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3 Fragen Dr. Katja Leikert

MdB, Berichterstatterin Telematik/Telemedizin (CDU)

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„ Wenn langfristig die Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen gelingt, bedeutet das vor allem einen deutlichen Gewinn für die Patienten. “

Welches Potenzial sehen Sie im Bereich E-Health?

Hier liegt riesiges Potenzial, das es zu nutzen gilt. Um an dieser Stelle nur einige Punkte zu nennen:

Wenn langfristig die Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen gelingt, bedeutet das vor allem einen deutlichen Gewinn für die Patienten. Durch die strukturierte Zusammenführung aller Daten in der elektronischen Patientenakte erhält der Patient die Hoheit über seine Daten. Dadurch können Patienten in Zukunft selbstständig – auch von zu Hause aus – leicht auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen und diese beispielsweise nach einem Umzug oder Arztwechsel ihrem Behandler unkompliziert zur Verfügung stellen. Damit sind die für die Versorgung eines Patienten wesentlichen Daten zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Auch für die Ärzte ist das von Vorteil, denn sie verfügen schneller über die notwendigen Behandlungsdaten und können dem Patienten dadurch gezielter helfen. So haben sie beispielsweise im Ernstfall über die elektronische Gesundheitskarte Zugriff auf die Notfalldaten des Patienten.

Das Thema eHealth bedeutet zukünftig außerdem mehr nutzbringende Anwendungen für den Patienten, wie z.B. das eRezept oder der eImpfausweis. Neben der Verbesserung der Versorgungsqualität birgt das Thema eHealth zudem Möglichkeiten zur Einsparung von Kosten und zum Abbau von Bürokratie im Gesundheitswesen.

Viele Health-Start-ups beklagen, dass eine zu starke Regulierung, etwa bei der Zulassung neuer Medizinprodukte, Innovationen verhindert. Muss das deutsche Gesundheitssystem hier flexibler und innovationsfreudiger werden?

Digitale Start-ups im Gesundheitsbereich sind zum Teil hochinnovativ. Die Grundlage für diesen Erfolg liegt unter anderem im Bereich der Forschung und Entwicklung sowie in einer gelebten Gründerkultur. Ein Motor für Innovation in unserem Land ist, dass sinnvolle medizinische Innovationen in Deutschland größtenteils schnell Teil der Regelversorgung werden. Die klare Vorgabe an die Gesundheitswirtschaft und an Start-ups in diesem Bereich lautet, dass Innovationen im Gesundheitswesen einen echten Patientennutzen bringen müssen. Doch gleichzeitig trifft es zu, dass hohe Anforderungen an die Evidenz oftmals unnötige Hürden darstellen, um Innovationen allen zugänglich zu machen. Hier benötigen wir einen innovationsfreudigeren Dialog innerhalb der Selbstverwaltung und klare Vergütungskriterien. Unser Ziel muss lauten, Start-ups, die wichtige Innovationen vorantreiben, in Zukunft noch besser als bisher zu fördern.

Durch das E-Health Gesetz finden im kommenden Jahr zwei telemedizinische Angebote Einzug in die Regelversorgung (die telekonsiliarische Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen und die Online-Videosprechstunde). Technisch wäre schon viel mehr möglich. Warum finden telemedizinische Anwendungen nur schleppend Einzug in die Regelversorgung und was unternimmt die Politik, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben?

Mit dem eHealth-Gesetz haben wir eine tragfähige Grundlage für die weitere Vernetzung im Gesundheitswesen gelegt. Zugleich wurden insbesondere durch die Verankerung von Fristen und Sanktionen im Gesetz konkrete Anreize geschaffen, um mehr Dynamik ins Spiel zu bringen. Das gilt auch, aber nicht ausschließlich, für das Beispiel Telemedizin. Der Anfang ist gemacht, aber wir dürfen uns nicht darauf ausruhen. Vielmehr muss es nun aus Sicht der Politik heißen, den bestehenden Impuls zu nutzen und die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter konsequent voranzutreiben. Dazu benötigen wir eine nationale eHealth-Strategie für Deutschland, die Schritt für Schritt darlegt, wie die Vernetzung des Systems zukünftig fortschreiten soll. Eines der wichtigsten Elemente dabei ist der Ausbau der Telemedizin. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass sich gerade in diesem Bereich enormes Potenzial für eine moderne Versorgung in Stadt und Land verbirgt.