Podcast

Wie KI beim Klimaschutz hilft und Gaming verändert

Der Podcast „Tech Weekly #152" zum Nachlesen

Tobias Grimm:
Wie können Digitalisierung und Künstliche Intelligenz dabei helfen, Waldbrände und Dürren vorherzusagen?

 

Leonie Kahl:
Ein Anwendungsfall ist zum Beispiel KI-gestütztes Waldmonitoring. Wir haben eine Vielzahl an Daten über die Waldbestände – durch Satellitendaten, Geodaten, aber auch durch Klima- und Umweltdaten. Diese Daten können wir erfassen und nutzen, um den Zustand der Wälder zu monitoren und mit KI frühzeitig zu erkennen, wenn sich Veränderungen ergeben.

 

Tobias Grimm:
Sagt Leonie Kahl, Umweltexpertin des Bitkom, und erklärt, was es braucht, damit solche Lösungen in die Praxis kommen.
Außerdem: Wir schauen in die Gaming-Welt. Welche neuen Möglichkeiten eröffnet dort Künstliche Intelligenz?

 

Felix Ansmann:
Von generativer KI für die Gestaltung von Levels über die individuelle Anpassung von Dialogen bis hin zu besseren Grafiklösungen ist ganz viel denkbar. Vieles ist aber noch ein bisschen Zukunftsmusik. Wir sehen einfach, dass die Menschen erwarten: Auch im Gaming muss mit dieser neuen Technologie irgendwie eine Revolution kommen.

 

Tobias Grimm:
Felix Ansmann, Software-Experte des Bitkom, gibt Einblicke in eine aktuelle Befragung zum Gaming in Deutschland und erklärt unter anderem, wofür die Community online Geld ausgibt.
Und damit herzlich willkommen zu Tech Weekly, dem Podcast des Bitkom, mit mir, Tobias Grimm.

 

 

Politik

 


Tobias Grimm:
Dieser Sommer hat uns die Folgen der Klimakrise deutlich vor Augen geführt: Waldbrände, vertrocknete Wiesen, Niedrigwasser und extreme Hitze.
Können uns Technologie und Digitalisierung dabei helfen, solche Extremereignisse früher zu erkennen und besser darauf zu reagieren? Und welche Rolle spielen dabei Algorithmen, Daten und smarte Netze?
Darüber spreche ich heute mit Leonie Kahl, der Umweltexpertin des Bitkom.
Leonie, welche Rolle kann Digitalisierung dabei spielen, Waldbrände und Dürren frühzeitig zu erkennen und im besten Fall sogar Maßnahmen einzuleiten, bevor die Situation wirklich außer Kontrolle gerät?

 

Leonie Kahl:
Ich glaube, vorab kann man einmal sagen, dass Digitalisierung ein zentrales Anwendungsfeld der Klimaanpassung ist. Digitalisierung kann ein wichtiger Hebel für mehr Nachhaltigkeit, mehr Klimaschutz und auch für das Erreichen unserer Klimaziele sein.
Die gute Nachricht ist: Wir haben eine Vielzahl an Daten. Wir haben Umweltdaten, Klimadaten und Daten zu Niedrigwasser. Jetzt gilt es, diese Daten zusammenzubringen und interoperabel nutzbar zu machen, um daraus Entscheidungen ableiten zu können.
Dazu braucht es nicht nur die Daten selbst, sondern auch digitale Lösungen und Plattformen, auf denen diese Daten eingespeist und verarbeitet werden. Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger können daraus dann ein Lagebild gewinnen und entsprechende Maßnahmen ableiten.
Ein Beispiel im Kontext von Niedrigwasser ist das Niedrigwasser-Informationssystem des Bundesumweltministeriums. Dort werden Daten etwa zu Niedrigwasser, Grundwasser und Niederschlägen gesammelt, auf einer digitalen Plattform zusammengebracht und methodisch eingeordnet. So entsteht ein vergleichbares Lagebild, das Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger nutzen können.
Ein weiteres Beispiel betrifft das Monitoring des Wasserverbrauchs bei Wasserknappheit: smarte Wasserzähler. Sie können helfen, den Verbrauch in einzelnen Haushalten zu beobachten und Verbrauchsdaten zu erfassen. Wenn dort auffällige Muster auftreten, zum Beispiel durch Lecks, können Verbraucherinnen und Verbraucher oder auch Wasserversorger frühzeitig reagieren und Maßnahmen einleiten. So wird einerseits kein Wasser verschwendet. Andererseits kann bei bevorstehenden Trockenperioden frühzeitig gegengesteuert werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Digitalisierung, digitale Technologien und digitale Plattformen können helfen, Klimarisiken vorherzusagen. Wir müssen anerkennen, dass Digitalisierung einen wesentlichen Beitrag dazu leisten kann, die Klimaresilienz unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft zu stärken.

