11.04.2016 Digitale Plattformen sind vielen Top-Managern kein Begriff

  • 60 Prozent ist die Entwicklung zur Plattform-Ökonomie unbekannt
  • Digitalisierung verändert Privatkunden- und Business-to-Business-Märkte
  • Unternehmen brauchen eine Plattform-Strategie

Berlin, 11. April 2016 - Eine der zentralen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung der Wirtschaft ist einer Mehrheit der deutschen Top-Manager unbekannt: Sechs von zehn Geschäftsführern und Vorstandsmitgliedern (60 Prozent) von Unternehmen ab 20 Mitarbeitern wissen nicht, was die Begriffe Plattform-Ökonomie bzw. digitale Plattformen bedeuten. Nur 40 Prozent der Befragten sind diese Schlagworte bekannt. Das hat eine repräsentative Umfrage unter 507 Unternehmen aller Branchen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergeben. „Die Digitalisierung führt auf vielen Märkten zu grundlegenden Veränderungen der Wettbewerbsbedingungen. Eine zentrale Rolle spielen dabei digitale Plattformen“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Es sei daher wichtig, dass die Verantwortlichen in den Unternehmen diese Entwicklungen bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Von den Top-Managern, denen das Thema Plattform-Ökonomie bekannt ist, gibt die Hälfte an, dass es bereits eine oder mehrere für ihr Unternehmen relevante digitale Plattformen gibt. Weitere 13 Prozent antworten mit „weiß nicht“. Nur 37 Prozent sagen, dass es bislang keine für ihr Unternehmen bedeutende digitale Plattform gibt.

Das Grundprinzip von Plattform-Märkten funktioniert ähnlich wie ein physischer Marktplatz oder eine Messe. Der Organisator des Marktes, also der Betreiber der Plattform, bringt an einem Ort Anbieter und Nachfrager von Waren oder Dienstleistungen zusammen. Der Plattform-Betreiber bekommt von den Händlern eine Gebühr dafür, dass sie auf dem Markt ihre Produkte anbieten dürfen. Von den Kunden erhält er zuweilen einen Betrag dafür, dass sie Zutritt zu diesem Marktplatz bekommen. Ein anderes Beispiel sind Zeitungen, die Anzeigenkunden und interessierte Leser zusammenbringen.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren in der digitalen Welt Plattformen wie Airbnb, Uber, Ebay, der Apple App-Store, Spotify etc. Online-Plattformen vermitteln zum Beispiel Zimmer für Übernachtungen, Autofahrten, überflüssigen Hausrat, Software oder Musik. Weitere Beispiele sind die Vermittlung von Immobilien, von Jobs oder von Kapital per Crowdfunding. Eigene Waren, Immobilien, Fahrzeuge oder Inhalte benötigen die Betreiber der Plattformen nicht. Sie generieren Einnahmen unter anderem über Mitglieds- oder Transaktionsgebühren. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter wiederum bringen Anbieter und Nutzer von Inhalten zusammen und schalten zielgenaue Werbung. „Anbieter von Produkten oder Diensten können ihre Reichweite über eine digitale Plattform enorm erhöhen und theoretisch jeden Internetnutzer weltweit erreichen“, sagte Rohleder. Auf der anderen Seite gebe es aber auch Herausforderungen, die Unternehmen berücksichtigen müssen. „Netzwerkeffekte führen dazu, dass es für jeden Markt nur wenige Plattformen geben wird“, betonte Rohleder. Zudem würden viele Unternehmen den direkten Kontakt zu ihren Kunden verlieren, wenn diese Beziehungen vom Betreiber einer digitalen Plattform übernommen werden. Rohleder: „Unternehmen brauchen in der digitalen Wirtschaft eine Plattform-Strategie. Sie müssen wissen, wie sie sich in diesem veränderten Umfeld bewegen wollen.“

Das vor allem auf Privatkundenmärkten bekannte Prinzip digitaler Plattformen wird nun verstärkt auf den B2B-Bereich übertragen, was unter anderem für das produzierende Gewerbe in Deutschland relevant ist. „Derzeit formieren sich in zahlreichen B2B-Märkten, zum Beispiel im Maschinenbau oder in der Landwirtschaft, digitale Plattformen“, sagte Rohleder. Über B2B-Plattformen können zum Beispiel Auftragseingang, Materialbeschaffung, Produktionspläne oder Logistikprozesse organisiert werden. Daneben spielen technologische Plattformen in der digitalen Welt eine wichtige Rolle. Beispiele sind teilweise oder vollständig offene Betriebssysteme wie Android und Windows oder der Datenbankbeschleuniger SAP Hana. „Auf digitalen Plattformen kann jeder die angebotenen Technologien nutzen, um damit eigene Anwendungen zu entwickeln und anzubieten“, sagte Rohleder. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Anbieter der Technologie öffnen und zum Beispiel Programmierschnittstellen (APIs) für eine Software zur Verfügung stellen.

Hinweis zur Methodik: Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Umfrage, die Bitkom Research in Deutschland durchgeführt hat. Dabei wurden Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder von 507 Unternehmen aller Branchen mit einer Größe ab 20 Mitarbeitern im Februar 2016 befragt.

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Maurice Shahd

Pressesprecher E-Mail: m.shahd@bitkom.org Tel.: 030 27576-114 Bitkom e.V.
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Dr. Joachim Bühler

Mitglied der Geschäftsleitung Politik & Wirtschaft Bitkom e.V.

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