31.03.2015 Arbeit ist eine Aktivität – kein Ort!

Vom amerikanischen Journalisten John Greenleaf Whittier (1807-1892) stammt die Aussage: „Von allen traurigen Worten die je gesagt oder geschrieben wurden, sind die Traurigsten: Es wäre möglich gewesen“! Whittier spielte mit dieser Aussage auf den Wandel der Gesellschaft an. Als Gegner der Sklaverei dachte er damals an politische Veränderungen für eine offene, freie, die Autonomie des Menschen fördernde Gesellschaft.

Aus Sicht der Softwarebranche geht es bei „Office in Motion“ um die Entwicklung zukunftsfähiger Produkte für den Prozess der Mensch zu Mensch und der Mensch zu Maschine Kommunikation. Also Softwareprogramme, die die Kommunikation sowie die Suche von Wissen oder Wissenden erleichtern und dadurch Prozesse optimieren oder gar vollständig automatisieren. Entsprechende Software wird unter dem Begriff Enterprise Content Management (ECM) zum Trägersystem für Wissensarbeiter.

Wie, wo und womit arbeitet der Wissensarbeitende von morgen? Dabei ist inzwischen nicht nur das Angebot von marktfähigen Hilfsmitteln und Softwareprodukten von Bedeutung, sondern die Tatsache, wie flexibel, ergonomisch und vor allem angenehm man damit arbeiten und umgehen kann. Denn Arbeit ist eine Aktivität – kein Ort! Und nur wenn die Aktivität Spaß macht und zur Lebensfreude beiträgt, wird der Veränderung unserer Kultur Rechnung getragen. Jeder Mitarbeiter erstellt und lebt eine eigene Bilanz des Erfolgs. Der Gallup Engagement Index hat bereits 2013 ermittelt, dass von 100 Erwerbstätigen in Büros nur 15 Prozent eine hohe emotionale Bindung zum Arbeitsplatz verspüren und in Folge dessen loyal, produktiv und innovativ sind. Aufgrund des demographischen Wandels wird daher die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu einem wesentlichen Faktor für wirtschaftlichen Erfolg. Der „war for talents“ entscheidet sich nicht zuletzt durch Qualitätskriterien der Arbeitsumgebung (Ort, Gebäude, Arbeitsplatz, technische Hilfsmittel, Software) sondern auch den modus vivendi – wie gehe ich damit um, welche Freiräume zur Nutzung der Infrastruktur werden gewährt und wie ‚smart‘ unterstützt die Software den User. Das wiederum hat direkte Auswirkungen auf die Intensität der geleisteten Arbeit. Das Büro erhält damit eine andere Bedeutung, eine neue Qualität, die nicht in Abhängigkeit zur Quantität der geleisteten Arbeit steht. Es dient nicht zur Kontrolle der Mitarbeiter und Ihrer Leistung, sondern zur Motivation und Inspiration. Wird das Office zum Hafen, an den man andockt um aufzutanken, dann hat das nicht nur technische Elemente – das Office wird dann zum sinnstiftenden und sozialen Raum in dem nicht zuletzt die Firmenidentität geprägt wird.

Bei steigender Flexibilität von Arbeitsort (bedingt durch Cloud, Home Office, Third Places, Mobil – quasi das Office im Rucksack) und Arbeitszeit (Freelancer, 24/7, Zeitzonen) dient das Office mehr dem Zweck zu inspirieren und gleichzeitig angenehmes wie asynchrones Teamarbeiten zu ermöglichen. Die Herausforderung an die Unternehmen besteht darin, die Kombination möglichst vieler Sinne des Wissensarbeitenden anzuregen. Dies verringert Fehlerquoten, fördert Kreativität, Arbeits- und Lernbereitschaft und dient nicht zuletzt der Identifizierung mit dem Projekt, dem Team oder der Firma. Wenn das Office zu meinem Heimathafen wird, in dem ich vor Anker gehe und wieder festen Boden unter den Füßen habe, also Sicherheit erfahre, Ladung oder Ballast lösche, neue Energie und Motivation auftanke, die Community treffe und Hilfe finde, dann docke ich dort nicht nur gerne an, sondern bewerbe diese Vielfalt. Ein solches Wohlfühlambiente trägt zudem von selbst dazu bei, Erfahrungen auszutauschen und Wissen zu transferieren. Die Ära des Herrschaftswissens gehört der Vergangenheit an. Wissen zu teilen (to share) ist die Zukunft. Die „Generation Facebook“ beherrscht dies bereits heute. Damit verändert sich der Charakter der Office Arbeit. Provokant könnte man fragen: Ist Surfen Arbeit? Die Veränderung ist offensichtlich. In der Vergangenheit musste man Erfahrungen (selbst) machen, heute recherchiert oder googlet man Erfahrungen – im Netz von denen zur Verfügung gestellt, die sie gemacht haben.

Kollaborative Suche und Dokumentenbearbeitung, digitales Papier, der digitale Schreibtisch und der personalisierte Desktop, auf dem die Software wie ein Fahrtenschreiber sogar auf die individuell fällige Pause (notwendig für Körper und Geist) hinweist, sind technisch realisierbar oder bereits im Einsatz. Ob und wie schnell dies umgesetzt wird hängt von den wirtschaftlichen Voraussetzungen und der Einstellung zu Change & Share der Unternehmen und den Wissensarbeitenden von heute ab.

Der Mensch spielt somit die zentrale Rolle. Menschen entscheiden sich leicht dazu etwas Neues anzunehmen, wenn sie davon überzeugt, besser noch begeistert sind. Wenn Kopf und Bauch ja sagen können, werden Unwägbarkeiten und Hindernisse leichter überwunden. Das ist die Herausforderung an die Softwareentwickler, Innen- und Gebäudearchitekten, Möbeldesigner und Städteplaner. Der Apell lautet: Macht es schön, einfach, bequem und einladend. Dann wird die Sehnsucht, dabei zu sein, auch den Nachwuchs an Mitarbeitern sicherstellen.

Insgesamt können wir John Greenleaf Whittier eine optimistische Quintessenz liefern: Change & Share ist nicht nur möglich und notwendig, Change & Share ist bereits in vollem Gange!

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Thomas Malessa

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