Tobias Grimm:
Künstliche Intelligenz wird im Smartphone zur Basistechnologie. Sie macht Geräte leistungsfähiger, persönlicher und komfortabler. Bitkom-Präsidiumsmitglied Marcel de Groot stellt die Ergebnisse einer Befragung zum Smartphone-Markt vor. Und Dr. Sebastian Klöß, Technologie-Experte des Bitkom, ordnet den Trend vertiefend ein.
Sebastian Klöß:
"Was ich spannend finde, auch die KI-Funktionen, die wirklich direkt ins Smartphone integriert sind, also um Texte zu erstellen, um Texte zusammenzufassen, um Bilder zu bearbeiten, werden schon von vielen genutzt, sodass man sieht, KI kommt wirklich auf den Smartphones an."
Tobias Grimm:
Außerdem, wo steht Deutschland bei der Umsetzung der Hightech-Agenda?
Dorothee Bär:
"Die Wirtschaft spielt eine ganz große Rolle, und zwar Industrie, Mittelstand, Handwerk, Start-ups. Und dann soll natürlich das Geld der Hightech-Agenda auch nochmal hebeln."
Tobias Grimm:
... sagt Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, im Gespräch mit Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Wir hören rein in den Podcast und erfahren, wie Deutschland seine digitale Souveränität gezielt stärken kann.
Und damit herzlich willkommen zu Tech Weekly, dem Podcast des Bitkom, mit mir, Tobias Grimm.
Tobias Grimm:
Im Juli hat das Bundeskabinett die Hightech-Agenda auf den Weg gebracht. Jetzt werden die Gelder dort konzentriert, wo Deutschland besonders große Chancen, aber auch einen besonders großen Bedarf hat. Wie weit wir in der Umsetzung sind, beschreibt Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, im Gespräch mit Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
Dorothee Bär:
Die Hightech-Agenda ist schon nach wenigen Tagen, nach 80 Tagen, im Kabinett verabschiedet worden. Und wir haben ganz viele Co-Federführungen in den Häusern. Das heißt, wir haben zum Beispiel bei der Mikroelektronik auch noch das Wirtschaftsministerium da mit an Bord. Bei der Fusion auch Wirtschaft, Umwelt. Also es sind sehr, sehr viele Ministerien, die da auch eine ganz große Rolle spielen.
Die Länder spielen eine große Rolle. Wir haben das auch als festen Tagesordnungspunkt in der GWK, in unserer gemeinsamen Wissenschaftsministerkonferenz zwischen Bund und Ländern. Die Wirtschaft spielt eine ganz große Rolle, und zwar Industrie, Mittelstand, Handwerk, Startups.
Und dann soll natürlich das Geld der Hightech-Agenda auch nochmal hebeln. Die Frage ist natürlich immer, wie hoch der Hebel ist. Da gibt es unterschiedliche Prognosen. Viele sprechen von einem Hebel zum Beispiel zu vier, um es mal konservativ zu rechnen.
Aber das sind alle die Fragestellungen, wie schaffen wir es da auch an der Weltspitze zu sein und wie Sie es gerade so schön beschrieben haben, unentschieden spielen. Das ist, denke ich, das, woran wir gekrankt haben. Wir haben uns total auf dieses Mittelmaß verlassen. Es reicht schon, überall dabei zu sein, und dadurch wird man natürlich abgehängt. Und jetzt kriegt man umgekehrt den Vorwurf, wenn ich den Satz noch sagen darf, wenn ich jetzt immer dann zu hören bekomme, wie größenwahnsinnig das ist, zu glauben, dass der erste Fusionsreaktor mal in Deutschland stehen wird. Wenn ich aber sage, ich möchte auch ein bisschen dabei sein und ich möchte den 37. Fusionsreaktor der Welt, das wäre so der Ansatz der letzten Jahre gewesen, und das reicht halt nicht.
Tobias Grimm:
Von den Unternehmen und auch speziell der Digitalwirtschaft wünscht sich die Ministerin mehr Engagement.
