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Drei Fragen an: Dr. Volker Wissing

Stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz

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„ Die Landwirtschaft ist einer der innovativsten Wirtschaftssektoren. “

Welche politischen Rahmenbedingungen brauchen wir nach Ihrer Auffassung für eine digitalisierte Landwirtschaft?

1. Die Digitalisierung braucht ein positives politisches Umfeld, welches die Chancen erkennt und unterstützt. Schnelle Internetverbindungen sind die Voraussetzung für digitale Anwendungen in der Landwirtschaft. Deshalb muss deren Ausbau gerade auch im ländlichen Raum vorangetrieben werden. In Rheinland-Pfalz werden bis Jahresende 2018 flächendeckend Bandbreiten von mindestens 50 Mbit/s zur Verfügung stehen. Langfristig ist ein kompletter Netzinfrastrukturwechsel von Kupfer zu Glasfaser anzustreben.

2. Viele Anwendungen in der Landwirtschaft basieren auf Geodaten. Deshalb ist deren Verfügbarkeit ein Schlüsselkriterium für eine erfolgreiche Digtalisierung im Agrarsektor. In Rheinland-Pfalz hat die Landesregierung den landwirtschaftlichen Betrieben eine kostenfreie Nutzung der SAPOS-Signale ermöglicht. Dieser Initiative sollten sich andere Bundesländer anschließen.

3. Ein weiterer wichtiger Aspekt für den Erfolg der Digitalisierung in der Landwirtschaft ist die Datensicherheit und die Gewährleistung der Eigentumsrechte der Betriebe an den eigenen Daten. Hier bedarf es zuverlässiger rechtlicher Rahmenbedingungen.

Vor welchen Herausforderungen steht die Landwirtschaft in ihrer digitalen Transformation?

1. Die Digitalisierung ist auch in der Landwirtschaft kein Selbstläufer. Natürlich müssen zunächst einmal konkrete Anwendungen zur Verfügung stehen, deren Einsatz ein deutlicher Vorteil für die Betrieb darstellt. Da viele dieser Produkte gerade im Ackerbau die Verfügbarkeit von Geodaten voraussetzt, stellen wir diese den Betrieben in Rheinland-Pfalz kostenlos zur Verfügung.

2. Damit digitale Anwendungen sich aber im wesentlichen Umfang durchsetzen, müssen wir von den Insellösungen einzelner Hersteller hinzu plattformübergreifenden Standards kommen.

Den Landwirten sollten die Daten, die sie auf dem Feld aufnehmen auch in anderen Anwendungen zur Verfügung stehen. Hier liegt ein großes Potential für den Bürokratieabbau, wenn die Daten, die z.B. im Pflanzenschutz erhoben werden, nicht nur für die betriebswirtschaftliche Rechnung, sondern auch für die Agrarverwaltung genutzt werden können.

3. In dem Maße, in dem die Digitalisierung in den Alltag der Landwirte Einzug nimmt, muss diese auch in der landwirtschaftlichen Ausbildung stärker Berücksichtigung finden. Die Digitalisierung findet nicht nur im Stall oder auf den Feldern statt, sondern zunächst einmal in den Köpfen unserer Bäuerinnen und Bauern.

Wie kann sichergestellt werden, dass Landwirte von heute und morgen digital gewappnet sind?

1. Allen bestehenden Vorurteilen zum Trotz ist die Landwirtschaft einer der innovativsten Wirtschaftssektoren überhaupt. Nur so gelingt es ihr, im mörderischen Preiskampf und unter dem Druck steigender Auflagen zu bestehen. Wenn die richtigen Anwendungen zur Verfügung stehen, werden sie sich auch durchsetzen. Für die Landwirtschaft gilt das gleiche wie für alle anderen Wirtschaftsbereiche: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sie wird sich nur dort durchsetzen, wo sie einen echten Mehrwert darstellt und die Voraussetzungen dafür liegen vor, z.B. durch eine verbesserte Wirtschaftlichkeit und die Vereinfachung von Verwaltungsprozessen.

2. Gleichzeitig ist es Aufgabe des Gesetzgebers einen verlässlichen Rahmen zu schaffen, z.B. für einen sicheren Datenverkehr, die Datensicherheit sowie die Datenhoheit der Betriebe.

3. Außerdem müssen die Hersteller sicherstellen, dass die Daten plattformübergreifend zur Verfügung stehen. Insellösungen verzögen die Digitalisierung. Die Standardisierung der Anwendungen ist deshalb von zentraler Bedeutung für den Durchbruch digitaler Lösungen und Ansätze in der Landwirtschaft.