Aus Sicht des Bitkom ist es richtig, dass die Strategie Finanzierung nicht nur in der frühen Gründungsphase betrachtet, sondern stärker auf Wachstum und Skalierung ausrichtet. Gerade in Zukunftsfeldern wie KI, Quantencomputing, Cybersicherheit oder ClimateTech brauchen Startups und Scaleups Zugang zu deutlich mehr Wachstums- und Wagniskapital. Wichtig ist, dass private und institutionelle Investoren stärker incentiviert werden, etwa durch bessere steuerliche Rahmenbedingungen, und große Finanzierungsrunden künftig häufiger aus Deutschland und Europa heraus möglich sind. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten Maßnahmen mit klaren Zielmarken, ausreichendem Volumen und besseren Exit-Bedingungen hinterlegt werden.
Der Bitkom begrüßt, dass Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen weiterhin ein Schwerpunkt der Strategie sind. Deutschland hat exzellente Forschung, bringt dieses Potenzial aber noch zu selten schnell genug in marktfähige Unternehmen. Programme wie EXIST, die Startup Factories und Reallabore können wichtige Hebel sein, wenn sie konsequent auf Tempo, Skalierung und unternehmerische Praxis ausgerichtet werden. Besonders wichtig bleibt eine gründungsfreundliche IP-Praxis, die Forschungseinrichtungen klare und verbindliche Rahmenbedingungen für Ausgründungen gibt.
Bei den Maßnahmen zu Ausgründungen bleibt die Strategie jedoch hinter den Ambitionen des Koalitionsvertrags zurück. Dort war noch von standardisierten Ausgründungsverträgen für Forschungseinrichtungen die Rede, die insbesondere die Nutzung von geistigem Eigentum gegen marktübliche Anteile ermöglichen sollten. Nun ist lediglich vorgesehen, bestehende Musterverträge, Checklisten und Leitfäden in einem zentralen Werkzeugkasten für den IP-Transfer zu bündeln und weiterzuentwickeln. Das ist ein sinnvoller Schritt, reicht für mehr Verbindlichkeit und bessere Ausgründungsbedingungen aber nicht aus.
Der Bitkom begrüßt ausdrücklich, dass Sicherheit und Verteidigung als eigenes Handlungsfeld in der Strategie verankert wird. Besonders positiv ist das neue Vehikel für Direktbeteiligungen, wenngleich Fragen zu Zeitplan und Zielvolumen offen bleiben. Die vorgesehenen Netzwerk- und Kooperationsstrukturen können dazu beitragen, Startups, Forschung, Industrie und militärische Bedarfsträger besser miteinander zu verbinden. Positiv ist zudem der Ausbau der Innovationsstrukturen, durch den neue Technologien schneller erprobt und für die Verteidigungsfähigkeit nutzbar gemacht werden können.
Der Bitkom begrüßt, dass die Strategie das Ziel schnellerer und einfacherer Gründungen klar aufgreift. Ein Gründungsbeschleunigungsgesetz ist ein wichtiger Schritt, wenn zentrale Hürden wie der schnelle Zugang zur Steuernummer und die Registermodernisierung infolge umgesetzt werden. Entscheidend ist, dass digitale Verfahren nicht nur punktuell verbessert werden, sondern durchgängig, nutzerfreundlich und medienbruchfrei funktionieren. Auch bei Themen wie Förderzugang, digitalen Beurkundungen und weniger Berichtspflichten braucht es konkrete Zeitpläne, messbare Ziele und eine zügige Umsetzung. Mit der EU Inc. und dem 28th Regime bietet sich zudem die Chance, diese Modernisierung verbindlicher voranzutreiben und Deutschland als attraktiven Gründungs- und Investmentstandort zu stärken. Bitkom begrüßt, dass die Bundesregierung den Vorschlag aktiv unterstützen will.
Aus Sicht des Bitkom ist der Fokus auf öffentliche Beschaffung besonders wichtig, weil der Staat für viele Startups ein zentraler Referenzkunde sein könnte. Bislang sind öffentliche Aufträge für junge Unternehmen aber oft schwer erreichbar, obwohl gerade sie innovative digitale Lösungen für Verwaltung und öffentliche Infrastruktur anbieten. Vereinfachte Verfahren, höhere Direktauftragsgrenzen und schnellere Zahlungsprozesse können hier einen konkreten Unterschied machen. Entscheidend ist, dass Startup-freundliche Vergabe nicht nur angekündigt, sondern in Bund, Ländern und Kommunen praktisch anwendbar wird.
Der Zugang zu Talenten bleibt eine zentrale Wachstumsfrage für Startups und Scaleups.Die im Koalitionsvertrag verankerte Work and Stay Agentur wird zwar in der Strategie genannt, jedoch nicht als konkrete Maßnahme aufgeführt. Dabei ist entscheidend, dass Verfahren schneller, transparenter und verlässlicher werden, damit junge Unternehmen im internationalen Wettbewerb um Talente bestehen können. Gleichzeitig braucht es bessere Rahmenbedingungen für Mitarbeiterkapitalbeteiligungen, Remote Work und mehr Diversität im Startup und Investment Ökosystem. Positiv ist die angekündigte Bitkom-Forderung zur Flexibilisierung hochvergüteter Arbeitsverhältnisse.
Eine bessere Zusammenarbeit zwischen Startups, Mittelstand und Industrie sind ein zentraler Hebel, um Innovation schneller in die Anwendung zu bringen. Der Bitkom begrüßt, daher das Vorhaben, Formate wie Venture-Clienting und gemeinsame Projekte stärker in den Blick zu nehmen, etwa durch Intensivierung der Arbeit der de:hub-Initiative in diesem Bereich. Entscheidend ist dabei jedoch, dass Kooperationen nicht bei Netzwerktreffen stehenbleiben, sondern in echte Pilotprojekte, Aufträge und langfristige Partnerschaften übergehen. Dafür braucht es auf Seiten etablierter Unternehmen mehr Offenheit, schnellere Einkaufsprozesse und klare Anlaufstellen für innovative Startup-Lösungen.
Der Bitkom begrüßt den stärkeren europäischen und internationalen Fokus der Strategie. Viele Startups müssen früh internationale Märkte erschließen, wenn sie wirklich skalieren und global wettbewerbsfähig werden wollen. Programme wie der German Accelerator und eine stärkere Dachmarke für den Startup-Standort Deutschland können helfen, Sichtbarkeit, Orientierung und Marktzugang zu verbessern. Entscheidend ist, dass Vernetzung, Internationalisierung und Standortmarketing enger zusammengedacht werden und die Maßnahmen Startups konkret beim Wachstum in Europa und darüber hinaus unterstützen.