10.02.2016 Die Zukunft des Musikmarktes - 5 Fragen an Michael Krause von Deezer

Das deutsche Urheberrechtsgesetz feiert seinen 50. Geburtstag. Die Digitalisierung fordert das Gesetz immer mehr heraus, öffnet aber auch Türen zu mehr Kreativität und Wertschöpfung. Renommierte Experten aus Wissenschaft und NGOs, Wirtschaftsvertreter, Künstler und Bundesjustizminister Heiko Maas berichten von ihren Erwartungen an das Urheberrecht. Maas wird auch auf dem Politischen Abend von Bitkom am 18. Februar zum selben Thema sprechen.

1. In 50 Jahren hat sich der Musikmarkt entwickelt und verändert wie kaum ein anderer. Der Produktionsaufwand ist drastisch gesunken. Der Musiker ist autarker als je zuvor. Trotzdem beklagen sich so viele Musiker. Warum?

Die digitale Revolution hat den Musikmarkt radikal verändert und hat bei Marktstrukturen, Vertriebsmöglichkeiten und Produktionsformen Spuren hinterlassen. Um die Jahrtausendwende macht sich durch die scheinbar grenzenlose und vermeintlich kostenlose Verfügbarkeit von Musik bei vielen Nutzern der Glaube breit, dass alles im Netz kostenlos sein müsse. Gerade zu Hochzeiten illegaler Peer-to-Peer-Dienste mussten viele Musiker darunter leiden.

Rund 15 Jahre später kann man jedoch behaupten, dass aus den Klagen von früher eine Art Aufbruchsstimmung geworden sind. Besonders Streaming-Dienste wie Deezer haben einen Paradigmenwechsel vorangetrieben und ermöglichen den Nutzern ihre Lieblingsmusik immer und überall – und vor allem legal – zu hören. Dass die ganze Branche davon profitiert zeigt die erst kürzlich veröffentliche Studie des BVMI: Der Musikmarkt ist 2015 um 3,9 Prozent gewachsen. In Schweden, dem Early-Adopter-Land in Sachen Musik-Streaming sind die Ausschüttungen an die Künstler laut des aktuellen IFPI-Berichts sogar um 111 Prozent gestiegen. Hinzukommt, dass viele Nutzer über Deezer oder andere Dienste neue Künstler entdecken und daraufhin Konzertkarten kaufen. Auch in dieser Hinsicht wirkt sich Streaming also positiv auf die Umsätze der Musikbranche aus. Der heutige Markt stellt an die Künstler jedoch viel höhere Anforderungen als noch vor zehn Jahren. Zur Promotion eines neuen Albums genügt nicht mehr der Besuch einer TV-Show. Die neuen Möglichkeiten und die steigende Komplexität die der neue Markt mit sich bringt, fordern von den Musikern natürlich eine Vielzahl von Kompetenzen. Neben der musikalischen Expertise muss man mittlerweile z.B. auch ein gewisses Marketing-Know-how vorweisen können um sich im Wettbewerb behaupten zu können.

2. Hat sich der Wert des einzelnen Songs verändert? Ist die Konkurrenz größer geworden?

Die heutige Technik ermöglicht es jedem Musikschaffenden seine Songs mit einem Klick einer größtmöglichen Hörerschaft zur Verfügung zu stellen und Hits können sich heute beispielsweise durch das Netz viel schneller verbreiten als noch vor ein paar Jahren.

Das bedeutet, dass die Konkurrenz heute natürlich viel größer ist als noch zu Zeiten des Transistorradios. Der Wert eines Songs hat sich meiner Meinung nach jedoch nicht verändert. Gute Songs werden sich weiterhin durchsetzen und ihre emotionale Bedeutung für den Fan behalten.

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Michael Krause

Vice President, Deezer Central and Eastern Europe

Zitat

„Jede Medienbranche steht vor der Herausforderung, das legale digitale Angebot attraktiver und komfortabler zu gestalten als sein illegales Pendant. “

Michael Krause, Vice President, Deezer Central and Eastern Europe

3. Es gibt Studien, die besagen, dass der Konsument nie mehr Geld für den Musikkonsum ausgegeben hat als heutzutage. Woran liegt das und was benötigt Deezer an gesetzlichen Rahmenbedingungen, damit dieses Geld auch beim Urheber ankommt?

Da Musikstreaming den Nutzern einen Riesenmehrwert bietet, sind viele gerne bereit, regelmäßig dafür zu bezahlen. Für nur 10 Euro im Monat kann ich jederzeit und überall das hören, was ich möchte. Deezer bietet ein Gesamtpaket aus Musik, Bundesliga, Hörbüchern und Podcasts. Attraktive Partnerangebote wie bei Vodafone machen es dem Nutzer leicht, sich für Streaming zu entscheiden und mit neuen Hardwarelösungen wie Multiroom-Lautsprechern kann man die neue Freiheit zudem flexibel nutzen.

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind im Wesentlichen bereits erfüllt und ermöglichen es uns, 40 Millionen Songs nahezu weltweit und legal anbieten zu können. Diese Möglichkeit muss allerdings geschützt werden. Wir sehen z. B. einen Verteilungsstreit zwischen Autoren und Textern und den Interpreten auf uns zukommen. Autoren und Texter möchten mehr von den Ausschüttungen profitieren. Dieser Verteilungskampf darf jedoch nicht auf dem Rücken der Anbieter erfolgen, denn über 70 Prozent unserer Einnahmen schütten wir bereits an die Kreativindustrie aus und befinden uns damit bereits am wirtschaftlichen Limit.

4. Der Musikmarkt ist Vorreiter der digitalen Transformation – was können andere Medien daraus lernen?

Durch die Digitalisierung und den modernen mobilen Lifestyle sind Nutzer es gewohnt, Inhalte überall und zu jeder Zeit zu genießen. Die Musikbranche hat dieses Bedürfnis erkannt und es geschafft medienrechtliche und technische Barrieren zu überwinden und mit den Streaming-Diensten ein adäquates Angebot zu machen.

Zudem ist die Zusammenarbeit mit branchenfernen Partnern wie Vodafone essentiell, um anfängliche Bedenken bei der Nutzung von legalen Streamingdiensten auszuräumen und noch mehr Menschen von den Vorteilen zu überzeugen. Jede Medienbranche steht vor der Herausforderung, das legale digitale Angebot attraktiver und komfortabler zu gestalten als sein illegales Pendant.

5. Wo erwarten Sie den Musikmarkt in 10 Jahren?

Streaming ist das Modell der Zukunft und wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung. Deutschland ist in vielen Dingen ein sehr traditioneller Markt. Innovationen werden nicht immer sofort mit offenen Armen empfangen. Doch der Trend zeigt seit einiger Zeit schon sehr deutlich: Downloads gehen zurück, Streaming nimmt stark zu (siehe aktuelle BVMI-Studie) – und das im CD-Land Deutschland. Ein vergleichsweise großer Teil des Musikumsatzes wird noch mit dem Verkauf von CDs gemacht. Natürlich wird es auch weiterhin Nischen geben, wie wir es heute z.B. beim Verkauf von LPs sehen.

  • Über Deezer: Deezer wurde 2007 gegründet und ist mit mehr als 6 Millionen Abonnenten in mehr als 180 Ländern einer der ersten globalen Musik-Streaming-Dienste.

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