07.11.2014 E-Government: Deutschland hinkt hinterher

Ein Behördengang, ohne Haus oder Büro zu verlassen? Schriftverkehr, der ohne Papier auskommt? Das ist bereits möglich – wenn man in Litauen oder Finnland wohnt. Wir in Deutschland dagegen drucken buchstäblich das Internet aus.

Das Angebot digitaler Bürgerdienste ist zwar umfangreicher und besser geworden. Dennoch stagniert in Deutschland die Nutzung der E-Government-Angebote. 2013 luden sich 49 Prozent aller Bundesbürger über das Internet amtliche Formulare herunter, schickten Anträge an Behörden oder baten um Auskunft. Das sind nicht mehr und nicht weniger als 2009. E-Government tritt damit trotz des verbesserten Angebots seit vier Jahren auf der Stelle.

Nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat liegt Deutschland bei der Nutzung von E-Government-Angeboten gerade mal auf Rang 9 aller EU-Mitglieder. Spitzenreiter ist Dänemark. Dort verwenden mittlerweile 85 Prozent der Einwohner solche Dienste, es gab eine deutliche Steigerung innerhalb weniger Jahre. An der Hälfte der deutschen Bevölkerung ist der Trend dagegen vorbei gegangen.

Auch deutsche Unternehmen liegen bei der Nutzung von digitalen Behördendienstleitungen weit hinten. Zwar haben wir uns hier in den vergangen vier Jahren verbessert. 2010 tauschten zwei Drittel aller Firmen per Internet Daten und Informationen mit staatlichen Stellen aus. Heute sind es immerhin schon vier Fünftel. Trotz dieser Zunahme ist Deutschland damit auf dem Stand von Ländern wie Griechenland, Ungarn oder Bulgarien. Im EU-Schnitt nutzen 88 Prozent aller Unternehmen E-Government-Angebote. In Litauen und Finnland sind es fast alle. Mit Deutschland vergleichbare Länder wie Frankreich oder Großbritannien liegen ebenfalls bei über 90 Prozent.

Die Bundesregierung will Deutschland zum digitalen Wachstumsland Nr. 1 entwickeln. So steht es im Koalitionsvertrag, der das Wort „digital“ 125 Mal benennt – so häufig wie kein anderer Koalitionsvertrag zuvor. Um das selbstgesteckte Ziel zu erreichen, hat die Bundesregierung eine Digitale Agenda erarbeitet und zudem auch ein Regierungsprogramm Digitale Verwaltung 2020.

Manchmal ist die Wirtschaft der Politik ja schon ein Stück voraus. Zumindest bei der Digitalen Agenda hat unser Verband seine Vorschläge hierzu in einer IT-Strategie gebündelt und bereits kurz nach der CeBIT im März dieses Jahres vorgestellt. Dem Thema E-Government haben wir besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Aus unserer Sicht kommt der öffentlichen Hand eine entscheidende Rolle zu, Deutschland zum digitalen Wachstumsland zu entwickeln. Unsere Vision ist ein intelligentes Verwaltungsnetz ohne Medienbruch zwischen öffentlicher Hand und Wirtschaft – mit neuen effizienten Serviceangeboten für die digitale Wirtschaft.

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Prof. Dieter Kempf

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