Das verstehen wir unter Digitaler Souveränität

Unter dem Begriff »Souveränität« versteht man allgemein die Fähigkeit zu ausschließlicher Selbstbestimmung. Diese Selbstbestimmungsfähigkeit wird durch Eigenständigkeit und Unabhängigkeit gekennzeichnet. Sie grenzt sich einerseits von Fremdbestimmung und andererseits von Autarkie ab.

In einem Zustand der Fremdbestimmung verfügt ein Land über keine eigenen Fähigkeiten in Schlüsselbereichen. Es ist zudem nicht in der Lage, Fremdleistungen zuverlässig einzuschätzen und im Bedarfsfall zu veredeln oder zu härten. Es fehlt zudem die Fähigkeit, auf solider Basis zwischen alternativen Fremdleistungen zu unterscheiden und zu entscheiden. Dem stehen autarke Systeme diametral gegenüber. Sie versorgen sich ausschließlich mit eigenen Angeboten aus eigenen Ressourcen. Dafür wird in Kauf genommen, dass autark erstellte Angebote weniger leistungsfähig und in der Herstellung aufwändiger sind, als entsprechende Angebote Dritter.

Autarke Staaten nehmen der Autarkie wegen bewusst Wohlfahrtsverluste und weitere Nachteile in Kauf. Autarkie ist in einer global vernetzten digitalen Welt weder zu erreichen noch anzustreben. Souveräne Systeme hingegen sind zu selbstbestimmtem Handeln und Entscheiden befähigt, ohne ausschließlich auf eigene Ressourcen zurückzugreifen. »Digitale Souveränität« bezeichnet in diesem Sinne die Fähigkeit zu selbstbestimmtem Handeln und Entscheiden im digitalen Raum. Digital souveräne Systeme verfügen bei digitalen Schlüsseltechnologien und -kompetenzen, entsprechenden Diensten und Plattformen über eigene Fähigkeiten auf internationalem Spitzenniveau. Sie sind darüber hinaus in der Lage, selbstbestimmt und selbstbewusst zwischen Alternativen leistungsfähiger und vertrauenswürdiger Partner zu entscheiden, sie bewusst und verantwortungsvoll einzusetzen und sie im Bedarfsfall weiterzuentwickeln und zu veredeln. Nicht zuletzt sind souveräne Systeme in der Lage, ihr Funktionieren im Innern zu sichern und ihre Integrität nach außen zu schützen.

Fremdbestimmt, souverän, autark? - Die digitale Wirtschaft

Eine Grundvoraussetzung digitaler Souveränität ist in diesem Zusammenhang die Fähigkeit, die Geschäftsgeheimnisse der Unternehmen und Forschungseinrichtungen bestmöglich zu schützen. Gleiches gilt für die Privatsphäre der Bürger.

Digital souveräne Systeme kennzeichnen sich dadurch, dass Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft Produkte, Dienstleistungen, Plattformen und Technologien unter Verwendung national und international zur Verfügung stehender Ressourcen entwickeln, zur Marktreife auf internationalem Spitzenniveau bringen bzw. dieses übertreffen und national und international vertreiben. Dabei unterstützt eine weltweite digitale Vernetzung.

Als digitale Schlüsseltechnologien und -kompetenzen begreifen wir

  • Entwicklungs- und Produktionskompetenzen rund um IT-, Netzwerk- und Plattformsicherheit und
  • Kompetenzen, digitale Technologien, Lösungen und Plattformen zu verstehen, zu prüfen, verantwortungs- voll einzusetzen und im Bedarfsfall so weitgehend zu veredeln und zu härten, dass sie den jeweils angestrebten Sicherheitsanforderungen entsprechen.

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Auszug aus der Publikation "Digitale Souveränität - Positionsbestimmung und erste Handlungsempfehlungen für Deutschland und Europa." (herausgegeben vom Bitkom am 12. Mai 2015)

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