26.06.2015 Telemedizin: Ein Schritt vor – einer zurück

Zwei Meldungen im renommierten Deutschen Ärzteblatt vom gleichen Tag. Liest man die erste, erwartet man voll Zuversicht, dass nunmehr mit der telemedizinischen Versorgung ernst gemacht wird. Die zweite Meldung lässt einen dann wieder ratlos bis resigniert zurücksinken.

Die Gesundheitsminister der Länder wollen Telemedizin, um Patienten und Ärzte zu entlasten und zugleich die Versorgung zu verbessern. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll klären, wie die Telemedizin zum Bestandteil der regulären Versorgung gemacht und finanziert werden kann. Soweit – so gut.

Die zweite Meldung holt einen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: Die überfällige Aufnahme von Telekardiologie in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (Einheitlichen Bewertungsmaßstab) verzögert sich erneut. Herzpatienten, die ein Implantat tragen, würden in mehrfacher Hinsicht davon profitieren: Durch engmaschigere Kontrollen gewinnen sie eine höhere Sicherheit und dadurch auch mehr Lebensqualität. Darüber hinaus eignet sich die telemedizinische Kontrolle, um auch in ländlichen Regionen die kontinuierliche Betreuung von Patienten zu gewährleisten. Aber das Spitzengremium der Selbstverwaltung, der sogenannte Erweiterte Bewertungsausschuss, konnte sich bisher nicht auf einen Beschluss verständigen.

Vor diesem Hintergrund sollte man nun auch die aktuellen Diskussionen zum E-Health-Gesetz werten. Bitkom hat mehrfach zuletzt zum Regierungsentwurf angeregt , dass der Gesetzgeber selbst die Einführung von Telemedizin so verbindlich wie möglich vorschreiben sollte und insbesondere die sogenannte Telekonsile bei allen bildgebenden Verfahren in die Regelversorgung aufnehmen sollte.

Gerade in strukturschwachen Regionen ohne Fachärzte ist das die einzige Möglichkeit, den Patienten den Zugang zu Spezialisten zu ermöglichen. Die Bundesregierung beschränkt sich aber bisher darauf, für einen vergleichsweise kleinen Teilbereich, die telekonsiliarische Befundung von Röntgenaufnahmen einen verbindlichen Zeitrahmen zu verordnen. Schaut man sich die Praxis im verantwortlichen Gemeinsamen Bundesausschuss an, muss klar werden, dass eine entschlossenere Steuerung durch die Politik, wie sie die Gesundheitsminister der Länder beschlossen haben, notwendig ist.

Der Ball liegt nun beim Bundestag. Am 7. Juli ist die erste Lesung des E-Health-Gesetzes. Danach haben die Ausschüsse Zeit und Gelegenheit, verbindlichere Regelungen zur Telemedizin im E-Health-Gesetz aufzunehmen. Damit wir solche widersprüchlichen Meldungen nicht mehr so oft lesen müssen.

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Julia Hagen

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