
Darüber habe ich auf der Smart Country Convention neben Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger auch mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus gesprochen.
Und damit herzlich willkommen zu Tech Weekly, dem Podcast des Bitkom, heute von der Smart Country Convention.
Herr Bundesminister, das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung ist Schirmherr der Smart Country Convention. Warum ist die Smart Country Convention für Sie ein so wichtiger Termin?
Karsten Wildberger:
Das ist ein ganz wichtiger Termin. Es ist die größte Messeveranstaltung für Smart Country, also für Verwaltungsdigitalisierung und den modernen Staat in Deutschland. Und wenn ich heute sehe, wie viel größer die Messe geworden ist, wie viel mehr Aussteller dabei sind und wie viele Menschen hierherkommen, dann hat das schon eine tolle Atmosphäre.
Tobias Grimm:
Welchen Eindruck gewinnen Sie hier, gerade mit Blick auf die Verwaltungsdigitalisierung? Wie geht es dort voran?
Karsten Wildberger:
Es geht in großen Schritten voran. Natürlich ist es noch ein weiter Weg. Aber wenn ich mir anschaue, wie viele junge und mittelständische Unternehmen hier vertreten sind und Verwaltungsdigitalisierung auch als Geschäftsfeld begreifen, dann ist das sehr positiv.
Auch unser Ministerium hat hier einen großen Stand, auf dem wir unsere Lösungen präsentieren. Aber vor allem der Austausch und dieses gesamte Ökosystem sind schon gewaltig. Ich freue mich riesig auf die zwei Tage.
Tobias Grimm:
Gibt es im Moment ein Lieblingsprojekt?
Karsten Wildberger:
Es gibt viele Dinge. Zum Beispiel KI-Lösungen für die Verwaltung, die wir jetzt stärker in die Fläche bringen wollen. Natürlich auch die Deutschland-App und die digitale Brieftasche.
Außerdem kündigen wir heute einen kostenfreien PIN-Rücksetz-Dienst an. Denn um die Wallet nutzen zu können, brauche ich meinen Ausweis und dafür wiederum die PIN. Viele Menschen haben diese PIN aber verlegt. Wir haben hier auch eine mobile Station, an der man das direkt vor Ort erledigen kann. Ich glaube, das dauert ungefähr 50 Sekunden. Es sind also viele Highlights dabei.
Tobias Grimm:
Wenn Sie auf die vergangenen anderthalb Jahre zurückblicken: Wo sind Sie besonders gut vorangekommen?
Karsten Wildberger:
Wir arbeiten im Grunde in vier Feldern. Ich beschränke mich jetzt einmal auf die Digitalisierung.
Ich glaube, das Größte, was wir uns vorgenommen haben und was jetzt auf dem Weg ist, ist eine andere digitale Architektur. Und jetzt geht es darum, zu skalieren und auszurollen.
Was meine ich damit? Wir haben eine souveräne Cloud-Infrastruktur, auf der Daten sicher liegen und auf der perspektivisch alle Verwaltungen arbeiten können – auch Länder und Kommunen. Gleichzeitig haben wir uns auf einheitliche Standards geeinigt, damit die verschiedenen Systeme zusammenpassen.
Und wir haben eine wachsende Zahl an Anwendungen sowohl für die Menschen im Land als auch für die Beschäftigten in den Verwaltungen, die wir jetzt immer stärker in die Fläche bringen. Da ist aus meiner Sicht eine sehr gute Dynamik entstanden.
Tobias Grimm:
Wenn wir uns auf der Smart Country Convention 2027 wiedersehen: Was sollte Deutschland bis dahin beim digitalen Staat erreicht haben?
Karsten Wildberger:
Ich hoffe, dass viele Menschen dann sagen: Da ist richtig etwas in Gang gekommen. Dass sich mit der Wallet und der Deutschland-App das Leben spürbar verändert hat und dass viele Unternehmen darauf aufbauend neue Lösungen entwickeln.
Und ich hoffe, dass viele junge Unternehmen sagen: Es ist gut, dass wir Verwaltungsdigitalisierung in diesem Stil machen. Denn das bedeutet auch Wachstum, Arbeitsplätze und vor allem einen besseren Service für die Menschen im Land.
Ich freue mich auf nächstes Jahr – und natürlich jetzt erst einmal auf die aktuelle Smart Country Convention.
Tobias Grimm:
Vom digitalen Staat geht es jetzt weiter in die Fläche. Welche Chancen bietet Digitalisierung speziell für ländliche Regionen? Darüber spreche ich mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer.
Herr Bundesminister, wenn Sie auf den ländlichen Raum schauen: Welche digitalen Projekte machen Ihnen besonders Mut?
Alois Rainer:
Da gibt es viele. Grundsätzlich muss man sagen: Es ist wichtig, dass Digitalisierung und künstliche Intelligenz den Alltag der Menschen auf dem Land erleichtern.
Dazu gehören Telemedizin, digitale Verwaltungslösungen, Bildung und Teilhabe. Auch das digitale Dorfleben entwickelt sich immer weiter.
Aber das Entscheidende gerade im ländlichen Raum ist, dass wir gute Netze haben – sowohl beim Mobilfunk als auch beim Glasfaserausbau. Da sind wir auf einem guten Weg.
Für manche Familien entscheidet das ganz konkret über die Frage: Bleibe ich hier oder ziehe ich weg? Kann ich meine Arbeit von dort aus erledigen? Auch für Betriebe ist es entscheidend, ob sie sich im ländlichen Raum ansiedeln können. Und natürlich spielt Digitalisierung inzwischen auch für die Landwirtschaft eine sehr große Rolle.
