Schluss mit Schlusslicht – mehr Frauen in die IT

Ein Interview mit Rima Akil, IT-Systemtechnikerin an der TU Berlin

Was und an welcher Hochschule hast du studiert?
Ich habe Informatik und Wirtschaft an der HTW, Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin studiert.

Was hat dich dazu bewogen, dieses Studium zu realisieren?
Nach meiner allgemeinen Hochschulreife wusste ich auf jeden Fall, was ich möchte - gutes Geld verdienen. Mein erster Gedanke war es, etwas zu finden, in dem ich viel Erfolg ernten kann.
Auf der Homepage der HTW Berlin bin ich dann auf den Frauenstudiengang Informatik und Wirtschaft gestoßen. Ich muss zugeben, dass ich mit dem Wort Informatik nicht viel anfangen konnte, doch die Kombination aus beidem klang sehr spannend. Ich habe mir sofort die Beschreibung durchgelesen.

Reizende Wörter wie, Frauenstudiengang, keine Vorkenntnisse nötig, wir fangen komplett von Null an haben mich fasziniert und überzeugt diesen Weg einzuschlagen

Wie wichtig war es dir in einem Frauenstudiengang zu studieren?
Es geht nicht um irgendeinen Studiengang, sondern um genau diesen: Informatik und Wirtschaft. Bisher war für mich Informatik ein reiner Männerberuf. Ich wüsste auch nicht was ich da verloren hätte. Aber dieses Angebot war so verlockend, dass ich mir diese Chance nicht entgehen lassen wollte. So beschloss ich mich in dieser Männerdomäne einzumischen.

Was waren die überzeugenden Kriterien für die Wahl eines monoedukativen Studiengangs?

  • Einen Männerberuf zu studieren nur mit Frauen
  • Ohne Scheu, ohne Vorkenntnisse oder sonstigen Arbeitserfahrungen
  • Von Null anfangen

Bild zum Ansprechpartner

Jana Bracklow

Referentin Personalentwicklung & Diversity Bitkom e.V.

Zitat

„Ich wäre nicht einmal auf den Gedanken gekommen Informatik zu studieren, wenn es den Frauenstudiengang nicht gäbe. Ich bin so glücklich, dass ich vor 5 1/2 Jahren diese Chance wahrgenommen habe.“

Rima Akil

Warst du in bestimmte Netzwerke oder Hochschulprogramme involviert, die dich unterstützt haben?
Ja! An meiner Hochschule habe ich am profIT-Mentoring Programm teilgenommen und durfte einen großartigen Menschen kennenlernen. Meine Mentorin Uta Menges, Diversity & Inclusion Leader von der IBM, ist eine eindrucksvolle, kompetente, charmante Frau mit viel Charisma. Sie steht mir immer zur Seite und begleitet mich bis heute durch mein berufliches und privates Leben.

Welchen Rat würdest du einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt ob sie in einem MINT-Fach studieren soll?
Für alle Schülerinnen, die schon wissen, was sie werden wollen und offen für neues sind, nehmt alle angebotenen Chancen wahr. Es gibt so viele Programme, die an Hochschulen oder Unternehmen angeboten werden. Macht alle Schnupperkurse mit, bewerbt euch, sammelt fleißig eure Teilnahmebescheinigungen, Zeugnisse oder Zertifikate ein. Diese bringen euch immer einen Schritt weiter. Bleibt so wie ihr seid und steigt einfach in dieses Berufsfeld ein.
"Who run the world?" Natürlich, Girls!

Wo und im welcher Position arbeitest du?
Zurzeit arbeite ich am Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft an der Technischen Universität Berlin als IT-Systemtechnikerin im Forschungsprojekt FANS (Fußgänger-Assistenzsysteme für ältere Nutzerinnen und Nutzer im Straßenverkehr) in einem interdisziplinären Forschungsteam. Ich arbeite mit Psychologen, Bio-Psychologen, Techno-Mathematiker, Geographen und Elektrotechnikern zusammen.

An welchen Projekten arbeitest du zurzeit und wie dürfen wir uns dieses Arbeitsgebiet vorstellen?
Als IT-Systemtechnikerin habe ich vielseitige Aufgaben. In meinem Projekt bin ich für die komplette Informationsinfrastruktur und Systemadministration zuständig.

Ich kümmere mich um unseren öffentlichen Auftritt in Form einer eigenen Homepage, die Administration verschiedener Server sowie allgemeine administrative Aufgaben wie Installationen verschiedener Programme, Verwaltung der Hardware und Software.

Als IT-Systemtechnikerin bin ich auch in manchen Projekten für die Softwareentwicklung zuständig. Ja, ich programmiere auch. Hier kann ich meine Ideen und Vorschläge, wie ein Programm aufgebaut werden soll umsetzen. Das Programmieren ist nicht leicht, umso schöner sind kleine Erfolgserlebnisse, die zwischendurch passieren bis zu dem Punkt wo das große Ganze fertig ist und fehlerfrei ausgeführt werden kann.

Welche besonderen Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Interessen braucht man für dieses Berufsprofil?
Viel Begeisterung für neues. Ein abgeschlossenes Studium. Arbeitserfahrung aus einer als Studentenwerktätigkeit ist von großem Vorteil. Hohe Motivation immer mehr zu lernen, denn man lernt nie aus.

Was fasziniert dich an deiner Tätigkeit am meisten?
Ich liebe meinen Job, weil er so vielseitig ist. Ich liebe es, dass ich mich als Informatikerin in einer Männerdomäne so verhalten kann, wie ich das möchte. Ich setze immer noch gerne Akzente mit rosa und pink und schmücke meine Monitore mit süßen Schleifen am Rand.

Von meinen Kollegen werde ich sehr geschätzt und am System Administrator Appreciation Day (jedes Jahr am letzten Freitag im Juli)) werde ich mit einer netten Geste meiner Kollegen überrascht.

Was muss sich deiner Meinung nach ändern, damit mehr Frauen mathematisch-technische Berufe wählen?
In den Grundschulen Informatik Kurse einführen, um schon frühzeitig das Interesse zu wecken. Den Informatik Unterricht interessanter gestalten, ggf. den Bezug zur Mode oder etwas Vergleichbarem herstellen. Eben das, was viele Mädchen interessiert.

Ist es für eine Frau schwieriger in einem eher männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten? Welche Erfahrungen hast du diesbezüglich gemacht?
Ich habe zum Glück nie eine negative Erfahrung diesbezüglich machen müssen. Ganz im Gegenteil, ich bin immer liebenswert aufgenommen worden, die Männer haben versucht mir zu helfen und sind immer total begeistert und freuen sich eine Frau im Team zu haben.

Welche beruflichen Ziele hast du persönlich für deine eigene Karriere?
Ich nenne sie immer, meine gesunde Karriere. Ich strebe das an, worin ich mich wohl fühle und was mich glücklich macht. Wenn ich das erfülle, ist das für mich meine gesunde Karriere. Aus dem Grund halte ich meine Pläne in meinem Karriereplan recht grob, dann kann ich ich immer noch einen Plan B aussuchen. Ich möchte einfach mehr lernen und mich immer weiterbilden. Dennoch träume ich davon eine Profi-Programmieren zu werden. Jeder erfahrene Java-Programmierer weiß, dass dieses Ziel circa 10 Jahre Berufserfahrung braucht.

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