Kann ein Verbraucher durch ein Intelligentes Messsystem Geld sparen?

Es wird in Zukunft möglich sein mit einem Intelligenten Messsystem Geld zu sparen. Der sich ständig ändernde Stromverbrauch und die schwankende Einspeisung von Erneuerbaren Energien führen zu stündlich sehr unterschiedlichen Strompreisen an der Strombörse. Dieser Effekt wird sich mit dem weiteren Ausbau der Erneuerbaren noch verstärken. Es ist nicht ungewöhnlich, dass dort in einer Woche Strom in der teuersten Stunde das Acht- bis Zehnfache der günstigsten Stunde kostet. An manchen Sonn- und Feiertagen führt ein Überangebot von Erneuerbaren sogar dazu, dass die Abnehmer von Strom für Ihren Verbrauch bezahlt werden. Hinzu können weitere staatliche finanzielle Anreize treten, Strom dann zu verbrauchen, wenn lokal viel Erneuerbarer Strom erzeugt wird, oder sich anderweitig netzdienlich zu verhalten.

Endverbraucher können von diesen Preisunterschieden bislang nicht profitieren. Alte Zähler können nur den jährlichen Gesamtverbrauch messen, der zu einem Durchschnittspreis abgerechnet wird. Sollten Verbraucher tatsächlich Strom zu Zeiten günstiger Preise verbrauchen, kommt dieser Vorteil nicht bei ihnen an. Dass dieses Signal fehlt, ist auch deshalb ärgerlich, weil niedrige Preise an der Strombörse in der Regel eine hohe Einspeisung aus Erneuerbaren bedeuten. Strom in diesen Stunden zu verbrauchen dient also der Energiewende und schont das Klima.

Günstige Preise in Zeiten schwacher Nachfrage sind in vielen Bereichen wie Reiseverkehr oder Onlinehandel längst Alltag. Mit einem Intelligenten Messsystem und einem variablen Tarif kann daher ein Nutzer zunächst einen Tarif erhalten, der mehr seinem realen Verbrauch entspricht. Er kann dann selbst entscheiden, ob er bestimmte Verbräuche in günstigere Zeiten verschieben will. In Zukunft kommt es darauf an heraus zu finden, welche Stromverbräuche für eine Verschiebung in Frage kommen.

Eine Liveübertragung im Fernsehen lässt sich beispielsweise nicht verschieben. Wenn es dunkel wird, hilft nur elektrisches Licht. Zu welcher Uhrzeit sich dagegen eine Kühltruhe herunterkühlt, der Laptop über Nacht auflädt oder die Wärmepumpe anspringt, ist dem Nutzer relativ egal. Mit der Erschließung solcher Potentiale und maßgeschneiderten Tarifen können dann Stromkosten auch in Zeiten der Energiewende stabil gehalten werden oder sinken. Durch variable Tarife wird die Stromrechnung also an erster Stelle realistischer und bei Bedarf an zweiter Stelle stärker beeinflussbar. Perspektivisch wird es aber weniger der Mensch sein, der seinen täglichen Stromverbrauch plant und optimiert. Vielmehr sollen die Geräte des Haushalts, die Anlagen in Gewerbebetrieben und die Laufbänder in den Fabriken selbst Netzsituationen durch unterschiedliche Preise erkennen und ihre Stromabnahme anpassen. Nur mit einer solchen Infrastruktur wird es möglich sein, ein Stromnetz stabil zu halten, das sich 2050 aus 80% schwankenden Erneuerbaren Energien speist.

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Felix Dembski

Bereichsleiter Intelligente Netze & Energie Bitkom e.V.

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