Dorothee Bär:
Und auch zu sagen, ja, man setzt auch einfach mal auf so eine Zukunftstechnologie und engagiert sich in einem bestimmten Bereich. Da würde ich mir einfach noch ein bisschen mehr Engagement auch wünschen.
Wir müssen das dann natürlich auch unterstützen, wenn die Unternehmen sagen, wir gehen da jetzt auch mal ein Risiko ein – und dürfen umgekehrt unsere Unternehmen nicht mit anderen Dingen knebeln, wie zu hohen Erbschaftssteuern und ähnlichem, dass es sich gar nicht mehr lohnt, auch innerhalb der Familie mittelständische Unternehmen weiterzugeben.
Das sehe ich auf jeden Fall so und das wollen wir als Union auch definitiv nicht. Aber gerade in diesem Wagniskapitalbereich auch nochmal auf neue Technologien setzen. Und ich merke das jetzt auch ganz deutlich. Ich war in der letzten Zeit bei sehr vielen Automobilzulieferern, um die auch noch mal mit auf den Track zu setzen, sich auch zu engagieren, zum Beispiel in der Weltraumindustrie.
In den nächsten Jahren werden so viele Milliarden im Weltraum verdient werden. Und die Frage ist, wer verdient die? Sind wir das als Europäer? Sind wir das mit unseren Wertepartnern? Weil verdient werden sie auf jeden Fall.
Ich erwarte mir auch insgesamt eine Unterstützung, auch was das Thema Schnelligkeit betrifft, was das Thema Speed betrifft. Aus der Industrie kennen Sie das. Wir sind jetzt nicht so die agilsten. Und einfach um beweisen zu können, dass wir auch in einer Demokratie schnell sein können, ohne uns ständig mit irgendwelchen Autokratien zu vergleichen. Das würde ich mir auch wünschen.
Tobias Grimm:
In dem Gespräch geht es auch um die Frage der digitalen Souveränität. Laut einer Bitkom-Befragung sind neun von zehn deutschen Unternehmen derzeit digital abhängig. Wie also werden wir souveräner und unabhängiger?
Dorothee Bär:
Wir müssen halt schon schauen, und das gilt jetzt nicht nur für Deutschland, das gilt für ganz Europa, dass wir nicht immer schon am Überregulieren sind, und am irgendwelche Acts verabschieden sind, bevor eigentlich Innovationen überhaupt da sind.
Weil Wasser findet immer seinen Weg. Und die Frage ist halt, wie können wir auf der einen Seite unser Lebensmodell auch schützen? Das ist schützenswert, weil wenn ich mir die Welt anschaue – und habe auf der einen Seite den Staat im Mittelpunkt des Handelns und auf der anderen Seite nur die Tech-Konzerne –, ist schon der europäische Ansatz immer vom Menschen her gedacht.
Also auch eine Human-Centered – ob das AI ist oder insgesamt – Digitalisierung, das ist schon wichtig, aber nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Deswegen diskutieren wir, wenn ich jetzt mal auf meine Zuständigkeit runterbreche, jetzt auch beim EU Space Act. Braucht es den überhaupt?
Und wenn es ihn braucht, dann auf jeden Fall nicht so regulierend, dass alle anderen nicht nur an uns vorbeiziehen, sondern an uns vorbeistarten, in die Luft schießen, wie auch immer. Und deswegen ist Souveränität wichtig. Auf der einen Seite ja, aber was auch eine große Rolle spielt, sind natürlich gegenseitige Abhängigkeiten schaffen.
Und allein die Tatsache, dass die Artemis-Missionen der NASA jetzt starten können, die nächste jetzt hoffentlich Artemis 2 dann im März, die gehen nur, weil das ESM, das European Service Module, in Deutschland gebaut wird. Und ohne das European Service Module kann keine einzige NASA-Artemis-Mission starten. Das heißt, wir brauchen uns gegenseitig. Das finde ich immer einen ganz, ganz wichtigen Punkt zu sagen.