 

Tobias Grimm:
Und welches Potenzial hat KI, gerade wenn es um das frühzeitige Erkennen von Risiken geht?

 

Leonie Kahl:
KI kann grundsätzlich sehr gut als Hebel für mehr Nachhaltigkeit funktionieren. Sie kann helfen, Klimarisiken frühzeitig zu erkennen oder Klimafolgen besser abzuschätzen.
Wichtig ist allerdings: Der Mehrwert liegt nicht automatisch in der Nachhaltigkeit selbst. KI kann uns vor allem dabei unterstützen, bessere Entscheidungen zu treffen und Entwicklungen vorab besser einzuschätzen.
Es gibt sehr viele verschiedene Anwendungsfälle von KI im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich. Einer davon ist KI-gestütztes Waldmonitoring.
Auch hier gilt: Wir haben eine Vielzahl an Daten über die Waldbestände – Satellitendaten, Geodaten, Klimadaten und Umweltdaten. Diese können wir erfassen und nutzen, um den Zustand der Wälder zu monitoren. Mit KI lässt sich dann frühzeitig erkennen, wenn Veränderungen auftreten – etwa durch Trockenheit oder natürlich auch durch Brände.
Über die Modellierung verschiedener Szenarien können dann frühzeitig Entscheidungen abgeleitet werden, wobei KI unterstützen kann.
Das Potenzial von KI im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich ist auch der Wirtschaft sehr bewusst. Unsere Bitkom-Studie von 2025 hat gezeigt: 84 Prozent der Unternehmen sagen, dass KI beim Klimaschutz und bei Nachhaltigkeit helfen kann. 85 Prozent sagen, dass KI dabei helfen kann, Klimarisiken vorherzusagen. Dieses Potenzial ist also da. Wir haben die Technologien und wir haben das Wissen darüber.
Gleichzeitig ist wichtig zu sehen, dass KI selbst einen ökologischen Fußabdruck hat – und der ist nicht gering. Er entsteht durch den laufenden Betrieb, aber auch durch das Training und die Anwendung der Modelle. Deshalb ist wichtig, dass auch die Infrastruktur dahinter nachhaltig gestaltet wird. Rechenzentren müssen energetisch möglichst effizient genutzt und Ressourcen wie Wasser gezielt gesteuert werden.
Nur so kann KI nicht nur für Nachhaltigkeit eingesetzt werden, sondern selbst auch nachhaltig sein. Genau darum geht es: KI nachhaltig machen und KI für Nachhaltigkeit nutzen.

 

Tobias Grimm:
Nun hast du die Lösungen beschrieben. Wie bekommen wir die denn in die Praxis? Welche Rahmenbedingungen muss die Politik auf der einen Seite schaffen? Und wie kann die Digitalwirtschaft dazu beitragen, dass diese innovativen Anwendungen schneller umgesetzt werden?

 

