06.01.2015 Wird die CES eine Automesse?

Daimler-Chef Dieter Zetsche hält eine der Eröffnungsreden, sein Unternehmen stellt ein selbstfahrendes Futurecar vor, Konkurrent Audi lässt ein eben solches Auto eine 900 Kilometer lange PR-Fahrt zum Veranstaltungsort machen. Es ist der erste Messetag, aber nicht auf der IAA, sondern auf der CES in Las Vegas. Die ursprünglich als Veranstaltung für Consumer Electronics gedachte CES wird, so scheint es, allmählich zur Automobilmesse. Den Trend gibt es auch anderswo. Martin Winterkorn von VW eröffnete die CeBIT 2014, BMW veranstaltet eine wiederkehrende hauseigene IT-Messe.

Die Integration der IT ins Automobil spielt für die Hersteller eine immer bedeutendere Rolle. In den vergangenen Jahren wurden Milliarden Euro investiert, um IT ins Auto zu bringen. Schon jetzt sind Fahrzeuge aller deutschen Automobilkonzerne serienmäßig mit Konnektivitätsdiensten ausgestattet. Damit tragen sie den Erwartungen der Konsumenten Rechnung. Der Smartphone-Anschluss im Auto ist für knapp die Hälfte der Autofahrer mittlerweile wichtiger als eine hohe PS-Zahl. Insbesondere jüngere Autofahrer unter 30 Jahren legen auf die technische Ausstattung viel Wert.

Autonomes Fahren ist momentan noch der neue große Showact für Messen wie die CES. Aber bis es sich in der Breite durchsetzt, ist es nur noch eine Frage der Zeit. Der Markt ist schon heute da. Mehr als jeder dritte Bundesbürger kann sich vorstellen, ein selbstlenkendes Auto zu nutzen.Und warum auch nicht: Der Wagen erkennt selbständig mögliche Gefahren. Die Gesundheit von Fußgängern und Insassen ist nicht mehr von der Tagesform oder dem aktuellen Zustand des Fahrers abhängig.

Eigentum am Wagen ist dagegen nicht mehr so wichtig. Nutzen statt besitzen heißt hier das Motto. Car- und Bike-Sharing boomt und damit boomt auch das intermodale Reisen – zumindest beginnt ein Boom, so weit es die Infrastruktur zulässt. Dabei kombinieren Reisende mindestens zwei Verkehrsmittel. Sie reisen z.B. mit der Bahn an und fahren mit dem Auto oder dem Fahrrad weiter. Erste Mobilitäts-Apps wie moovel, Mobility Map oder DB Navigator bilden diesen Trend bereits ab. Sie kommunizieren bereits über Plattformen miteinander.

Die Kommunikation mit der Infrastruktur (car-to-infrastructure) ist dagegen schon schwieriger. Die Individualverkehre, Transportverkehre und der ÖPNV sind untereinander faktisch nicht vernetzt. Deutschland mangelt es an einem intermodalen Verkehrsdaten-Verbundsystem. Dabei ist intelligente Vernetzung – nicht nur im Verkehr – ein entscheidender Standortfaktor.

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Johannes Weicksel

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