Was können wir, was sonst niemand kann auf der Welt? Oder was können wir, was vielleicht jemand anders auch kann? Aber vom Kosten-Nutzen-Faktor sind wir am besten oder vom Innovationsgrad sind wir am besten? Das haben wir auch in anderen Bereichen.
Tobias Grimm:
Wie die Ministerin selbst künstliche Intelligenz einsetzt und welche Rolle Digitalisierung in der Hochschullandschaft spielt, erfahrt ihr im Podcast „Ralf Wintergerst trifft Dorothee Bär“. Den Link findet ihr in der Podcast-Beschreibung.
Tobias Grimm:
Inzwischen nutzen immer mehr Menschen KI-Funktionen regelmäßig auf dem Smartphone, erklärt Bitkom-Präsidiumsmitglied Marcel de Groot.
Marcel de Groot:
38 Prozent nutzen KI sehr regelmäßig und 33 Prozent würden für gute KI-Funktionen auch mehr bezahlen. Und 53 Prozent wissen aber nicht, welche KI-Funktionen sie nutzen können.
Tobias Grimm:
64 Prozent der Smartphone-Nutzerinnen und Nutzer haben bereits Sprachassistenten wie Siri, Alexa oder Hey Google verwendet.
Marcel de Groot:
56 Prozent Chatbots, 42 Prozent KI-Fotobearbeitung, was natürlich immer sehr lustig ist, und 37 Prozent KI-Textvorschläge.
Tobias Grimm:
Soweit zu den Ergebnissen der Befragung, die ich jetzt vertiefend mit Sebastian Klöß, dem Technologie-Experten des Bitkom, bespreche.
Sebastian, wir haben es eben gehört, schon heute nutzen mehr als ein Drittel, ganz konkret 38 Prozent, regelmäßig KI-Funktionen auf dem eigenen Smartphone. In welchen Bereichen setzen sich KI-Anwendungen beim Smartphone denn durch?
Sebastian Klöß:
Die Sprachassistenten sind nach wie vor so der Nummer-eins-Einsatzzweck. Die gibt es eigentlich seit 15 Jahren auf dem Smartphone. Das war so der Beginn der KI. Und heute ist es wirklich so, zwei Drittel nutzen es und weitere 20 Prozent können sich das vorstellen.
Was neuer ist, sind wirklich so die Chatbots, wie wir sie kennen, also ChatGPT, Gemini, Perplexity und Co. Die sind die letzten Jahre dazugekommen, werden aber auch schon von über der Hälfte tatsächlich genutzt. Ein weiteres Drittel ist offen demgegenüber. Was man, glaube ich, als Trend sehen wird, ist, dass es beide verschmelzen wird. Ja, die Sprachassistenten und die Chatbots.
Was ich spannend finde, auch die KI-Funktionen, die wirklich direkt ins Smartphone integriert sind, also um Texte zu erstellen, um Texte zusammenzufassen, um Bilder zu bearbeiten, werden schon von vielen genutzt, sodass man sieht, KI kommt wirklich auf den Smartphones an.
Tobias Grimm:
Wenn du mal auf den Smartphone-Markt an sich blickst, wie entwickelt der sich generell?
Sebastian Klöß:
Also der Smartphone-Markt ist riesig, etwa 40,6 Milliarden Euro in diesem Jahr. Und der setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. Wir haben auf der einen Seite die Sprach- und Datendienste. Die sind der größte Teil des Kuchens. Wir haben die Hardware, die Smartphones an sich, und wir haben dann Apps und auch die Netzinfrastruktur.
Und wenn man diese 40,6 Milliarden Euro dann aufteilt, sind etwa 24 Milliarden wirklich diese Sprach- und Datendienste und etwa 12 Milliarden sind die Smartphones. Und gerade die Hardware und die Umsätze damit gehen in den letzten Jahren tendenziell eher zurück.