Leonie Kahl:
Ich glaube, der wichtigste Punkt ist, dass Politik und Bundesregierung verstehen und auch in ihren Strategien verankern müssen, dass KI und Digitalisierung ein wichtiger Teil der Lösung sind.
Das gilt für das Erreichen der Klimaziele, für Nachhaltigkeitsziele und Klimaschutz, aber auch für die Anpassung an aktuelle Klimafolgen wie Niedrigwasser oder Brände. Genau diesen Punkt – Digitalisierung als Querschnittsfaktor und zentralen Hebel für Nachhaltigkeit – haben wir auch in unserem aktuellen Positionspapier für den Aktionsplan für mehr Nachhaltigkeit in Deutschland formuliert. Neben dieser querschnittlichen Rolle der Digitalisierung haben wir dort auch einen Dreiklang für die Nutzung von KI für mehr Nachhaltigkeit formuliert.
Erstens: KI für mehr Nachhaltigkeit nutzen. Das heißt genau das, was wir besprochen haben. KI kann helfen, Energiebedarfe zu reduzieren beziehungsweise zu optimieren, Wasserverbräuche zu monitoren und ressourceneffiziente Lösungen zu entwickeln.
Zweitens: nachhaltige KI. Mit Blick auf den ökologischen Fußabdruck von KI muss nachhaltige KI eine politische Priorität werden. Es darf also nicht nur darum gehen, KI einzusetzen, sondern auch darum, sie nachhaltig auszugestalten.
Dafür braucht es Transparenz, zum Beispiel über den Wasserverbrauch beim Betrieb digitaler Infrastruktur. Es braucht erneuerbare Energien für Rechenzentren. Und es braucht Transparenz darüber, welche Modelle wie effizient sind, damit Anwenderinnen und Anwender, aber auch Beschaffende nachhaltige Entscheidungen treffen können.
Und drittens: KI als Wettbewerbsfaktor stärken. Dafür brauchen wir innovationsfreundliche Rahmenbedingungen und müssen auch die Skalierung nachhaltiger KI stärker fördern.
Abschließend lässt sich sagen: Es ist sehr wichtig, dass Klimapolitik eine Priorität bleibt, dass Klimaanpassungsmaßnahmen vorangebracht werden und dass digitale Lösungen dabei konsequent genutzt werden. Digitalisierung muss als zentraler Lösungsbaustein für Nachhaltigkeit verstanden werden.

 

Tobias Grimm:
Leonie, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Technologie


Tobias Grimm:
55 Prozent der Menschen in Deutschland ab 16 Jahren spielen zumindest hin und wieder Video- oder Computerspiele. Das sind rund 39 Millionen Menschen. Das zeigt eine aktuelle Bitkom-Befragung. Über die Ergebnisse spreche ich jetzt mit Felix Ansmann, dem Software-Experten des Bitkom.
Felix, fast die Hälfte der Gamerinnen und Gamer in Deutschland kann sich ein Leben ohne Video- und Computerspiele gar nicht mehr vorstellen. Wie sieht denn die Gaming-Welt in Deutschland insgesamt in Zahlen aus?

 

Felix Ansmann:
Wir sehen auch in diesem Jahr wieder: Gaming ist ein absolutes Massenmedium geworden. 55 Prozent sagen, dass sie hin und wieder bis regelmäßig Videospiele spielen. Das ist ungefähr das Niveau, auf dem wir seit fünf Jahren liegen. 2021 waren es noch 50 Prozent. Es steigt also leicht. Der zentrale Take-away ist aber: Wir sind inzwischen auf einem hohen Niveau angekommen. Gaming ist ein Massen- und Unterhaltungsmedium wie viele andere auch.
Spannend ist auch der Blick auf die tägliche Spielzeit. Es gibt natürlich die Top zehn Prozent, die mehr als fünf Stunden am Tag spielen. Das sind wahrscheinlich die Hardcore-Gamerinnen und -Gamer. Im Durchschnitt sind wir aber bei ungefähr zwei Stunden am Tag.
Bei den beliebten Genres geht es viel um Geschicklichkeitsspiele, Jump ’n’ Runs, Gelegenheitsspiele oder Spiele auf dem Smartphone. Natürlich sind auch Shooter, Action-Spiele und Rollenspiele sehr beliebt – also das, was man vielleicht klassisch vor Augen hat, wenn man an Gaming-Kultur denkt. Aber es gibt eben auch sehr viele Casual Games, die man vielleicht zehn Minuten an der Bushaltestelle spielt, um eine Wartezeit zu überbrücken.

 

Tobias Grimm:
Nun sagen ja 73 Prozent der Gaming-Community, dass sie online Geld für Spiele ausgeben. Lass uns einmal darauf schauen: Wofür wird da genau bezahlt?

 

