Ziele: Welche Ziele sollten Deutschland und Europa verfolgen?

Digitale Souveränität hat im Grundsatz zwei Ausprägungen:

  • Anbietersouveränität: Selbstbestimmte Herstellung digitaler Technologien, Dienste und Plattformen.
  • Anwendersouveränität: Selbstbestimmter Einsatz digitaler Technologien, Dienste und Plattformen Dritter.

Ein gesamtheitliches Konzept Digitaler Souveränität zielt also nicht nur auf die Befähigung zur selbstbestimmten Herstellung definierter digitaler Angebote ab. Ebenso ist es darauf ausgerichtet, digitale Technologien selbstbe- stimmt einsetzen zu können. Digitale Souveränität betrifft auch deshalb nicht nur die digitale Wirtschaft, sie betrifft in anderer Weise ebenso gewerbliche, private und öffentliche Anwender. Es geht bei Digitaler Souveränität also einerseits um digitale Leistungsfähigkeit von Unter- nehmen und andererseits um digitale Handlungsfähig- keit von Staat und Verbrauchern.

Digitale Souveränität zielt generell darauf ab, Unabhän- gigkeit von einzelnen Wirtschaftsräumen, Staaten und Unternehmen bei Bezug und Nutzung digitaler Technolo- gien, Dienste und Plattformen herzustellen.

Im Einzelnen geht es um:

1. Eigene Fähigkeiten zur Entwicklung, Herstellung und Veredelung digitaler Schlüsseltechnologien, Dienste und Plattformen.

2. Eigene Fähigkeiten zur Prüfung und Bewertung digitaler Technologien, Dienste und Plattformen unter Leistungs- und Sicherheitsaspekten.

3. Fähigkeiten von Unternehmen, Verbrauchern und Verwaltungen, digitale Technologien und Lösungen sicher, selbstständig und selbstbestimmt einzusetzen.

4. Hoheitliche Handlungsfähigkeit des Staats zum Schutz von Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität von Informationen und Kommunikation nach innen und außen.

Bitkom tritt dafür ein, dass sich Deutschland und Europa diese Ziele vollumfänglich zu Eigen machen und mit Nachdruck verfolgen. Dabei kommen auf die unter- schiedlichen Akteure, also Digitalwirtschaft, gewerbliche Anwender, Verbraucher und Staat unterschiedliche Aufgaben zu.

Datenbasierte Geschäftsmodelle und digitale Transformation

Deutschland muss in der Digitalwirtschaft eine weltweite Spitzenposition einnehmen. In diesem Sinne sollte sich Deutschland zum Ziel setzen, als Leitanbieter zu Erhalt und Gewinnung Digitaler Souveränität notwendiger Schlüsseltechnologien und -lösungen Standort Nr. 1 in Europa zu sein sowie einen Platz unter den leistungsstärksten Nationen der Welt dauerhaft zu behaupten. In den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sollten dabei, neben den digitalen Kernbranchen der Informationstechnologie und der Telekommunikation, jene Leitbranchen und -sektoren gerückt werden, die sich derzeit im Prozess der digitalen Transformation befinden.

Die Erlangung Digitaler Souveränität darf nicht nur ein Ziel für den ITK-Kern der digitalen Wirtschaft sein, sie muss ebenso im Rahmen der digitalen Transformation unserer Leitindustrien angestrebt werden: in der Automobilwirtschaft, im Maschinenbau, der Elektrotechnik, der Logistik, der Energiewirtschaft, dem Gesundheitswesen, im Handel, im Versicherungswesen, der Medienwirtschaft und weiteren Branchen – und ebenso in der öffentlichen Verwaltung.

Digitale Infrastrukturen und Plattformen

Im Zukunftsbericht »Smart Service Welt« haben Vertreter des Bitkom unter Federführung von Acatech und gemeinsam mit Vertretern weiterer Organisationen und Unternehmen herausgearbeitet, was Deutschland braucht, um die digitale Führung in den hiesigen Leitin- dustrien zu übernehmen. Es geht im Kern um datengetriebene Geschäftsmodelle rund um »Smart Products«, die in Deutschland entwickelt und weltweit hergestellt bzw. exportiert werden. Es geht darum, die Wertschöpfung aus den Betriebsdaten und den Smart Services im Land zu halten, die durch ein Ökosystem von Partnern in Deutschland und weltweit erbracht werden. Es geht um die Datenhoheit in den »Smart Spaces«, mit Sensorik bestückte Räume in der physischen Welt, die den Kontext der Mensch- und Maschinendaten bereitstellen. Digitale Souveränität bedeutet in diesem Sinne auch, den hiesigen Leitindustrien zu digitaler Führung zu verhelfen. Im Zentrum stehen dabei neue Plattformen, die »Smart Data« aus den Betriebsdaten der weltweit installierten und vernetzten Smart Products generieren.

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Auszug aus der Publikation "Digitale Souveränität - Positionsbestimmung und erste Handlungsempfehlungen für Deutschland und Europa." (herausgegeben vom Bitkom am 12. Mai 2015)

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