02.11.2015 Wer die Digi­tal­isierung als Bedrohung wahrnimmt, hat schon verloren

Über die Hälfte der deutschen Unternehmen wird ihr Geschäftsmodell im Zuge der Digitalisierung ändern müssen. Wer nicht mitzieht, wird über kurz oder lang vom Markt verschwinden. Das hat eine Bitkom-Studie aus diesem Jahr ergeben , schwarz auf weiß: Produkte und Dienstleistungen, die früher vollständig offline waren, werden zunehmend digital. Unternehmen müssen dadurch in der Produktentwicklung etablierte Innovationsprozesse überdenken. Auch die Kundenbedürfnisse verändern sich durch Digitalisierung und neue Technologien. So können Kunden und Konsumenten ihre Wünsche, Ideen und auch Ärgernisse durch soziale Medien auf eine nie dagewesene Art und Weise sichtbar machen. Und nicht zuletzt wächst die Komplexität von neuen Produkten und Technologien. Während früher Geheimhaltung und undurchlässige Unternehmensgrenzen den Erfolg von Innovationsprozessen sicherstellten, sind heute Kollaboration, Vernetzung und Zugang zu relevantem Wissen ausschlaggebend.

Und obwohl wir natürlicherweise vor Veränderungen zurückschrecken, ist sie in diesem Fall nicht bedrohlich, im Gegenteil: Die Digitalisierung birgt große Chancen. Wer sie als Bedrohung oder unüberwindbare Hürde wahrnimmt, hat schon jetzt verloren. Sie bringt positive Veränderungen, nicht nur für jeden Mitarbeiter, sein persönliches Arbeitsumfeld, den täglichen Rhythmus. Nicht nur für jedes Unternehmen, seine neuen Entscheidungsprozesse und die Produktionsketten. Sondern vor allem auch für Deutschland als Wirtschaftsstandort im Ganzen.

Wir sind auf einem guten Weg, diese Chance auch zu nutzen. Vor allem im Start-up Umfeld – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – ist der Wille, diese Veränderung anzunehmen, unglaublich groß. Sogar so groß, dass wir auf ihm unsere Geschäftsmodelle aufbauen. Innosabi ist darauf spezialisiert, Unternehmen in ihren Innovationsprozessen mit Software zu unterstützen, die ihre internen und externen Stakeholder einbinden lässt und die so entwickelten Angebote erfolgreicher macht.

Mit großem Willen allein kommen wir, und damit meine ich die gesamte deutsche Wirtschaft, aber nicht zum Ziel. Im Zuge der digitalen Transformationen brauchen wir auch von Seiten der Politik geeignete Maßnahmen, um bei digitalen Schlüsseltechnologien, Diensten und Plattformen internationales Spitzenniveau zu erreichen. Sowohl auf nationaler als auch europäischer Ebene.

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Catharina van Delden

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„Die Digitalisierung birgt große Chancen. Wer sie als Bedrohung oder unüberwindbare Hürde wahrnimmt, hat schon jetzt verloren. Sie bringt positive Veränderungen, nicht nur für jeden Mitarbeiter, sein persönliches Arbeitsumfeld, den täglichen Rhythmus. Nicht nur für jedes Unternehmen, seine neuen Entscheidungsprozesse und die Produktionsketten. Sondern vor allem auch für Deutschland als Wirtschaftsstandort im Ganzen.“

Catharina van Delden, Mitglied des Bitkom-Präsidiums und Geschäftsführerin der innosabi GmbH

Mit der Digitalen Agenda hat die Bundesregierung eine sehr gute Grundlage geschaffen. Über die Hälfte der beschlossenen Maßnahmen wurden nach einem Jahr auf den Weg gebracht , gut ein Viertel ist abgeschlossen. Wirtschaftlich wichtige Schritte waren dabei die Frequenzversteigerung zum mobilen Breitbandausbau, das IT-Sicherheitsgesetz, die Plattform Industrie 4.0, für die Geschäftsstelle der Initiative Intelligente Vernetzung und das Digitale Testfeld Autobahn auf der A9. Auch im Bereich Start-ups ist die Bundesregierung auf dem richtigen Weg. Ebenfalls mehr als die Hälfte der 30 für diese Legislaturperiode geplanten Maßnahmen, von denen Start-ups oder Gründer direkt profitieren würden, wurde angegangen – auf das angekündigte VC-Gesetz wartet die Szene aber vergeblich. Ziel insgesamt muss es sein, bei digitalen Schlüsseltechnologien, Diensten und Plattformen internationales Spitzenniveau erreichen.

Darüber hinaus brauchen wir in Deutschland und Europa auch die Freiheit, zwischen all den Technologien, Diensten und Plattformen, die im Zuge der Digitalisierung auf den Weg gebracht werden, diejenigen auszuwählen, die für unsere Zwecke am besten geeignet sind. Eine selbstbestimmte und selbstbewusste Wahl zwischen Alternativen vertrauenswürdiger Partner, egal ob aus Übersee, Europa, Asien oder Afrika, halte ich für essentiell. Kurzum: Wir brauchen eine echte Digitale Souveränität für Deutschland und Europa. Das kann nur mithilfe der Politik gelingen.

Die große Herausforderung für uns alle ist, die digitale Transformation für die gesamte deutsche Wirtschaft positiv zu gestalten, die Chance für alle greifbar zu machen. Die Rahmenbedingungen müssen aus der Politik kommen, das ist klar. Der richtige Weg ist eingeschlagen, zwar noch lang, aber erste Schritte sind gemacht. Nun muss die Politik ihn weiter verfolgen.

Auch darüber hinaus müssen wir alle an einem Strang ziehen, die Flaggschiffe unserer Wirtschaft ihr internationales Gewicht einbringen, Start-ups ihre disruptive Kreativität, der Mittelstand sein Spezialwissen, Hochschulen und Wissenschaftszentren ihre Forschungsergebnisse und Investoren die finanziellen Mittel.

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