Tobias Grimm:
Wenn wir auf die Digitalisierung insgesamt schauen: Wo kann sie dazu beitragen, dass sowohl der ländliche Raum als auch die Städte attraktiv zum Leben und Arbeiten bleiben?
Alois Rainer:
Ich freue mich zunächst einmal darüber, dass der ländliche Raum aufgeholt hat. Fast doppelt so schnell wie die urbanen Räume haben wir uns im ländlichen Raum entwickelt.
Wir unterstützen das auch als Ministerium – unter anderem mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank, aber auch mit vielen Programmen und digitalen Formaten.
Wir wollen als Landwirtschaftsministerium und auch als Heimatministerium dafür sorgen, dass Digitalisierung überall gut stattfinden kann.
Tobias Grimm:
Wir sehen uns hoffentlich im nächsten Jahr wieder hier auf der Smart Country Convention. Welches Projekt würden Sie bis dahin gern abgeschlossen haben?
Alois Rainer:
Ich weiß, dass es sehr ambitioniert ist. Aber für mich wäre es hervorragend, wenn wir bis dahin eine flächendeckende Abdeckung mit einem guten Mobilfunknetz und schnellem Internet hätten.
Das ist ambitioniert, aber für viele Familien, für Unternehmen und gerade auch für landwirtschaftliche Betriebe und Precision Farming unglaublich wichtig.
Deshalb ist das für mich ein großes Ziel: eine möglichst vollständige Abdeckung mit schnellem Internet und Mobilfunk.
Tobias Grimm:
Vielen Dank für das Gespräch.
Alois Rainer:
Sehr gerne. Alles Gute.
Tobias Grimm:
Von den digitalen Chancen für den ländlichen Raum kommen wir jetzt zur Frage, wie die Digitalisierung von Staat und Verwaltung auf Landesebene umgesetzt werden kann. Darüber spreche ich mit Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus.
Frau Ministerin, wir sind hier auf der Smart Country Convention. Warum ist sie für Sie ein so wichtiger Treffpunkt für digitale Verwaltung und den modernen Staat?
Kristina Sinemus:
Ich bin zunächst einmal beeindruckt davon, wie systematisch und dynamisch diese Messe wächst. Allein das zeigt: Es gibt einen großen Bedarf – sowohl bei der Umsetzung als auch beim Austausch.
Und genau dieser Austausch ist für mich wichtig: Netzwerke pflegen, schauen, wo wir stehen, und konkrete Lösungen kennenlernen. Auch wenn Hessen im Länderindex glücklicherweise auf Platz eins liegt, können wir natürlich immer besser werden.
Wir können uns hier anschauen, welche konkreten Lösungen es gibt und wo wir voneinander lernen können. Und natürlich ist es auch wichtig, sich schlichtweg einmal wieder analog zu treffen.
Tobias Grimm:
Sie haben Hessen angesprochen. Auf welche digitalen Entwicklungen sind Sie dort besonders stolz?
Kristina Sinemus:
Wir sind stolz darauf, dass wir das Thema Pilotkommunen beim Bund so adressieren konnten, dass wir tatsächlich als erstes Pilotland in die flächendeckende Ausrollung von fünf Leistungen gehen können.
Und ich kann eines sagen: Das wird ein Erfolgsmodell. Allein bei der Wohnsitzummeldung haben wir aktuell schon 80 Prozent Zielerreichung. Ich gehe davon aus, dass wir diese Flächendeckung auch tatsächlich erreichen können.
Das zeigt: Wir können und wir sind leistungsfähig. Aber das funktioniert nur im Zusammenspiel von Kommunen, Land und Bund.
Tobias Grimm:
Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf? Wo lässt sich das Tempo weiter erhöhen?
Kristina Sinemus:
Ich glaube, gerade bei der Unterstützung kleinerer Kommunen können wir noch deutlich mehr Dynamik erreichen.
Dafür braucht es Ressourcen – personell und finanziell –, aber teilweise auch ganz praktische Beratungsteams, die den Kommunen zur Seite stehen. Wenn wir dort Anreize setzen und konkrete Hilfestellung anbieten, können wir eine Lücke schließen, die es aktuell noch gibt.
Wir sind deshalb mit unserem neuen Förderprogramm „Kommune Digital“ aktiv und hoffen, damit zu zeigen, dass wir durch die gezielte Unterstützung kleiner Kommunen eine ganz andere Dynamik in der Fläche erreichen können.
Tobias Grimm:
Zum Abschluss noch einmal der Blick auf die Smart Country Convention. Wenn Sie sich hier die Projekte und Entwicklungen anschauen: Was macht Ihnen Mut, dass die Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland tatsächlich an Tempo gewinnt?
Kristina Sinemus:
Mir macht es Mut, hier insbesondere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zu treffen, die sagen: Am Anfang hatte ich vielleicht ein bisschen ein Störgefühl, aber inzwischen merke ich, dass Digitalisierung uns hilft, schneller zu werden und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten.
Und vor allem freue ich mich, wenn ich Bürgerinnen und Bürger treffe, die sagen: Ich habe jetzt endlich einen konkreten Nutzen von der Digitalisierung, weil etwas schneller und effizienter funktioniert, von zu Hause aus erledigt werden kann und ohne Papier auskommt.
Genau dann merkt man, dass Digitalisierung wirklich bei den Menschen ankommt.
Tobias Grimm:
Vielen Dank für das Gespräch.
Kristina Sinemus:
Gerne.
Tobias Grimm:
Und damit sind wir am Ende der Folge angekommen. Weitere Informationen aus der Digitalbranche und zur Smart Country Convention gibt es auf bitkom.org.
Danke fürs Zuhören und bis nächsten Freitag.