19.05.2015 Digitale Souveränität – eine Positionsbestimmung

Die Wirtschaft steht vor einer umfassenden digitalen Transformation – die gesamte Wirtschaft, nicht mehr nur wie in der Vergangenheit einzelne Branchen. Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Das gilt nicht nur für die Fertigungsbetriebe, die sich zur Industrie 4.0 wandeln, oder für die Automobilhersteller, die mit autonomen Fahrzeugen zu Mobilitätsdienstleistern werden. Es gilt für das Gesundheitswesen ebenso wie für die Finanzwirtschaft, für die Touristik wie für die Agrarwirtschaft. Was beim stationären Handel begann, wird beim Handwerker nicht enden.

Aktuell gibt jedes zweite Unternehmen in einer Bitkom-Umfrage an, dass Wettbewerber aus der Internet- oder ITK-Branche auf den eigenen Markt drängen. Jedes dritte Unternehmen räumt ein, dass man Probleme mit der Bewältigung des digitalen Wandels habe. Und jedes fünfte Unternehmen fürchtet angesichts dieser Veränderungen sogar um seine Existenz.

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Prof. Dieter Kempf

Deutschland und Europa spielen im internationalen Vergleich der digitalen Leistungsfähigkeit derzeit nur im Mittelfeld. Wenn wir die Grundlagen für den Wohlstand künftiger Generationen erhalten und verbessern wollen, müssen wir den Ehrgeiz haben, die strategischen und besonders innovativen Technologien und Dienste hierher nach Deutschland und Europa zu holen. Wir müssen sie hier entwickeln und sie von hier in die internationalen Märkte tragen. Und wir müssen in der Lage sein, uns selbstbewusst und selbstbestimmt zwischen leistungsfähigen Alternativen unserer Partner zu entscheiden. Anders gesagt: Deutschland und Europa müssen digital souverän werden und bleiben. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen diesem Ziel, Digitale Souveränität zu erreichen, oberste Priorität einräumen.

BITKOM hat daher eine Positionsbestimmung zur Digitalen Souveränität vorgenommen und erste Maßnahmen formuliert, die wir jetzt gemeinsam und rasch angehen wollen. Deutschland muss …

  • ...Motor einer digital souveränen EU sein.
  • ...Europa zum Heimatmarkt machen.
  • ...zum europäischen Start-up-Hotspot werden.
  • ...seine Forschungsförderung auf Digitaltechnologien konzentrieren.
  • ...Datenvielfalt und Datenschutz ins Gleichgewicht bringen.
  • ...sein Bildungsideal um ein digitales Bildungsideal ergänzen.
  • ...seine Kommunikation optimal schützen.
  • ...die weltweit leistungsfähigsten digitalen Infrastrukturen aufbauen.

Wir stehen vor tiefgreifenden Veränderungen, und sie kommen rasend schnell. Die Branche, für die ich stehe, hat am eigenen Leib erlebt, was digitale Disruption bedeutet. Die Kommunikationstechnik wurde in Deutschland erfunden und beschäftigte vor 15 Jahren 200.000 Menschen. Davon sind – nach der Digitalisierung – noch 20.000 übrig. So etwas darf und wird uns nicht noch einmal passieren. Jetzt, in der großen Digitalen Revolution, geht es nicht um 200.000 Beschäftigte, es geht um Millionen. Es geht um unsere Zukunft. Diese Zukunft werden wir mit nur mit einem Höchstmaß an Digitaler Souveränität gewinnen.

Das BITKOM-Positionspapier zur Digitalen Souveränität können Sie hier abrufen.

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