Felix Ansmann:
Online Geld für Gaming auszugeben, kann ganz unterschiedliche Formen haben. Natürlich kaufen Menschen weiterhin Vollversionen von Spielen. Das ist im Prinzip das Gleiche wie früher im Geschäft, nur dass ich statt einer DVD oder Blu-ray einen Download kaufe und mir dann die Vollversion des Spiels gehört.
Immer wichtiger werden aber Abo-Modelle und Ingame-Käufe. Das ist ein Trend, den wir generell in der digitalen Entertainment-Branche sehen. Vieles verlagert sich zum Abo-Modell. Ich kaufe ja auch keinen Film mehr auf DVD, sondern abonniere beispielsweise einen Streamingdienst. Ein ähnliches Modell sehen wir zunehmend auch im Gaming.
Ingame-Käufe sind noch einmal ein eigenes Thema. Viele Spiele werden in ihrer Basisversion kostenlos angeboten. Man kann also kostenfrei spielen. Finanziert werden sie dann über sogenannte Microtransactions, also kleine Käufe während des Spiels – beispielsweise für Items oder Erweiterungen. Das ist freiwillig, aber inzwischen ein sehr verbreitetes Geschäftsmodell. Und gerade bei Ingame-Käufen sehen wir ein sehr differenziertes Bild. 58 Prozent sagen, dass sie von Kaufangeboten in Spielen genervt sind. 33 Prozent fühlen sich dadurch manchmal sogar abgezockt. Gleichzeitig sagen 43 Prozent, dass sie lieber kostenlos spielen und dann gelegentlich etwas über einen Ingame-Kauf dazukaufen.
Das ist also ein sehr wichtiges Erlösmodell für die Gaming-Branche. Gleichzeitig ist die Community ziemlich gespalten darüber, ob sie dieses Modell eher nervig findet oder sogar bevorzugt.

 

Tobias Grimm:
Lass uns in diesem Bereich noch einmal auf Künstliche Intelligenz schauen. Welche Rolle spielt KI inzwischen im Gaming?

 

Felix Ansmann:
61 Prozent erwarten, dass KI das Gaming in irgendeiner Form revolutionieren wird. Da sind verschiedene Dinge denkbar: generative KI bei der Gestaltung von Levels, individuelle Anpassungen von Dialogen oder bessere Grafiklösungen.
Vieles davon ist allerdings noch ein bisschen Zukunftsmusik. Wir sehen aber ganz klar: Die Menschen erwarten, dass mit dieser neuen Technologie auch im Gaming eine Art Revolution kommt. Gleichzeitig ist KI im Gaming noch einmal etwas anderes als das, was wir heute im populären Diskurs häufig darunter verstehen.
KI ist im Gaming schon seit den Anfängen des Genres in den 70er- und 80er-Jahren ein großes Thema und hatte lange – und teilweise auch heute noch – relativ wenig mit generativer KI zu tun.
Dabei geht es zum Beispiel darum, Charaktere oder Gegnerverhalten in Spielen zu simulieren. Das funktioniert teilweise über sehr einfache Systeme wie Decision Trees, bei denen vorprogrammierte Handlungsoptionen abgespielt werden, um Intelligenz zu simulieren.
Es ist also nicht automatisch immer generative KI gemeint. Das Thema Gaming-Hardware ist allerdings sehr stark vom aktuellen KI-Boom beeinflusst. Der KI-Boom hat auch in der Gaming-Branche einen erheblichen Preisanstieg bei Hardware ausgelöst. Denn teilweise wird dieselbe Hardware auch für KI-Rechenzentren benötigt.
Mittlerweile sagen 37 Prozent der Gamerinnen und Gamer, dass sie geplante Hardwarekäufe verschoben haben. Zum einen gab es Lieferengpässe, zum anderen sind die Preise so stark gestiegen, dass viele sagen: Das ist es mir nicht wert oder ich kann es mir einfach nicht leisten.
In diesem Sinne ist die Gaming-Kultur beziehungsweise die Gaming-Community also auch durch die Hintertür vom KI-Boom betroffen.

 

Tobias Grimm:
Felix, vielen Dank für das Gespräch. Wer noch tiefer in die Zahlen einsteigen möchte, findet die vollständigen Ergebnisse der Befragung auf der Webseite des Bitkom. Den Link dorthin gibt es wie immer in der Podcast-Beschreibung.

 

 

Der Terminkalender

 

Tobias Grimm:
Mit dem Ausblick auf Kalenderwoche 35: Der Deutsche Bundestag und auch das Europäische Parlament sind weiterhin in der Sommerpause.
Das Bundeskabinett kommt am 26. August zur nächsten Sitzung zusammen. Auf der digitalpolitischen Agenda stehen unter anderem der Gesetzentwurf zur Stärkung eines modernen, digitalen und wirksamen Umweltschutzes sowie der Entwurf von Eckpunkten zum Wärmenetzpaket.
Und damit sind wir auch schon am Ende der Folge angekommen. Weitere Nachrichten aus der Digitalbranche gibt es wie immer auf bitkom.org. 
Danke fürs Zuhören und bis nächsten Freitag.