Die Leute haben Smartphones, die Smartphones werden länger genutzt. Und dadurch ist eigentlich so der Umsatz mit den Smartphones selber rückläufig.
Tobias Grimm:
Wenn sich die Leute jetzt ein neues Smartphone kaufen, worauf achten die da? Was ist besonders wichtig?
Sebastian Klöß:
Spannend ist: Vor allem die Robustheit ist für die Leute wichtig. Also die Leute gucken darauf, ist das Bildschirmglas robust? Kann ich davon ausgehen, dass ich das lang haben werde? Sie schauen auch auf die Reparierbarkeit, wie reparierbar ist mein Smartphone? Und danach kommen natürlich Klassiker wie Speichergröße, wie aber auch beispielsweise die Fotoqualität. Das sind nach wie vor so Kriterien, auf die die Leute schauen, wenn sie ihr Smartphone auswählen.
Tobias Grimm:
Für die ganze Smartphone-Nutzung, da brauchen wir ja natürlich den Empfang möglichst überall. Wir sehen in der Studie, dass der Anspruch an den Mobilfunk wächst. 67 Prozent der Menschen wünschen sich überall flächendeckenden Empfang, auch beim Wandern oder im Wald, im Urlaub und so weiter. Wie kann denn der Mobilfunk-Ausbau in Deutschland weiter vorangetrieben werden?
Sebastian Klöß:
Ich glaube, wichtig ist nach wie vor der Netzausbau zur Priorisierung. Seit letztem Jahr gibt es ja das überragende öffentliche Interesse für den Ausbau und das muss jetzt wirklich auch auf Kommunalebene umgesetzt und durchgesetzt werden.
Das Weitere sind schnellere und digitale Genehmigungen für Mobilfunkmasten. Das heißt, die Verfahren müssen bundesweit wirklich gebündelt über eine zentrale digitale Stelle vereinheitlicht werden. Dadurch werden wir viel, viel schneller.
Wichtig ist auch die Planungssicherheit für Standorte. Da sieht man nach wie vor, es gibt keinen vollständigen Überblick über öffentliche Liegenschaften, wo beispielsweise dann Antennen installiert werden könnten.
Und was auch wichtig ist, die Antennen müssen ans Stromnetz und das muss priorisiert werden. Außerdem braucht man weniger Rechts- und Verfahrensschleifen und gerade die Genehmigungsprozesse müssen in der nächsten TKG, also in der Telekommunikationsgesetznovelle, vereinfacht und beschleunigt werden.
Und nicht zuletzt braucht man auch den Blick nach Europa, also nicht nur auf Deutschland. Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen in Europa mit dem Digital Network Act, beispielsweise einheitlichere Regeln und einen echten EU-Binnenmarkt wie die Telekommunikation.
Tobias Grimm:
Sebastian, vielen Dank für das Gespräch – und den Link zur Studie habe ich in der Podcast-Beschreibung hinterlegt.
Tobias Grimm:
Mit dem Ausblick auf Kalenderwoche 10 und damit einer Sitzungswoche im Deutschen Bundestag. In der Kabinettssitzung am 4. März werden unter anderem der Gesetzentwurf zur Stärkung von Medizinregistern sowie der Entwurf einer Verordnung zur Änderung der Emissionshandelsverordnung 2030 besprochen.
Und in Brüssel soll bei der wöchentlichen Kommissionssitzung die Intergenerational Fairness Strategy veröffentlicht werden. Außerdem veröffentlichen wir am Mittwoch, den 4. März, eine weitere Folge von „Wintergerst trifft“, diesmal mit Christian Dürr, dem Parteivorsitzenden der FDP.
Und damit endet der Ausblick auf die nächste Woche auch schon. Weitere Nachrichten und Informationen aus der Digitalbranche findet ihr wie immer auf bitkom.org.
Danke fürs Zuhören und bis nächsten Freitag.