16.07.2015 Spionage: ein universales Risiko

Deutsche Wirtschaftsunternehmen mit ihren innovativen Produkten und modernen Technologien nehmen weltweit eine Spitzenstellung ein. Vor diesem Hintergrund ist Wirtschaftsspionage ein altes Phänomen. Fremde Nachrichtendienste und konkurrierende Unternehmen wenden einschlägige Mittel und Methoden an, um technologischen Fortschritt aufzuklären oder sich strategische Informationen zu beschaffen.

Spionage ist Realität
Der Einsatz digitaler Technik zur Erlangung vertraulichen Know-hows via Internet stellt ein seit einigen Jahren zunehmendes Problemfeld dar und hat die Möglichkeiten für Angreifer deutlich vergrößert. Unternehmenssicherheit wird mittlerweile zunehmend als IT-Sicherheit verstanden.

Der Schutz der IT-Infrastruktur, die Sicherheit der Kommunikationstechnik sowie der elektronischen Prozesse sind zentrale Aspekte des Know-how-Schutzes. Aber es wäre verfehlt, bei der Sicherheit kreativen Wissens von Firmen allein die Cyberdimension in das Blickfeld zu nehmen. Ein ganzheitlicher Wirtschaftsschutz muss personelle, organisatorische, bauliche und IT-Sicherheitsaspekte zusammen betrachten.

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Dr. Hans-Georg Maaßen

Zitat

„Um ein zutreffendes Lagebild zur Wirtschaftsspionage zu erstellen, statt nur auf die Spitze des Eisbergs zu schauen, sind mehr Erkenntnisse als in der Vergangenheit erforderlich. Doch leider mangelt es nach wie vor an Informationen aus den Unternehmen in Richtung der Sicherheitsbehörden.“

Dr. Hans-Georg Maaßen

Sicherheitsfaktor Mensch
Zahlreiche aktuelle Studien wie auch die jahrelange Erfahrung der Verfassungsschutzbehörden im Bereich der Spionageabwehr zeigen, dass das entscheidende Bindeglied in einer aufeinander abgestimmten Kette von Sicherheitsmaßnahmen jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter eines Unternehmens ist. Bewusstsein für Sicherheit und vorausschauendes Verhalten sind maßgeblich für mehr oder weniger Sicherheit im Unternehmen.

Dies gilt am Arbeitsplatz, z.B. unter Beachtung des Prinzips „need-to-know“. In der Regel muss nicht jeder Mitarbeiter Zugriffsmöglichkeiten auf alle relevanten Daten und Unterlagen des Unternehmens haben. Eine Zugriffsbeschränkung auf Teilbereiche eines Datennetzwerkes ist meist ohne erheblichen Aufwand zu realisieren. Eine „clean-desk-policy“ sollte darüber hinaus Standard an jedem Arbeitsplatz sein.

Sicheres und vorausschauendes Verhalten gilt vor allem auch auf Geschäftsreisen in das Ausland. Auf eigenem Territorium haben fremde Nachrichtendienste weitgehende Möglichkeiten der Kontrolle und Überwachung von Geschäftsreisenden. So unterliegt die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik im Ausland besonderen Risiken. Ein Hotelzimmer und ein möglicherweise dort befindlicher Safe sind keine sicheren Aufbewahrungsorte. Daher sollte grundsätzlich gelten, dass nur wirklich notwendige Daten und Unterlagen auf Geschäftsreisen mitgenommen werden. Nach Rückkehr sind elektronische Geräte einer Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen. Besser noch sind einfache Prepaid-Mobiltelefone ohne gefüllte Mailspeicher und Adresslisten.

Zur Unterstützung ihrer Reisenden und im Interesse größtmöglicher Sicherheit auf Geschäftsreisen sollten Unternehmen hierzu zielführende und praxisgerechte Sicherheitsregelungen integrieren und die Mitarbeiter entsprechend vorbereiten.

Unsere Studie "Spionage, Sabotage und Datendiebstahl – Wirtschaftsschutz im digitalen Zeitalter"

Wirtschaftsschutz im BfV
Das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht sich auf dem Gebiet des Wirtschaftsschutzes als Partner der Unternehmen und bietet im Rahmen der präventiven Spionageabwehr vielfältige „Security-Awareness“-Aktivitäten an. Dazu gehören bilaterale Sicherheitsgespräche, Sensibilisierungsvorträge in Unternehmen und bei Verbänden, diverse Publikationen, der BfV-Newsletter Wirtschaftsschutz sowie ein umfangreiches Internetangebot zum Thema.

Um ein zutreffendes Lagebild zur Wirtschaftsspionage zu erstellen, statt nur auf die Spitze des Eisbergs zu schauen, sind mehr Erkenntnisse als in der Vergangenheit erforderlich. Doch leider mangelt es nach wie vor an Informationen aus den Unternehmen in Richtung der Sicherheitsbehörden. Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Verbands Bitkom, wonach nur jedes fünfte Unternehmen bei Schadenseintritt staatliche Stellen einbindet, belegt dies nachdrücklich.

Verständlich sind Ängste der Unternehmen vor Prestigeverlust und Umsatzeinbußen, wenn ein erfolgreicher Spionage- und Sabotageangriff an die Öffentlichkeit gelangt.

Dennoch möchte ich dafür werben, bei vermuteten oder tatsächlichen Fällen von Wirtschaftsspionage oder Konkurrenzausspähung den Kontakt zu den Verfassungsschutzbehörden zu suchen. Denn das BfV bietet eine Beratung, auch ohne die entsprechenden Vorfälle zur Anzeige bringen zu müssen. Wir haben die notwendige Kompetenz für eine professionelle und vor allem vertrauliche Bearbeitung von Spionagefällen.

Wirtschaftsschutz bedarf des systematischen und gemeinsamen Vorgehens von Staat und Wirtschaft. Es muss unser gemeinsames Ziel sein, noch mehr Firmen in Deutschland für einen umfassenden Wirtschaftsschutz zu sensibilisieren. Egal, ob Digitalwirtschaft oder produzierendes Gewerbe, deutsche Firmen sind in Zukunft gefordert, Sicherheit als Unternehmensziel zu begreifen, das zu ihrem nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg beiträgt. Sicherheit gibt es nicht „aus der Steckdose“, sie erfordert verantwortliches Mitgestalten aller Beteiligten.

„Wirtschaftsschutz: Herausforderung und Chance für Unternehmen“ am 21. Juli 2015 im Neuen Schloss in Stuttgart befasst sich eingehender mit dem Thema. Zu dieser Tagung von BfV und Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg finden Sie nähere Informationen auf der Homepage verfassungsschutz.de .

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