28.02.2014 Kommunikation jenseits kultureller Grenzen

In einer globalisierten und vernetzten Welt ist die Kommunikation über kulturelle Grenzen hinweg eine wichtige Schlüsselkompetenz, die in internationalen Organisationen und Unternehmen verstärkt benötigt wird. Bisher war es mit hohem zeitlichen und wirtschaftlichen Aufwand verbunden, um praktische Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln. Der „Intercultural Campus“ nutzt das Web, um im Rahmen eines Online-Planspiels die Kompetenzen im Bereich der interkulturellen Kommunikation zu verbessern. Dafür gab es Anfang Februar den vom Bitkom verliehenen E-Learning-Preis d-elina in der Kategorie Campus. Über die Plattform sprachen wir mit der Projektkoordinatorin der Universität Jena, Anita Weißflog.

Wie sind Sie auf die Idee zum Online-Planspiel InterCulture 2.0 gekommen?

Die aktuellen Web-2.0-Technologien bieten immer mehr Möglichkeiten für grenzüberschreitende Interaktion und Austausch. Planspiele sind seit jeher ein sehr geeignetes methodisches Konzept, um die eigenen Kompetenzen aktiv zu erleben, zu trainieren sowie deren Tragfähigkeit durch das Erleben von Konsequenzen nachvollziehbar zu gestalten. Die neuen Technologien bieten nun einen Transfer in das Online-Szenario und ermöglichen zudem eine reale interkulturelle Interaktion, was im Bereich der interkulturellen Wirtschaftskommunikation von entscheidender Bedeutung ist.

Was sind die Unterschiede und Vorteile eines Online-Planspiels zur interkulturellen Kommunikation gegenüber traditionellen Trainings?

Der größte Vorteil ist die Interaktion mit realen Personen aus verschiedenen Ländern und Kulturen, ohne großen zeitlichen oder wirtschaftlichen Aufwand, wie es bei Reisen sonst üblich ist. In unserer ersten Online-Durchführung haben wir die Erfahrung gemacht, dass die intensive Zusammenarbeit mit den Teilnehmern genauso „zusammenschweißt“ wie die Arbeit in Präsenz. Der erste Verlauf war zudem etwas gewöhnungsbedürftig, da die verbale Kommunikation bei einem Online-Tool natürlich mehr im Vordergrund steht als in face-to-face-Situationen. Durch die Anwendung der neuen Technologien wird somit auch entsprechend die Medienkompetenz der Teilnehmer geschult - ein toller Nebeneffekt.

In welchem Umfeld und Umfang wird InterCulture 2.0 bereits heute eingesetzt? Eignet es sich nur für Studenten?

Aktuell wird das Online-Planspiel an Hochschulen durchgeführt. Generell kann es auch in Schulen oder Unternehmen durchgeführt werden. Hier gibt es noch einige Hürden zu überwinden. Zum einen muss eine gewisse Infrastruktur vorhanden sein, die zwar heutzutage in vielen Haushalten bereits vorhanden ist, aber unter Umständen im schulischen Bereich weniger gegeben, beziehungsweise nur unter Einschränkung nutzbar ist. Hierzu zählen etwa ein PC mit Webcam und Mikrofon sowie eine schnelle Internetverbindung. Zum anderen gibt es lizenzrechtliche Bestimmungen etwa für den Einsatz des Virtual Classrooms sowie bisher nicht einzuschätzende Entwicklungen hinsichtlich der Bewegungsfreiheit „externer“ User im Hochschulbereich, die zu beachten sind. Hier müssen in meinen Augen sowohl rechtlich als auch strukturell neue Wege gegangen werden, um die Möglichkeit der freien Zugänglichkeit von Wissen und Bildung sowie die Hochschule in ihrem Bildungs- und Transferpotenzial nicht unnötig einzuschränken. Auch ist zu beobachten, dass der Ausbildung von Sozial- und Selbstkompetenzen in der Praxis zu wenig Beachtung geschenkt wird. Hier soll das Planspiel ein geeignetes Konzept für die Zukunft bieten und wir würden uns sehr wünschen, geeignete und experimentierfreudige Transferpartner zu finden.

Was ist für die Zukunft geplant?

In naher Zukunft möchten wir Multiplikatoren ausbilden, um den Einsatz des Planspiels verstärkt anbieten zu können. Eine Weiterbildung von Trainern, welche bereits auf dem freien Markt tätig sind und das Planspiel als weiteres Angebot in ihrem Spektrum anbieten möchten, wäre denkbar. Langfristig können so mit entsprechender Unterstützung auch spezielle Planspielszenarien entwickelt werden, die beispielsweise auf besondere Geschäftszweige beziehungsweise Teilnehmerbedürfnisse zugeschnitten sind.

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