20.05.2015 Schule muss zur digitalen Selbstständigkeit befähigen

Im Privaten wie in der Arbeit – digitale Medien spielen eine immer größere Rolle. Wir verfolgen die aktuellen Nachrichten aus Sport und Politik, wir haben Zugang zum Wissen dieser Welt, wir bestellen Waren im Internet, wir kommunizieren mit Menschen am anderen Ende der Welt. Digitale Werkzeuge und Medien sind längst Bestandteil unseres Alltags.

Dabei gibt es in Deutschland eine Spaltung in der Frage, wie souverän sich die Menschen in der digitalen Welt bewegen. Diese digitale Spaltung verläuft auch entlang der Generationen und der Geschlechter, aber vor allem entlang der sozioökonomische Verhältnisse und dem Bildungsstand der Menschen.

Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien und Informationen

Bildungseinrichtungen haben die Aufgabe, junge (und ältere) Menschen zur emanzipierten Teilhabe an einer Gesellschaft im Wandel und zu einem erfüllten Berufsleben in einer sich stetig verändernden Arbeitswelt zu befähigen. Der Erwerb zukunftsfähiger Kompetenzen im kritischen Umgang mit digitalen Medien und Informationen, die Befähigung zur digitalen Selbständigkeit der Menschen muss deshalb im Mittelpunkt heutiger Bildungsziele stehen. Dazu kommt der Aufbau einer grundständigen Kompetenz in der Informationstechnik, ohne die in der Arbeitswelt einer sehr nahen Zukunft kaum ein Berufsfeld auskommen wird. Nicht zuletzt wird es angesichts des bereits bestehenden Fachkräftemangels immer wichtiger, die Neugier junger Menschen und insbesondere der Mädchen auf IKT-Berufe zu wecken.

Die Realität ist unseren Schulen in diesen Bereichen einen weiten Schritt voraus. Deshalb zwingt eine Schule, die sich gegen die „Computerisierung“ stemmt, die Schülerinnen und Schüler zu einem Leben in getrennten Welten: Hier das Privatleben, in dem digitale Medien im Austausch mit Gleichaltrigen, aber auch im Vor- und Nachbereiten des Unterrichts eine selbstverständliche Rolle spielen, und da das Schulleben, das diese Möglichkeiten und die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler nicht aufgreift, auf veränderte Lernprozesse nicht vorbereitet ist und sie nicht produktiv nutzt, sie gar als störend empfindet und mit dem vielerorts ausgesprochenen Verbot von Smartphones die digitalen Endgeräte oft aus der Schule verbannen will.

Wandel der Lehr und Lernkultur ist überfällig

Der überfällige Wandel der Lehr- und Lernkultur weg von der Belehrung, der Idee des „etwas Beibringens“ und hin zu einem vom Impuls des Lernenden gesteuerten, individuellen und kollaborativen, vernetzten Lernen wird durch den Einsatz digitaler Medien erleichtert. Damit erwerben die Schülerinnen und Schüler wichtige, zukunftsfähige Kompetenzen für eine offene und moderne Gesellschaft und Arbeitswelt. Auch der in einem inklusiven Bildungssystem notwendige positive Umgang mit der Verschiedenheit der Schüler wird durch digitale Medien einfacher.

Für den Bildungsauftrag einer digitalen Selbständigkeit braucht es neben der sächlichen Ausstattung und den digitalen Lernmaterialien digital souveräne Lehrkräfte. Der Umgang mit digitalen Medien ebenso wie medienpädagogische Kompetenz muss deshalb verpflichtender Bestandteil der Aus- und Fortbildung pädagogischen Personals sein, und der Erwerb von Medienbildung und informatischer Grundbildung muss in den Lehr- und Bildungsplänen unserer Schulen eine Pflichtaufgabe werden. Zudem müssen Schulen bei der Erarbeitung und Umsetzung umfassender Medienbildungskonzepte auf die Kompetenzen außerschulischer Partner zurückgreifen können.

Aus den beschriebenen Gründen unterstütze ich sehr gerne die Initiative „erlebe it“, die mit viel ehrenamtlichem Engagement und mit Hilfe von Sponsoren kostenlose Workshops und Informationsveranstaltungen zur Steigerung der Medienkompetenz an Schulen anbietet, Schülerinnen und Schülern einen spannenden Einblick in das breite Spektrum der IKT-Berufe ermöglicht und damit wichtige Impulse für den Ausbau der Medienbildung an unseren Schulen bietet.

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Saskia Esken

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